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Fotos: PR/Hersteller
Sie laden mobile Geräte auf, können nicht verloren gehen und alarmieren ihre Besitzer bei Diebstahl: Schlaue Gepäckstücke machen das Unterwegssein entspannter

Akku leer und kein Ladekabel dabei? Wer viel unterwegs ist, kennt die Probleme des mobilen Daseins. Eine neue Generation von Rucksäcken und Trolleys liefert Lösungen: Die Firma Bluesmart etwa bietet Handgepäck mit integriertem Ladegerät, das den Akku eines Smartphones oder Tablets bis zu sechsmal füllt. Das Modell „One“ (449 Euro) lässt sich zudem per App abschließen und ist über GPS lokalisierbar. Entfernt man sich von dem Gepäckstück, verschließt es sich selbstständig. Der Trolley „Bagmotic“ (540 Euro) des Herstellers Piquadro schickt darüber hinaus ein Alarmsignal aufs Handy, sollte sich der Besitzer weiter als 30 Meter von ihm entfernen. Die Köfferchen der Berliner Horizn Studios (ab 199 Euro) können über zwei USB-Anschlüsse mehrere Geräte parallel aufladen.

Ein Modell verfügt sogar über einen integrierten „Travel Assistant“, der rund um die Uhr Hilfe leistet. So wird selbst eine Reservierung im angesagtesten Restaurant der Stadt zum Selbstläufer. „Ich habe gute Nachrichten! Wir können deinen Tisch bestätigen“, schreibt der virtuelle Concierge per SMS wenige Minuten nach der Anfrage. Entspannter lässt es sich kaum reisen. Zum Dinner noch schnell den „Livefree“-Rucksack von Knomo (ab 179 Euro) geschultert, der bis zum Dessert über seine Powerbank sämtliche Mobilgeräte geladen hat.

Infos unter
www.bluesmart.com,
www.piquadro.com,
www.horizn-studios.com,
www.knomobags.com


Fotos: istock/Olivier Le Moal, HGEsch, Hennef (2), PR (5)
Im Wohnzimmer ist digitale Elektronik längst Alltag. Jetzt halten smarte Geräte auch in Küche, Bad und Foyer Einzug

Smarter Baden Im Hamburger „Apartimentum“ von Internetpionier Lars Hinrich lassen sich nicht nur die Fenster digital steuern, sondern auch Briefkasten oder Badewanne

Deutschlands zurzeit modernstes Mietshaus „Apartimentum“ unterscheidet sich äußerlich kaum von den anderen Gebäuden der Nachbarschaft. Weiß getünchte Stuckfassaden, schmie­deeiserne Balkone, prachtvolle Giebel. Doch unter dem Putz, in Kellern und Kammern steckt am Mittelweg 169 im feinen Hamburger Stadtteil Rotherbaum alles voll modernster Technik: Datenkabel und Hochgeschwindigkeits-Funknetze wurden installiert, um nahezu alle elektronischen Geräte miteinander zu verbinden. Nicht nur Musik­­an­lage und Fernseher, auch Beleuchtung, Heizung und Küchengeräte können per Handy ­gesteuert werden.

Sensoren melden dem System, wenn sich der Mieter nähert. Dann entriegelt die schlaue Wohnung das Schloss, macht das Licht an, aktiviert die Klimaanlage und holt den Aufzug in die Tiefgarage. Wer will, kann auf dem Weg nach Hause die Badewanne einlaufen lassen, checken, ob etwas in den Briefkasten geworfen wurde oder ob die Waschmaschine neue Tabs braucht.

Entworfen hat das alles Lars Hinrichs, Gründer des Business-Netzwerks Xing und Internetpionier. Jahre hat es gedauert, Millionen hat er investiert, inzwischen sind die ersten Mieter eingezogen.

Das „Smart Home“ ist nicht mehr nur Vision, sondern Realität. Fast die gesamte Elektronikbranche setzt inzwischen auf das voll­auto­matische Zuhause – Start-ups ebenso wie Konzerne. Google hat mit Nest Labs gleich eine ganze Firma mit einem Smart-Home-Sortiment gekauft, Apple stattet seine Geräte mit dem eigens entwickelten Homekit-Standard aus. Amazon rüstet den smarten Lautsprecher Echo so um, dass er als Steuerzentrale fürs Zuhause dienen kann. Selbst Ikea hat ein smartes Beleuchtungssystem vorgestellt, und auch Aldi-Lieferant Medion bietet Digital-Home-Produkte. Damit wird das Wohnen der Zukunft für jedermann interessant und erschwinglich.

Programmierbare Kochplatten, Körperwaagen, Haarbürsten, Babytrinkflaschen und Mülleimer werden von Herstellern getestet oder sind bereits im Handel. Lange waren die Batterieleistungen und Funknetze zu schwach. Für die Datenübertragung brauchte man eigene Leitungen, Bus-Systeme genannt. Zudem waren die nötigen Bauteile zu groß und zu teuer. Günstige und mikroskopisch kleine Computerchips ermöglichen es heute, praktisch jedes Haus­haltsgerät damit auszustatten.

Der Hightech-Kühlschrank Instaview von LG etwa ist ans Internet angeschlossen, hat einen eingebauten Monitor und versteht Sprachbefehle. Im Inneren platzierte Kameras schicken bei Bedarf Fotos vom Inhalt aufs Handy. So kann man im Getränkemarkt schnell nachschauen, ob noch genug Orangensaft da ist. Wer will, kann Instaview außerdem mit den Haltbarkeitsdaten der gelagerten Produkte füttern. Dann schlägt der Kühlschrank Alarm, wenn der Quark abzulaufen droht. Noch gibt es das Gerät nur als Prototyp. Ob es in Serie geht, ist nicht bekannt.

Viele digitale Innovationen sind Spielereien und taugen nur für Marktnischen. Ob sich etwa Dirror durchsetzen wird, ein Spiegel, der Nachrichten anzeigen und Musik abspielen kann, oder das Grillthermometer iGrill, das aus der Ferne darüber informiert, ob das Steak durch ist, muss sich noch zeigen. Andere Smart-Home-Anwendungen erleichtern das Leben nicht nur, sondern machen es günstiger. Zum Beispiel die smarten Heizungsregler von Tado. Mit ihnen lassen sich bereits bestehende Systeme digital nachrüsten. Sie können von unterwegs gesteuert werden und erhöhen die Temperatur nur dann, wenn es nötig ist. Bis zu 31 Prozent der Kosten lassen sich einsparen, behauptet der Hersteller.

Stark nachgefragt sind digitale Sicherheitssysteme. Mit vernetzten Bewegungs- und Rauchmeldern, Türklingeln und Kameras kann man von jedem Ort der Welt sein Zuhause kontrollieren. Ist etwas faul, meldet sich das System in der Wohnung mit einem Alarm – und informiert den Eigentümer über SMS oder Livebild. Im „Apartimentum“ schicken intelligente Türen eine Botschaft aufs Handy, wenn sich jemand an ihnen zu schaffen macht. Über die vernetzte Gegensprechanlage kann der Mieter versuchen, den ungebetenen Besuch zu überzeugen, die eigene Wohnung zu verschonen. Und das ist schon ziemlich smart.

Von Ulf Schönert

Informiert Dirror dient nicht nur als Spiegel, sondern zeigt auch Uhrzeit und Textnachrichten an. Ab 1870 Euro. www.dirror.com


Klingelt Skybell meldet übers Handy, wenn Besuch daheim vor der Tür steht. Ab 240 Euro. www.skybell.com


Wärmt Das Tado-Thermostat programmiert Heizungen so, dass sie nur dann laufen, wenn jemand zu Hause ist. Zur Miete ab 4,99 Euro pro Monat. www.tado.de


Brüht Bei der Kaffeemaschine EQ.9 connect s900 von Siemens lassen sich Aromaintensität und Temperatur per App programmieren. Circa 2600 Euro. www.siemens-home.com


Kühlt Der Hightech-Kühlschrank Instaview versteht Sprachbefehle und verschickt Fotos vom Inhalt. Noch nicht lieferbar. www.lg.com


Fotos: istock/oneinchpunch, GDI Gottlieb Duttweiler Institute
Kunden haben künftig viel mehr Einfluss darauf, was Firmen produzieren, prophezeit Konsumforscher David Bosshart. Im Gegenzug lassen sie sich bereitwillig immer leichter zum Kauf verleiten
Dr. David Bosshart leitet das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) für Wirtschaft und Gesellschaft bei Zürich. Der promovierte Philosoph forscht zur Zukunft des Konsums, zu Digitalisierung und Globalisierung

Herr Bosshart, wie sieht der Konsument von morgen aus? Werden wir verantwortungsvoller kaufen?
Es wird weiterhin Opportunismus vorherrschen. Nur in einzelnen Segmenten tut sich etwas: Bei Fleisch etwa ist der Druck von Umwelt- und Tierschützern sowie immer mehr auch von religiösen Minderheiten so stark, dass Kunden ihr Konsumverhalten ändern werden. Bei Bekleidung hingegen ist trotz steigender Transparenz der Produktionsbedingungen die Bereitschaft zum Umsteuern immer noch gering. Das gilt auch im Luxusbereich, in dem Stil und Qualität vorausgesetzt werden – jedoch keineswegs ökologische oder soziale Nachhaltigkeit.

Wird wenigstens exzessiver Konsum künftig durch sinnvolle Käufe ersetzt?
Ja und nein. Wir werden weiterhin viel konsumieren, aber selektiver. Wer keinen Mangel leidet und zwischen Angeboten wählen kann, wird erkennen, dass er gewisse Dinge schlicht nicht mehr braucht, etwa die 22. Vintage-Jeans.

Im Gegenzug geben Kunden immer mehr persönliche Daten preis. Wer hat hier eigentlich wen in der Hand?
Der Konsument wird sich künftig seiner Macht viel stärker bewusst und so seine Balance zwischen der Rolle des Diktators und der des Sklaven finden.

Wie meinen Sie das?
Einerseits gilt: Ich habe dank Digitalisierung vielfache Vorteile – Auswahl, Vergleichbarkeit, Verfügbarkeit, Schnelligkeit. Wenn du, Verkäufer, mir nicht gibst, was ich will, gebe ich dir nur noch negative Feedbacks, beeinflusse meine sozialen Netzwerke, blocke die Werbung. Andererseits sind die Übergänge vom Diktator zum Sklaven fließend: Ich lasse mich von den immer besseren Algorithmen führen und in die Enge treiben und kaufe, was ich gar nicht brauche.

Welche Folgen werden diese Steuerungsmechanismen auf unser Kaufverhalten haben?
Dank der selbstlernenden Algorithmen wird theoretisch der ganze Konsum immer plastischer und leichter vorhersehbar. Dadurch kann viel mehr automatisiert werden. Aufgrund der besseren Personalisierung werden klassische Läden noch stärker an Bedeutung verlieren. Die Konsumenten werden nicht mehr durch Werbung verführt, sondern durch Algorithmen geführt. Andererseits ist der Käufer der Zukunft auch ein Produzent von Daten, mit denen er auch handelt. Ist er mit einem aktuellen Anbieter unzufrieden, kann er die Daten an dessen Konkurrenten transferieren.

Interview: EVA TENZER

HIER finden Sie einen Film­beitrag über das Konsumverhalten der Zukunft

Fotos: istock/Geber86, PR
Der Sommer lockt mit Genüssen für alle Sinne

ZUM ANBEISSEN Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg beschäftigt
sich noch bis zum 29. Oktober in der Ausstellung „Food Revolution 5.0“
mit unserer Nahrung von morgen (Foto: „Edible Growth“ von Chloé Rutzerveld).
food.mkg-hamburg.de


VOLL ABGEFAHREN Holzkohlegrill aus Blech in Form eines
Landrovers von Chicken Shed Creation für Donkey Products,
60×25×27,5 cm, 399 Euro, www.donkey-products.com


„McDonald’s
kann die neue
amerikanische
Kirche werden –
und es hat nicht
nur an Sonntagen
geöffnet,
Jungs!“

McDonald’s-Gründer Ray Croc (Michael Keaton) im Film
THE FOUNDER von JOHN LEE HANCOCK über
die Anfänge der Fast-Food-­Kette in den 50er-Jahren.
Auf DVD und Blu-ray, ca. 20 Euro, z. B. über Amazon


NACHSCHLAG OHNE REUE Darf’s noch etwas Dressing oder Mayonnaise sein?
Warum eigentlich nicht? Die Soßen der Wundercompany schmecken – und sind
komplett fettfrei. 3,99 Euro pro Flasche (315 ml).
www.wunder-company.com


HEISS WIE DER TEUFEL Feuermeister heißt der robuste und
stylische Grillhandschuh des Arbeitsschutzspezialisten
A. Jungfleisch. Taugt zum Barbecue wie zum Schweißen,
29,50 Euro, z. B. über Amazon Prime


Süße Liebesgeschichte inklusive köstlicher Rezepte: Demi träumt zwar schon eine Weile davon, ihr eigenes Café am Meer zu betreiben und selbst gebackene Pasteten anzubieten. Allerdings hat sie gerade ihren Job als Kellnerin verloren – ihr Ziel scheint in weite Ferne gerückt. Bis sie Cale begegnet, der ein heruntergekommenes Anwesen an der Küste Cornwalls zur Ferienanlage umbauen will. Er bietet Demi einen neuen Job an. Und auf einmal scheint ihr Traum – vielleicht sogar ihr Traumprinz – zum Greifen nah. PHILLIPA ASHLEY: „Hinter dem Café das Meer“, Dumont-Verlag, 10 Euro.


Fotos: Rabert78/istock, braufaesschen.com, PR

Wir verlosen eine Reise nach München im Wert von 600 Euro für zwei Personen. Im Preis enthalten: Anreise mit der Deutschen Bahn (2. Klasse), zwei Übernachtungen im Hotel „Zum goldenen Löwen“ und ein Gutschein für das Hofbräuhaus.

Zweiter Preis: ein Portemonnaie mit abnehmbarem Reiß­verschluss-Münzfach von Bree im Wert von 185 Euro.

Dritter Preis: Bier selbst brauen mit dem Braufässchen „Festbier“ im Wert von circa 33 Euro. Prosit!


So können Sie teilnehmen: Senden Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff Gewinnspiel.
Einsendeschluss ist der 30. September 2017.

Teilnehmer am Gewinnspiel müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Mitarbeiter und Finanzberater von tecis und deren Familienmitglieder sind nicht teilnahmeberechtigt. Die Daten werden ausschließlich zur Abwicklung des Gewinnspiels genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden schriftlich oder telefonisch benachrichtigt.

istock/bkindler, privat, gameover2012/istock, Volkssternwarte München, querbeet/istock, Bildmaterial vom verrückten Eismacher, Giesinger Bräu, Olympiapark München, FJ Domke, Rabert78/istock, braufaesschen.com, PR
tecis-Berater TINO NEUMANN (38) wohnt seit 2000 in München, wo er erst studierte und dann bei tecis startete. Warum er so gern in München lebt? „Weil hier die Lebensqualität so hoch ist.“ Diese sechs Plätze zeigt er Besuchern am liebsten.
1 Biergärten

Klar, München ohne Biergarten geht gar nicht. Ein verstecktes Kleinod in den Isarauen, das selbst viele Münchner nicht kennen, ist die Sankt Emmeramsmühle. Im angeschlossenen Restaurant müssen Sie unbedingt die Schweineschäufele in Biersoße probieren. Ein toller Platz zum „Leutegucken“ ist für mich immer wieder der Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten. www.emmeramsmuehle.de, www.chinaturm.de

2 Bayerische Volkssternwarte

Jeden Abend führen junge Nerds (wie man sie aus „Big Bang Theory“ kennt) die Besucher auf das Dach der Sternwarte. Durch Großteleskope in zwei Kuppeln gewähren die Hobbyastronomen einen Blick auf Mars, Jupiter und Saturn und zeigen so unfassbare Fakten über Entfernungen, Zeit und Größe auf, die das eigene Dasein und Tun unweigerlich nicht mehr so wichtig erscheinen lassen. www.sternwarte-muenchen.de

3 Am Flaucher

Zum Entspannen gibt es kaum einen schöneren Platz als den Flaucher. Mittags gehe ich gerne hier an der Isar spazieren, abends komme ich her, um Freunde zu treffen. Für die Verabredung braucht’s kein Handy, irgendwen trifft man immer. Bei gutem Wetter ein Muss: der Biergarten „Zum Flaucher“. www.zumflaucher.de

4 Giesinger Bräustüberl

Die junge Brauerei im traditionellen Münchner Arbeiterbezirk Giesing bietet süffige Eigenkreationen wie die goldgelbe „Untergiesinger Erhellung“ oder das Starkbier „Sternhagel“ an. Im urigen Gasthaus können Sie beim Brauen nach traditionellem Verfahren zuschauen. www.giesinger-braeu.de

5 Schwabing

Der berühmte Stadtteil hat mehr zu bieten als das einstige Amüsierviertel an der Münchener Freiheit. In der Hohenzollernstraße findet man flippige Läden und schicke Designerboutiquen. Abends locken Bars, Clubs und Kneipen wie das „Shamrock“, ein klassisch irischer Pub. Wenn Sie mal Eis in den Geschmacksrichtungen Bier, Döner oder Schoko-Essiggurke probieren möchten, dann ab zum „Verrückten Eismacher“ in der Amalienstraße. www.shamrockmunich.de, www. dvem.de

6 Olympiapark

Für Veranstaltungen wird das Architekturdenkmal nur noch selten genutzt. Dafür dürfen schwindelfreie Besucher das berühmte geschwungene Dach des Olympiastadions bei einer spannenden Zeltdachtour erkunden. Zum Abschluss können sie sich wahlweise abseilen lassen – oder auf Europas längster Stahlseilrutsche (Flying Fox) quer durch die Arena gleiten. Eine Tour mit Flying Fox kostet aktuell 73 Euro für Erwachsene, 63 Euro für Kinder. www.olympiapark.de

Fotos: iStock/PongsakornJun, PR (6)
In diesem Frühling Gewicht ablegen – ganz ohne Diät

BUNTER ALS SONST Freddi Michael Soethout verwandelt in seiner Ausstellung „Luftstücke“ Wände und Räume des Landes­museums Bonn in ein Farbenmeer. Vom 11. Mai bis zum 16. Juli 2017, www.landesmuseum-bonn.lvr.de


MÖBEL ALS BLOCK „Papertool“ ist ein Notizbuch auf Rädern. Bei einem Verbrauch von einem Blatt pro Tag reicht der Vorrat fünfeinhalb Jahre. 289 Euro, www.idstudio-shop.com


„Wir haben zu viel Luxusprobleme.
Was glücklich macht, weiß jedes Kind.
Wertvollster Schatz ist uns’re Seele.
Sie war der Grund, weshalb wir aufgebrochen sind.
Überzeugt davon, dass das Gute stets gewinnt.“

Aus Gregor Meyles Song „Die Leichtigkeit des Seins “. 
Tourdaten 2017: 1. Juli, Hamburg; 8. Juli, Braunschweig;
11. August, Magdeburg; 12. August, Zwickau; weitere Termine unter www.gregor-meyle.de


BESSER ALS SCHLEPPEN Rollkoffer V3 aus der „Ultraleicht“-Kollektion von Tumi, ab 2,9 Kilogramm, 345 Euro, www.tumi.com


HÄRTER ALS STAHL Uhr „True Thinline Lightness“ von Rado – 4,9 Millimeter hohes Gehäuse, 35 Gramm, aus schwarzer oder weißer Hightech-Keramik, 2020 Euro, www.rado.com


SCHÖNER ALS ZERKNITTERT Dieser Regenmantel von Boss wiegt 250 Gramm und bleibt auch als Kissen verpackt faltenfrei, 699 Euro, www.hugoboss.com


Glücklich wird sie in diesem Leben nicht mehr, davon ist die 35-jährige Luce aus Neapel überzeugt. Die Anwältin bekommt von ihrem Chef nur die öden Aufgaben zugeschoben, ihr Freund hat sie verlassen, und mit ihrer Mutter gerät sie ständig aneinander. Allein ihr greiser Nachbar scheint sie zu verstehen. Er spornt sie schließlich an, mutig zu sein und selbst etwas für ihr Glück zu tun. Ein humorvoller und lebenskluger Roman des italienischen Bestsellerautors Lorenzo Marone, der selbst einmal als Anwalt gearbeitet hat. LORENZO MARONE: „Glück ist, was wir daraus machen“, Pendo, 18 Euro.


Fotos: istock/KarinaUrmantseva, PR (3)
Pappbecher ade – diese Flaschen für unterwegs sehen schick aus und lassen sich jahrelang wiederverwenden. Die Umwelt dankt es

Vivienne Westwood, Punk-Pionierin und Grande Dame der britischen Mode, begann 2011 damit, Verschwendung zu bekämpfen. Bei ihren Modenschauen in Mailand legte sie jedem Gast eine wiederverwendbare Trinkflasche auf den Sitz: ein Appell ans Umweltbewusstsein, den sie mit dem Schweizer Flaschenhersteller Sigg (Foto, Mitte) umsetzte. „Warum sollten wir das Geschenk des Lebens nicht schützen, solange wir es noch haben?“, sagte die Designerin.

Beim Trinken produzieren wir immer mehr Abfall: Laut Deutscher Umwelthilfe werden hierzulande pro Stunde rund 320 000 Kaffeebecher weggeworfen. Um die Müllmenge zu reduzieren, haben in Freiburg mehrere Cafés und Backshops jüngst ein System mit Pfandbechern eingeführt.

Auch der Einsatz von Trinkflaschen für Heiß- und Kaltgetränke hilft. Manche Hersteller glänzen mit cleveren Innovationen: Die US-Firma Bobble etwa bietet Behälter mit austauschbarem Aktivkohlefilter an, der Wasser von Chlor und organischem Schmutz reinigt, sodass man bedenkenlos an jedem Ort Leitungswasser trinken kann (Foto, rechts). Dank des Filters können auch Früchte oder Kräuter für den Geschmack hinzugefügt werden. Der deutsche Anbieter Vitajuwel setzt auf Edelsteine und deren regenerierende Wirkung durch elektromagnetische Schwingungen (Foto, links). Ob’s wirkt? Egal! Schön sieht es in jedem Fall aus – und die Verbindung mit der Natur ist auch gegeben.

Fotos: iStock/knape, PR (16), iStock/KashtykiNata
Gesünder als Kaffee, edel wie Wein, vielfältig wie nie: Tee ist das Trendgetränk der Stunde – und schmeckt besser als je zuvor

Die Zeremonie beginnt mit viel Dampf: Martin Sasse gießt brühendheißes Wasser in eine Tonschale. „Wenn die Tasse nicht vorgewärmt wird, verliert der Tee beim Aufgießen sofort zehn Grad, dann hat er nicht mehr die Temperatur für den richtigen Geschmack“, sagt er. Der 47-Jährige steht hinterm Tresen seines Hamburger Salons t.boutique & t.bar, vor ihm in der Auslage feines Gebäck und bunte Makronen aus Frankreich, hinter ihm im Regal selbst designte Teeboxen mit Aufschriften wie „John Lemon“, „Spice Girls“ oder „Honey Bunny“.

Mehr als 80 Teesorten haben er und sein Team zusammengestellt, verkaufen sie hier und im Internet oder bereiten sie direkt und perfekt zu: Sasse leert die vorgewärmte Schale, kippt mit einem zierlichen Löffel zwei Spitzen giftgrünes Teepulver hinein, gießt 100 Milliliter heißes Wasser darauf und schlägt mit einem rasierpinselähnlichen Bambusbesen das Gemisch auf. „Es dürfen keine Körnchen zurückbleiben“, erklärt er. Das Ergebnis: eine leuchtend grüne Tee-Crema, die nach Meeralgen und Blattgrün riecht. „Matcha-Tee ist ein Aha-Erlebnis“, schwärmt Sasse. Richtig zubereitet, versteht sich.

Schaumjob Martin Sasse in seiner Hamburger t.boutique & t.bar

Lieber lose Echte Genießer ziehen das Sieb herkömmlichen Teebeuteln vor

Eine Pflanze, Hunderte Sorten

Hängte man früher einen Beutel lieblos in heißes Wasser, wird Tee heute vielerorts mit Hingabe aufgegossen. Ob heiß oder kalt, mit Milchschaum oder Sirup, in Tausenden Variationen avanciert er zum Trendgetränk. „2015 lag der Konsum bei Schwarz- und Grüntees in Deutschland bei 28 Litern pro Kopf, das sind verglichen mit 2005 durchschnittlich drei Liter mehr“, sagt Maximilian Wittig vom Deutschen Teeverband. Nicht nur bekannte Sorten wie Earl Grey oder Darjeeling haben eine wachsende Fangemeinde. Mit extravaganten Mixturen, wiederentdeckten Traditionssorten, geheimnisvollen Zeremonien und neuen Gesundheitskonzepten weiten Teefirmen den Markt aus. Es gibt mittlerweile Kochbücher, die Rezepte mit Tee enthalten.

Auch die modernen Varianten des jahrtausende­alten Heißgetränks entstammen einer einzigen Strauchpflanze: Camellia sinensis. Ihre Knospen, Blüten und Blätter sind Grundlage für fast alle Tees. Individuelle Geschmacksnoten hängen von äußeren Faktoren wie Boden, Klima oder Verarbeitung ab. Je nachdem, wie die Blätter gewelkt, gerollt, fermentiert, getrocknet und dann gesiebt werden, entsteht grüner, schwarzer, gelber oder weißer Tee, Oolong- oder Pu-Erh-Tee. Mischungen aus getrockneten Früchten, Gewürzen oder Kräutern gelten lediglich als teeähnliche Erzeugnisse, erhöhen aber, pur oder mit klassischem Tee gemischt, die Geschmacksvielfalt des Angebots.

Erntezeit Charitea-Geschäftsführer Paul Bethke (l.) aus Hamburg auf einer Teeplantage in Ruanda

Die Experimentierfreude wächst

Jakob Berndt weiß um die unendlichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Der Mitgründer des Getränkeherstellers Lemonaid & Charitea hat mit seinem Team gerade auf einen Schlag 18 Sorten Aufgusstee auf den Markt gebracht. „Das ist zwar viel, aber bei Tee gibt es ein viel größeres Angebot und Geschmacksspektrum als bei Kaffee“, sagt Berndt. Bisher hatte die Marke Charitea lediglich vier Sorten kalten Tee in Flaschen im Sortiment. Wegen der wachsenden Beliebtheit war der Schritt zum Heißgetränk nur eine Frage der Zeit. Nun gibt es feine Pyramidenbeutel mit Bio-Kamille aus Ägypten, Ingwer aus Sri Lanka und schwarzem Tee aus Ruanda – biologisch erzeugt und von Feldern, auf denen Teebauern zu fairen Bedingungen arbeiten. Auch das trifft den Zeitgeist.

Grüne Hügel, feuchte Luft, unbekannte Düfte: Tee spricht Sehnsüchte an wie die Neugier auf fremde Kulturen. „Das Interesse an Tee aus ungewöhnlichen Provenienzen wie Neuseeland, Thailand, Malaysia oder Korea ist ebenso gewachsen wie die Experimentierfreude, Tee neu und anders zu genießen“, sagt Maximilian Wittig vom Deutschen Teeverband.

Neben edlen Traditionshäusern wie Kusmi Tea oder Mariage Frères aus Paris beleben derzeit kleine Manufakturen das Aufgussgetränk neu, befreien es von seinem Image des Omagetränks. „Tee erlebt gerade einen Aufstieg wie Wein. Der wurde noch in den 80er-Jahren oft massenproduziert, mit Zucker und anderen Zusatzstoffen versetzt“, sagt Jens de Gruyter.

2011 gründete der frühere Kreativdirektor in Berlin Paper & Tea. Die Firma bringt nicht nur eigene Teemischungen in runden, bunten Papierdosen heraus, sondern bedient mit detailverliebten Beschreibungen über Herkunft, Namen und Geschmack sowie Tipps zur Zubereitung und Seminaren das wachsende Interesse an dem Getränk. „Nur wer Tee probiert, weiß, was er bisher verpasst hat“, sagt de Gruyter.

Connaisseure finden immer exquisitere Angebote vor – etwa beim Stuttgarter Label Von Rippel. Über ausgewählte Feinkostläden und einen eigenen Onlineshop werden drei Editionen halb fermentierter Oolong-Tees angeboten, in Gefäßen aus licht­undurchlässigem Violettglas mit puristischem Design. 125 Gramm kosten 92 Euro. Dafür wird dem Käufer ein besonderes Geschmackserlebnis geboten: Die Oolong-Blätter sind so hochwertig hergestellt, dass sie bis zu neunmal aufgegossen werden können. „Die langsame Entfaltung immer neuer Aromen aus dem reinen Teeblatt ist das Spannende an unseren Editionen“, sagt Gründerin Doris Rippel.

Blattgold In einer Kleinbauern-Kooperative wird die Pflanze verarbeitet

Veredelt Durch Fermentierung wird aus den Blättern der Strauchpflanze Camellia sinensis Schwarztee

Tee erlebt gerade
einen Aufstieg wie Wein
vor 30 Jahren

100 Gramm Tee für 200 Euro

Eine Sorte, die bereits seit einiger Zeit dazu beiträgt, Tee aus dem Billigregal zu holen, ist Matcha – der Espresso unter den Teesorten. Während eine Packung Pfefferminztee in schnöden Doppelkammerbeuteln im Supermarkt ab 49 Cent zu haben ist, zahlen Liebhaber für 100 Gramm Matcha bis zu 200 Euro. Die Herstellung macht den Preis: Grüne Teeblätter werden vor ihrer Ernte vier Wochen lang beschattet und danach in Mühlen Gramm für Gramm hauchfein gemahlen. Im Gegensatz zu losem Tee oder Beutelprodukten löst sich Matcha im Wasser auf, sodass der Konsument Wirkstoffe wie Koffein, Karotin und viele Vitamine aufnimmt.

Die Infusion wurde in Japan schon im sechsten Jahrhundert genossen und verzückt heute selbst Kaffeeliebhaber: Coffeeshops bieten Matcha in Reinform oder als sanfte Version mit Milchschaum und Sirup an – große Konkurrenz für den Verkaufsschlager Caffè Latte. Große Ketten wie Starbucks haben das Wort „Coffee“ bereits aus ihrem Logo gestrichen: Weil Tee im Vergleich zu Kaffee gemeinhin als gesund gilt, bestellen immer mehr Menschen Tea to go.

Bildungsstätte Der Concept-Store von P&T an der Berliner Bleibtreu­straße bietet neben Tees auch Seminare an

Getränk der Generation Detox

Das wachsende Gesundheitsbewusstsein macht vor allem junge Leute und sogenannte Selbst­optimierer zu Teetrinkern. Geht es um die angeblichen Heilkräfte des Getränks, kommen Studien zwar zu unterschiedlichen Ergebnissen. Als Gesundheitselixier der chinesischen Medizin und anderer Kulturen genießt Tee jedoch den Ruf eines wohltuenden Lebensmittels. Zahlreiche Firmen nutzen das Bedürfnis nach Detox- und Wellnessprodukten: Wer Falten lindern will, die Haut verjüngen möchte oder einen Energieschub benötigt, findet passende Produkte bei Marken wie Slimtea, Fittea oder Big T NYC – dem Liebling vieler Supermodels. Das Berliner Start-up Teatox liefert gleich ein komplettes Ernährungs- und Fitnessprogramm zu seiner Teelinie. „Bei uns stehen der gesunde Alltag und die Ernährung im Mittelpunkt, Morgen- und Abendtee runden das Programm ab“, sagt Mitgründer Michael Decker. Das zieht: Immer mehr junge Menschen greifen zu den Teemischungen mit Namen wie „Skinny Detox“ oder „Matcha­ Energy“, und teilen Rezepte und Fotos auf In­stagram und Facebook.

Wer lieber in eine alte Teekultur eintauchen möchte, der muss nicht besonders weit reisen: Die Ostfriesen pflegen seit Jahrhunderten mehrmals täglich den Genuss von kräftigem schwarzem Tee mit Kluntjes und Sahneklecks. Mit 300 Litern pro Kopf und Jahr sind sie die Weltmeister im Teetrinken. Der Hype um ihr Lieblingsgetränk dürfte sie entsprechend wenig aus der Ruhe bringen.

Schalenglück Der weiße Astknospentee Pu Er Bai Ya wird von sehr alten, wild wachsenden Teebäumen gepflückt

Wohltat Kräutertee „Mate Boost“, Schwarztee „Good Morning“ und Rooibos-Mix „African Summer“ von Charitea, je Packung mit zehn Pyramiden­beuteln 3,49 Euro. Ein Teil der Erlöse fließt in Sozialprojekte.

Fitnesshelfer „Blue Detox“ auf Basis von Grüntee, Mate und Rooibos mit Ananas-­Aromen, 125 Gramm loser Tee in der Dose von Kusmi Tea, 16,10 Euro.

Genussmittel Fein verarbeiteter Oolong-Tee „Edition #2“ des Spezialisten Von Rippel mit dezenter Süße, 125 Gramm, 92 Euro.

Meisterwerke Die neuen Bio-Master-Blends des Berliner Teeproduzenten P&T, Packung mit 100 Gramm, ab 14 Euro.


Von Schwarztee bis Pu-Erh: Die wichtigsten Sorten

Ein Blatt, viele Aromen: Ob schwarzer, grüner, weißer oder gelber Tee – der Strauch Camellia sinensis ist Ursprung fast aller Sorten. Boden, Klima, Anbau und Verarbeitung sorgen für die großen Unterschiede im Geschmack.

SCHWARZTEE Der belieb­teste Tee des Westens reicht im Aroma von kräftig bis blumig. Für ihn wird die Teepflanze komplett fermentiert, also oxidiert, wodurch er seine schwarze Farbe erhält. Bekannte Sorten sind Darjeeling und Assam, beide kommen aus Nordindien. Letzterer findet sich im Ostfriesentee.

GRÜNER TEE Vor allem in Asien gilt diese Sorte als heilendes Lebenselixier. Die Blätter der Teepflanze werden nicht fermentiert, sondern gedämpft oder geröstet. Dadurch behält der Tee neben der Farbe viele Vitamine und Nährstoffe. In Deutschland trinken 30 Prozent der Teegenießer grüne Mischungen.

Pu-Erh-Tee Dunkel und kräftig bis erdig im Geschmack ist diese spezielle Sorte. Sie wird aus einer wild gewachsenen Unterart des traditionellen Teestrauchs gewonnen. Namensgeber ist die Stadt Pu’er in der chinesischen Provinz Yunnan, wo der Tee seit mehr als 1000 Jahren hergestellt wird.

Oolong-Tee Dieser Tee kommt aus Taiwan und China, wo seine Sorten mystisch „dunkle Drachen“ genannt werden. Oolongs enthalten zehn bis 70 Prozent oxidierte Blätter. Die Vielfalt ist groß. Die Farbe des Aufgusses reicht von Bernsteingelb bis Tieforange, der Geschmack von süß bis malzig.

ROOIBOS-TEE Die rötliche Sorte wird den Kräutertees zugeordnet, da sie nicht aus der Camellia sinensis, sondern aus dem Rooibos-­Strauch gewonnen wird. Dieser wächst in den Zederbergen nördlich von Kapstadt. Der Tee gilt in Südafrika als National­getränk. Sein Vorteil: Er enthält kein Koffein.

Fotos: PR (8)
Camping? Gern, aber bitte mit ein wenig Glamour. Glamping hat sich zu einem riesigen Reisetrend entwickelt. Noch nie ließ es sich im Zelt so komfortabel übernachten

Dutzende Kerzen werfen Schatten an die Zeltwand, ein kuscheliges Holzbett ist mit dunkelroten Ethno-Decken hergerichtet, ein Blumenstrauß liebevoll arrangiert, auf dem Boden liegen dicke Teppiche. Nur der gut gebaute Mann, den Renée Zellweger als Bridget Jones im jüngsten Teil der gleichnamigen Filmkomödie hier nachts erwartet, gehört nicht zum Inventar.

Glamping, das Zelten mit Komfort, ist nun auch auf der Kinoleinwand angekommen. Reisende haben es längst entdeckt, selbst jene, die Campen bislang für die unbequemste aller Urlaubsformen hielten. Durchs Zeltdach tröpfelt es nun nicht mehr, und Schlangestehen vor den Waschräumen ist ebenfalls von gestern. Glampen macht selbst zartbesaitete Touristen zu echten Naturburschen.

Richard Branson, britischer Unternehmer (Virgin), Abenteurer und Milliardär trat den Trend los, als er 2007 in Kenia das Safaricamp Mahali Mzuri eröffnete, ein spektakuläres Zeltlager mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten und eine Reminiszenz an die Ursprünge des Glampings in Ostafrika: Großwildjäger aus Bransons Heimatland waren im 19. Jahrhundert in ihren afrikanischen Kolonien erstmals als Zelttouristen auf Safari gegangen. Nicht nur Gewehre hatten sie im Gepäck, sondern auch Betten, Küchen, Tischdecken, Holzfußböden und Badewannen, um sich den Staub der Savanne stilvoll abseifen zu können.

Auch in Bransons Zelten stehen heute Badewannen vor Panoramafenstern, durch die der Gast entspannt Wildtiere beobachten kann. Dazu gibt es eine kostenlose Minibar, moskito­freie Stunden am Pool dank Insektensprayeinsatz, Massage im Spa-Zelt, Butlerservice und Champagner zum Empfang. 800 Euro berechnet Branson pro Nacht in einem seiner Zelte – dem Jetset ist es das Erlebnis wert.


Heia Safari Vier idyllisch gelegene Luxuszelte bietet Glamping Canonici di San Marco nahe Venedig mit komfortabler Ausstattung, großen Terrassen und antiken Möbeln (Info und Preise, siehe unten)


Mittlerweile kommen nicht mehr nur Luxus­reisende in den Genuss des Zeltens ganz ohne Isomatten und Gemeinschaftsklo. Glamping ist kein fest definierter Begriff, es hat sehr viele Facetten: „Manchen Gästen reichen schon WLAN oder ein eigenes Bad, für andere ist ausreichend Platz zum Nachbarn der ultimative Luxus“, sagt Viktoria Groß vom Deutschen Camping Club, der 110.000 Mitglieder führt. Alle eint der Wunsch nach Komfort, wie ihn Hotels anbieten. Immer mehr Campingplatzbetreiber investierten daher neuerdings in Poollandschaften, Saunen oder Restaurants, beobachtet Groß.

Schon 2012 verbuchte der Reiseveranstalter Vacanceselect 40 Prozent der Übernachtungen im Glamping-Segment. Bis 2018 werden es wohl 70 Prozent sein, sagt Firmensprecher Thomas Reimann voraus. 1100 Glamping-Unterkünfte vermittelt die Gruppe europaweit. Darunter finden sich auch erstaunlich günstige Angebote: So ist der Aufenthalt in einer Öko-Lodge mit eigenem Bad bei Camping Domaine le Midi auf der französischen Atlantikinsel Île de Noirmoutier schon ab 360 Euro zu haben – pro Woche (www.domaine-le-midi.com). Vor allem die Premiumlage am schönsten Strand der Insel mitten in den Dünen und der überdachte Pool für Regentage begeistern die Gäste. „Ein Blick wie im Fünfsterne­hotel“, schwärmen einige und bekennen, bereits zum dritten oder vierten Mal hier ihre Ferien verbracht zu haben.


Wipfelsturm Im slowenischen Garden Village Bled schläft man in Zelten oder Baumhäusern (Info und Preise, siehe unten)


In den Nationalparks der USA oder bei Open-Air-Festivals ist diese Form des Reisens seit den 90er-Jahren bekannt. Besucher tragen gern Gummistiefel, wissen aber auch einen Whirlpool oder ein Kingsize-Bett zur Erholung zu schätzen. Die Briten fügten dem schicken Campen eine neue Facette hinzu: Schlossbesitzer stellten Ritterzelte, Jurten oder Zirkuswagen in ihre Parks. Eines der schönsten Schlösser, das 1119 erbaute Leeds Castle in Kent, hat etwa das „Knight’s Glamping“ im Angebot: In bunt gestreiften Ritterpavillons locken Himmelbetten und Polsterstühle, Holz knistert in den Öfen, und an der offenen Feuerstelle brutzelt das Fleisch für ein zünftiges Barbecue. Eine Nacht kostet hier ab 180 Euro pro Pavillon für zwei Personen (www.leeds-castle.com).

Egal ob im Ritter- oder Safarizelt, ob an einsamen Orten oder in großen Ferienanlagen – alle Camper suchen den unmittelbaren Kontakt zur Umgebung: das Flattern der Zeltwand im Wind, den Sonnenaufgang am Morgen, das Wellen- oder Blätterrauschen in der Nacht. „Wichtiger als die Einrichtung ist für die Reisenden das Naturerlebnis“, sagt Thomas Reimann, der die Website www.glamping-inspektor.de betreibt. Seine Tester schwärmen vom Rauschen der Bäume, dem freien Blick aufs Meer und der Begegnung mit Fischottern, die durchs Unterholz schleichen. Diese Momente bleiben unbezahlbar – vor allem, wenn es noch nicht mal durch das Dach regnet.

Von Vanessa Oelker


Rasten wie Ritter Knight’s Glamping empfängt seine Gäste in Ritter­pavillons mit Himmelbett auf einem Schlossanwesen im nordenglischen Leeds


Dreimal Camping mit Komfort

Italien Glamping Canonici di San Marco: In früheren Jahrhunderten verbrachten venezianische Dogen ihre Sommer in der Gegend zwischen dem Fluss Brenta und der Lagune von Venedig. Die vier Luxuszelte der Anlage verfügen über Terrassen und Bäder. Sie sind dekoriert mit orientalischen Stoffen und Antiquitäten. Das Frühstück wird im Gästehaus aus dem 17. Jahrhundert serviert. Ab 160 Euro pro Zelt; www.glampingcanonici.com

 

Spanien Die vier Zelte von Forest Days sind voll ausgestattet, unter anderem mit Öko-Toiletten. Das fünf Hektar große Grundstück schmiegt sich an die katalanischen Pyrenäen. Die Unterkünfte sind weit entfernt voneinander platziert und bieten viel Privatsphäre, das Frühstück wird geliefert. Ein Fluss mit natürlichen Pools kühlt im Sommer, Öfen heizen die Quartiere im Winter. Ab 110 Euro pro Zelt; www.forestdaysglamping.com

 

Slowenien Das Garden Village Bled ist ökologisch gestaltet mit eigener Wasserversorgung und hat 23 Unterkünfte. Die Anlage liegt 300 Meter entfernt vom Bleder See. Die Pier-Zelte stehen auf Holzplattformen am Wasserlauf eines Flüss­chens, das Glampingzelt (Foto) bietet Klimaanlage und Whirlpool. Die sechs Baum­häuser verfügen über Bad und Kitchenette. Pier-Zelte ab 90 Euro; www.gardenvillagebled.com