Daniela Scholl (44),
Inhaberin der Frankfurter Auszeit-Agentur, hilft bei der Vorbereitung von Sabbaticals

der 20- bis 30-Jährigen planen wenigstens
vierwöchige Auszeiten, um zu entspannen oder zu reisen

(Quelle: „Millienial Carreers: 2020 Vision“,
Studie der Manpowergroup in 25 Ländern, 2016)


Frau Scholl, warum wollen Ihre Klienten für eine Weile aussteigen?
Die meisten wünschen sich Zeit, die nicht durchgetaktet ist. Sie wollen ihren Lebensrhythmus selbst bestimmen und sehnen sich nach einer Phase der Neubesinnung.

Was sind die Favoriten?
Eindeutig soziale Projekte im Ausland: von der Arbeit mit behinderten Frauen in Vietnam bis zur Tätigkeit in einem tansanischen Kinderheim. Manche wollen auch einfach nur ein halbes Jahr in Manhattan leben. Allen, die unsicher sind, was sie tun wollen, rate ich, einfach etwas auszuprobieren. Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.

Wie bereitet man eine Auszeit am besten vor?
Manche Arbeitgeber bieten Zeitwertkonten an, über die man eine bezahlte Auszeit ansparen kann. Wer unbezahlten Urlaub nimmt, kommt allerdings oft günstiger weg, weil er geringere Krankenkassenbeiträge zahlt. In jedem Fall sollte man gewissenhaft Einnahmen und Ausgaben auflisten und überlegen, wie lange die Ersparnisse reichen.

Wie lautet Ihr Rat für die Rückkehr in den Alltag?
Die Erwartungen nicht zu hoch hängen! Job oder Beziehung sind nicht automatisch besser, nur weil man eine Weile weg war. Manche Freunde und Kollegen interessiert es, von den eigenen Erfahrungen zu hören, andere nicht. Seien Sie geduldig mit den Daheimgebliebenen.

Haben Sie selbst schon mal eine Auszeit genommen?
Vor 20 Jahren bin ich drei Monate lang mit einer alten Karre durch die USA gefahren – eine tolle Zeit, in der ich viele nette Menschen getroffen habe. Und wer weiß, vielleicht ziehe ich noch mal für ein halbes Jahr nach Berlin oder Barcelona.

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