Camping? Gern, aber bitte mit ein wenig Glamour. Glamping hat sich zu einem riesigen Reisetrend entwickelt. Noch nie ließ es sich im Zelt so komfortabel übernachten

Dutzende Kerzen werfen Schatten an die Zeltwand, ein kuscheliges Holzbett ist mit dunkelroten Ethno-Decken hergerichtet, ein Blumenstrauß liebevoll arrangiert, auf dem Boden liegen dicke Teppiche. Nur der gut gebaute Mann, den Renée Zellweger als Bridget Jones im jüngsten Teil der gleichnamigen Filmkomödie hier nachts erwartet, gehört nicht zum Inventar.

Glamping, das Zelten mit Komfort, ist nun auch auf der Kinoleinwand angekommen. Reisende haben es längst entdeckt, selbst jene, die Campen bislang für die unbequemste aller Urlaubsformen hielten. Durchs Zeltdach tröpfelt es nun nicht mehr, und Schlangestehen vor den Waschräumen ist ebenfalls von gestern. Glampen macht selbst zartbesaitete Touristen zu echten Naturburschen.

Richard Branson, britischer Unternehmer (Virgin), Abenteurer und Milliardär trat den Trend los, als er 2007 in Kenia das Safaricamp Mahali Mzuri eröffnete, ein spektakuläres Zeltlager mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten und eine Reminiszenz an die Ursprünge des Glampings in Ostafrika: Großwildjäger aus Bransons Heimatland waren im 19. Jahrhundert in ihren afrikanischen Kolonien erstmals als Zelttouristen auf Safari gegangen. Nicht nur Gewehre hatten sie im Gepäck, sondern auch Betten, Küchen, Tischdecken, Holzfußböden und Badewannen, um sich den Staub der Savanne stilvoll abseifen zu können.

Auch in Bransons Zelten stehen heute Badewannen vor Panoramafenstern, durch die der Gast entspannt Wildtiere beobachten kann. Dazu gibt es eine kostenlose Minibar, moskito­freie Stunden am Pool dank Insektensprayeinsatz, Massage im Spa-Zelt, Butlerservice und Champagner zum Empfang. 800 Euro berechnet Branson pro Nacht in einem seiner Zelte – dem Jetset ist es das Erlebnis wert.


Heia Safari Vier idyllisch gelegene Luxuszelte bietet Glamping Canonici di San Marco nahe Venedig mit komfortabler Ausstattung, großen Terrassen und antiken Möbeln (Info und Preise, siehe unten)


Mittlerweile kommen nicht mehr nur Luxus­reisende in den Genuss des Zeltens ganz ohne Isomatten und Gemeinschaftsklo. Glamping ist kein fest definierter Begriff, es hat sehr viele Facetten: „Manchen Gästen reichen schon WLAN oder ein eigenes Bad, für andere ist ausreichend Platz zum Nachbarn der ultimative Luxus“, sagt Viktoria Groß vom Deutschen Camping Club, der 110.000 Mitglieder führt. Alle eint der Wunsch nach Komfort, wie ihn Hotels anbieten. Immer mehr Campingplatzbetreiber investierten daher neuerdings in Poollandschaften, Saunen oder Restaurants, beobachtet Groß.

Schon 2012 verbuchte der Reiseveranstalter Vacanceselect 40 Prozent der Übernachtungen im Glamping-Segment. Bis 2018 werden es wohl 70 Prozent sein, sagt Firmensprecher Thomas Reimann voraus. 1100 Glamping-Unterkünfte vermittelt die Gruppe europaweit. Darunter finden sich auch erstaunlich günstige Angebote: So ist der Aufenthalt in einer Öko-Lodge mit eigenem Bad bei Camping Domaine le Midi auf der französischen Atlantikinsel Île de Noirmoutier schon ab 360 Euro zu haben – pro Woche (www.domaine-le-midi.com). Vor allem die Premiumlage am schönsten Strand der Insel mitten in den Dünen und der überdachte Pool für Regentage begeistern die Gäste. „Ein Blick wie im Fünfsterne­hotel“, schwärmen einige und bekennen, bereits zum dritten oder vierten Mal hier ihre Ferien verbracht zu haben.


Wipfelsturm Im slowenischen Garden Village Bled schläft man in Zelten oder Baumhäusern (Info und Preise, siehe unten)


In den Nationalparks der USA oder bei Open-Air-Festivals ist diese Form des Reisens seit den 90er-Jahren bekannt. Besucher tragen gern Gummistiefel, wissen aber auch einen Whirlpool oder ein Kingsize-Bett zur Erholung zu schätzen. Die Briten fügten dem schicken Campen eine neue Facette hinzu: Schlossbesitzer stellten Ritterzelte, Jurten oder Zirkuswagen in ihre Parks. Eines der schönsten Schlösser, das 1119 erbaute Leeds Castle in Kent, hat etwa das „Knight’s Glamping“ im Angebot: In bunt gestreiften Ritterpavillons locken Himmelbetten und Polsterstühle, Holz knistert in den Öfen, und an der offenen Feuerstelle brutzelt das Fleisch für ein zünftiges Barbecue. Eine Nacht kostet hier ab 180 Euro pro Pavillon für zwei Personen (www.leeds-castle.com).

Egal ob im Ritter- oder Safarizelt, ob an einsamen Orten oder in großen Ferienanlagen – alle Camper suchen den unmittelbaren Kontakt zur Umgebung: das Flattern der Zeltwand im Wind, den Sonnenaufgang am Morgen, das Wellen- oder Blätterrauschen in der Nacht. „Wichtiger als die Einrichtung ist für die Reisenden das Naturerlebnis“, sagt Thomas Reimann, der die Website www.glamping-inspektor.de betreibt. Seine Tester schwärmen vom Rauschen der Bäume, dem freien Blick aufs Meer und der Begegnung mit Fischottern, die durchs Unterholz schleichen. Diese Momente bleiben unbezahlbar – vor allem, wenn es noch nicht mal durch das Dach regnet.

Von Vanessa Oelker


Rasten wie Ritter Knight’s Glamping empfängt seine Gäste in Ritter­pavillons mit Himmelbett auf einem Schlossanwesen im nordenglischen Leeds


Dreimal Camping mit Komfort

Italien Glamping Canonici di San Marco: In früheren Jahrhunderten verbrachten venezianische Dogen ihre Sommer in der Gegend zwischen dem Fluss Brenta und der Lagune von Venedig. Die vier Luxuszelte der Anlage verfügen über Terrassen und Bäder. Sie sind dekoriert mit orientalischen Stoffen und Antiquitäten. Das Frühstück wird im Gästehaus aus dem 17. Jahrhundert serviert. Ab 160 Euro pro Zelt; www.glampingcanonici.com

 

Spanien Die vier Zelte von Forest Days sind voll ausgestattet, unter anderem mit Öko-Toiletten. Das fünf Hektar große Grundstück schmiegt sich an die katalanischen Pyrenäen. Die Unterkünfte sind weit entfernt voneinander platziert und bieten viel Privatsphäre, das Frühstück wird geliefert. Ein Fluss mit natürlichen Pools kühlt im Sommer, Öfen heizen die Quartiere im Winter. Ab 110 Euro pro Zelt; www.forestdaysglamping.com

 

Slowenien Das Garden Village Bled ist ökologisch gestaltet mit eigener Wasserversorgung und hat 23 Unterkünfte. Die Anlage liegt 300 Meter entfernt vom Bleder See. Die Pier-Zelte stehen auf Holzplattformen am Wasserlauf eines Flüss­chens, das Glampingzelt (Foto) bietet Klimaanlage und Whirlpool. Die sechs Baum­häuser verfügen über Bad und Kitchenette. Pier-Zelte ab 90 Euro; www.gardenvillagebled.com