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Foto: istockphoto/gpointstudio, Studio 157, Köln
Stundenpläne und klassische Schulfächer haben ausgedient. Bildungsforscher Richard Heinen erwartet, dass Kinder und Jugendliche künftig individueller lernen – mit digitalen Medien statt herkömmlicher Schulbücher.
Richard Heinen ist Geschäftsführer und Schulentwickler am Learning Lab der Universität Duisburg-Essen. Sein Schwerpunkt ist die Forschung zum Lehren und Lernen mit digitalen Medien

Herr Heinen, in vielen Schulen werden bereits Smartboards und Tablets eingesetzt. Haben Tafeln und Schul­bücher bald ausgedient?
Ja, und ich glaube, dass auch Smartboards in der Zukunft keine Rolle mehr spielen. Vielmehr werden die Schüler selbst erstellte digitale Inhalte direkt von ihren Tablets über Präsentationsmöglichkeiten wie Apple TV mit ihren Mitschülern teilen. Den Frontalunterricht von heute wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben. Und das klassische Schulbuch wird digitalen Medien mit interaktiven Inhalten sowie der browserbasierten Cloud weichen – schon weil diese sich unkompliziert aktualisieren und auf unterschiedliche Lernstärken anpassen lassen.

Jeder lernt also im eigenen Tempo?
Genau, der Stoff wird auf die jeweiligen Lernstärken und Bedürfnisse eines Schülers zugeschnitten. Starre Stundenpläne und Fächer gehören der Vergangenheit an, in Schulen wie an Universitäten.

Woraus werden Schüler künftig vorrangig ihr Wissen schöpfen?
Aus digitalen Inhalten, ganz eindeutig. Daher wird es wichtig sein, Schülern beizubringen, wie sie mit diesem Wissen richtig umgehen und wie sie Quellen hinterfragen.

Und die Lehrer werden durch Roboter ersetzt?
(lacht) Nein, auch in der Zukunft geht es darum, sich als Persönlichkeit zu bilden, auf ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft vorzubereiten, gemeinsam an Projekten zu arbeiten und Fähigkeiten zu erlernen, die es ermöglichen, im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein. Dafür bedarf es natürlich gut ausgebildeter Pädagogen.

Kein Abgesang auf die Schule per se also?
Nein, die Schule wird aus den genannten Gründen dauerhaft eine wesentliche Rolle spielen. Denn auch in Zukunft brauchen Lernende einen institutionellen Rahmen, also Schulen und Universitäten. Aug’-in-Aug’-Kommunikation lässt sich nicht ersetzen. Das Schulgebäude wird ein gemeinsamer Raum des Lernens bleiben, der allerdings komplett umgestaltet wird. Googeln Sie mal „Ørestad College Copenhagen“! Das ist eine Schule ohne Klassen- und Lehrerzimmer, dafür mit Lernlandschaften. Dort können wir bereits heute einen Blick in die Zukunft werfen. Die einzigen geschlossenen Räume sind an dieser Schule noch die Toiletten und die Säle, in denen etwa mit Chemikalien hantiert wird.

Wird das Konzept auch bei uns Schule machen?
Ja. Viele Schulen fangen an, diese Ideen aufzugreifen, führen Werkstatttage durch oder richten Lernbüros ein, in denen Schüler in Teams Themen erarbeiten und sich selbst organisieren. Bei der Umsetzung solcher Ideen landen Schulen automatisch bei anders gestalteten Lernräumen.

Interview: EVA TENZER

HIER finden Sie einen Film­beitrag über die Zukunft der Bildung.

Fotos: PR (3)
Bargeldloses Zahlen, Sprachsteuerung, Aktivitätsmessung: Die aktuelle Generation SMARTWATCHES macht mobil – und verrät ganz nebenbei auch noch, wie spät es ist.

Ziel erreicht! Wer je eine Smartwatch am Handgelenk hatte, nimmt häufiger die Treppe als den Aufzug. Die schlaue Uhr mahnt uns, den inneren Schweinehund zu besiegen und aktiver zu sein. Sie verbindet uns mit unserem Körper, mit dem Rest der Welt sowieso – über Bluetooth hören wir Musik, tele­fonieren, bearbeiten Nachrichten.

Die Apple Watch hat den Trend zu den kleinen Computern mit integrierter Zeitanzeige vor zwei Jahren losgetreten. Heute bieten Dutzende Uhrenhersteller Modelle an, die mit dem Smartphone interagieren. Mit der „Connected Modular 45“ von Tag Heuer (1650 Euro) kann man zum Beispiel bargeldlos bezahlen, die „Summit“ von Montblanc (890 Euro, kl. Bild re.) lässt sich über Sprache steuern, das erste Modell aus der Emporio-Armani-Connected-Linie (ab 269 Euro, kl. Bild li.) wird über einen Touchscreen bedient und kann auf eine App zugreifen, die die Darstellung der Zifferblätter personalisiert. Wer trotz allem bei seiner alten Uhr bleiben will, kann einfach das Armband gegen ein Leder-E-Strap von Frederique Constant (229 Euro, gr. Foto) austauschen. Das speichert Schlaf- und Aktivitätszyklen – und mahnt über das mitgeführte Smartphone freundlich zu stetiger Selbstoptimierung.

Infos unter
www.armani.com,
www.frederiqueconstant.com,
www.montblanc.com


Fotos: iStockphoto.com/Phonix_a, Fotos: The Ocean Cleanup/Erwin Zwart, The Ocean Cleanup/Yuri van Geenen, Mike Lewis, PR (4)
Unsere Meere versinken in Plastik. Einige Firmen verwerten den Ozeanmüll zu Fasern, aus denen Mode entsteht. Kann SCHICKES RECYCLING eine Lösung sein?

Zartes Hellrosa ergießt sich in Wellen zur feinen Rüsche über der Brust und führt entlang des Plissees hinab bis zum bodenlangen Saum. Das ärmellose Prinzessinnenkleid, das die Textilkette H&M dieses Jahr als Teil ihrer ökologisch orientierten „Conscious“-Kollektion auf den Markt brachte, ist ein Textil gewordener Traum – und besteht aus 88 PET-Flaschen, die vom Meer angespült, eingesammelt und zu einem neuen Poly­estergarn verarbeitet worden sind. Dass aus den steifen Plastikflaschen ein seidig-weicher Stoff für eine Abendrobe werden kann, ist ebenso verblüffend wie zeitgemäß. Recycling von Plastik gilt als einer der wichtigsten Lösungsansätze, dem immer größer werdenden Müllproblem entgegenzutreten.

Die Weltmeere sind besonders stark belastet, dort schwimmt der Großteil der nicht korrekt entsorgten Abfälle. Acht Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in den Ozeanen. Bildlich ausgedrückt fährt jede Minute ein vollbeladenes Müllfahrzeug an den Strand und kippt dort seinen Inhalt ins Wasser. Die Umweltabteilung der Vereinten Nationen (Unep) berichtet, dass an manchen Meeresstellen sechsmal mehr Plastik als Plankton festzustellen ist. Im Nordpazifik treibt seit Jahrzehnten ein Müllstrudel, der mittlerweile so groß ist wie Zentraleuropa. Die Experten nennen ihn „Great Pacific Garbage Patch“ oder auch den „siebten Kontinent“.

Erik Solheim, amtierender Chef der Unep, die 2017 unter dem Schlagwort Cleanseas zur größten globalen Kampagne zur Reinigung der Meere aufgerufen hat, schildert die aktuelle Situation so: „Die Plastikverschmutzung lässt sich von den entferntesten indonesischen Stränden bis zum Nordpol feststellen und kommt über die Nahrungskette zu uns auf den Esstisch. Wir haben zu lange tatenlos zugesehen. Wir müssen das Problem jetzt in Angriff nehmen!“ Dabei sind alle Menschen gefordert, denn ändern wir unsere Konsumgewohnheiten nicht, so werden 2050 wohl mehr Plastikteile als Fische in den Ozeanen schwimmen und 99 Prozent aller Seevögel Kunststoff in ihren Mägen haben.

Schick
Plissiertes Maxikleid von H&M aus 88 recycelten PET-Flaschen. 199 Euro, www.hm.com


Pionierarbeit Boyan Slat, 23 Jahre alter Erfinder von „The Ocean Cleanup“. Der schwimmende, halbrunde Abfangfilter zur Reinigung der Meere von Plasikmüll und alten Fischernetzen soll nächstes Jahr in Betrieb genommen werden. Der gesammelte Müll wird unter anderem zu neuen Textilien verarbeitet.


Stars als Müllmänner
So genial die Idee auch ist, aus Ozeanmüll neue Mode zu machen, so wenig wurde das Thema anfangs von den Konsumenten wahrgenommen. Einzig in der Surferszene kam eine Handvoll Recycling-Kollektionen auf den Markt wie die des elffachen Weltmeisters Kelly Slater („Outerknown“). Doch kaum eine dieser Marken schaffte es, sich ein größeres Publikum zu erschließen. Erst Prominente wie der Fußballer Xabi Alonso und ein paar international tätige Marken haben erreicht, dass es „trendy“ wurde, durch den Kauf von Mode etwas gegen den Abfall zu tun. Als im Juni 2016 Adidas seinen ersten aus Müll recycelten Schuh zusammen mit der NGO Parley for the Ocean herausbrachte, reichte noch eine Auflage von 7000 Stück. Für das kommende Recycling-Schuhmodell sind nun eine Million Exemplare geplant. Damit wird das Meer um elf  Millionen Plastikflaschen erleichtert. Ein Anfang ist gemacht.

Wichtig für das Bekanntmachen der Ozean­verschmutzung in der breiten Masse war auch Hip-Hop-Star Pharrell Williams, der als Anteilseigner der Denim-Marke G-Star Raw eine Jeans herausbrachte, die zu rund einem Viertel aus recyceltem Plastikmüll besteht. Inzwischen ist der Amerikaner bei der Firma Bionic Yarn eingestiegen und aktuell eifrig dabei, das noch größere Problem der Mikrofasern anzuprangern, die durch Waschen von Polymergeweben freigesetzt und ins Meer geschwemmt werden. Der Chef von G-Star, Shubhankar Ray, umschreibt das Engagement des Musikers sehr treffend: „Pharrell Williams schafft es, ein ernsthaftes Thema wie die Nachhaltigkeit sexy zu machen.“

Sportlich Als erste Weltmarke hat Adidas zusammen mit Parley und Finitex Bademode aus Ozeanmüll auf den Markt gebracht, ab ca. 30 Euro, www.adidas.de


Lässig
Modell „Surfrider“ der Sneaker-Marke Véja aus wiederverwertetem Plastikmüll, www.veja-store.com


Zeitgemäß
Das spanische Label Ecoalf gilt mit seinen Stücken aus wiederverwertetem Meeresmüll als Pionier der Branche. 399 Euro, www.ecoalf.com


Praktisch
Outdoor-Jacke von Save the Duck aus 100 Prozent recycelten Materialien aus dem Meer. 189 Euro, www.savetheduck.it


Ein Anfang ist gemacht
Seither steht die Recycling-Mode bei vielen Modefirmen auf der Agenda: Der Ökoschuhhersteller Véja bringt zusammen mit der Surfrider Stiftung, die sich seit Jahren für die Reinigung der Ozeane einsetzt, den Sneaker Wata heraus, der komplett aus wiederverwertetem Plastik und Baumwolle besteht. Der italienische Outdoorhersteller Save the Duck, der ein „Plumtech“ genanntes Material aus recycelten PET-Flaschen für die Füllung seiner Daunenjacken nutzt, legt für den kommenden Sommer eine Jackenkollektion auf, bei der wirklich jedes einzelne Teil schon mal eine andere Nutzung innehatte. Hinter dem Label Timberland x Tread steht ein gelungenes Projekt auf Haiti. Der amerikanische Schuhhersteller beschäftigt in dem von Armut gezeichneten Land rund 1300 Menschen damit, Müll in den Straßen, den Kanälen und am Strand aufzulesen, um ihn zu Schuhen, Taschen und T-Shirts umzuarbeiten. Und selbst im Designersegment gibt es erste Engagements: Stella McCartney, die vegane Mode propagiert, hat für den kommenden Winter ihre Kulttasche „Falabella“ als Ozeanmüll-Recycling-Version im Angebot.

Auch wenn diese Vorstöße nur in mikroskopischem Maß dazu beitragen, die Meere vom Abfall zu befreien und die Produktion neuen Kunststoffs zu reduzieren, so ist der PR-Effekt dieser Aktionen nicht zu unterschätzen. Ozeanforscher Paul Rose, 66 Jahre alt und einer der wichtigsten Polarexperten unserer Zeit, schaut trotz der kritischen Lage deshalb hoffnungsfroh in die Zukunft: „Noch nie in meinem Berufsleben habe ich mehr positiven Aktionismus erlebt als jetzt. Wir wissen jetzt, dass wir nicht weiter unsere Meere so verschmutzen dürfen. Wir können nur gewinnen, wenn wir jetzt etwas tun.“

Von Barbara Markert

Fotos: iStockphoto.com/g-stockstudio/KaninRoman, www.koederfuehrung.de; Wikimedia Commons/Fuenfrosen
Endlich mal wieder etwas Aufregendes erleben? Kein Problem: MIKROABENTEUER vor der eigenen Tür bringen Spaß und Spannung in den Alltag.

Zelten im Garten, bei Dunkelheit schwimmen gehen oder mit dem Kanu durch die eigene Stadt paddeln: Man muss nicht immer weit fahren, um etwas zu erleben. Vor allem wenn der nächste Urlaub noch in der Ferne liegt und der ewige Trott aus Fernsehen und Haushalt nach Feierabend auf die Stimmung drückt, können ungewöhnliche Aktivitäten zum Abenteuer werden. Solche schnell organisierten Erlebnisse vor der eigenen Haustür heißen Mikroabenteuer und werden immer beliebter. Denn ob nach Büroschluss oder am Wochenende, auch in kurzer Zeit lässt sich viel erleben – sogar in der eigenen Stadt.

DIE WASSERSEITEN BERLINS

Warum zum Amazonas reisen, wenn es an der Spree noch viele unbekannte Ufer gibt? In Berlin können Mikroabenteurer ab 18 Uhr beim Bootsverleih Canoa Berlin ins Kanu steigen und in der dreistündigen „Kreuzberg-Tour“ das alternative Berlin von der Wasserseite aus kennenlernen. Ab einer Teilnehmerzahl von vier Personen starten die Kanuten von den Wiesen am Urbanhafen aus, schippern über den Landwehrkanal bis zur Spree. Unterwegs gibt es Sehenswürdigkeiten wie die Oberbaumbrücke oder den Molecule Man zu erspähen, und auch die ehemalige Grenzkon­trollanlage am Osthafen darf nicht fehlen, bevor der idyllische Spreeabschnitt ungeahnte Naturerlebnisse beschert. Als Alternative bietet Canoa Berlin auch eine zweistündige After-work-Tour, auf der gestresste Arbeitstiere in der Abendsonne mit Kollegen oder Freunden entspannen können. Und wer noch größere Kanuabenteuer sucht, kann zum Beispiel beim Verleih „Der Kanutourist“ von Tegel aus mit einem Guide im Kanu fünf Stunden lang die Havel erkunden.

Ort: Berlin
Anbieter: www.canoa-berlin.de, ab 20 Euro;
www.derkanutourist.de, ab 35 Euro


ENDSTATION: UNBEKANNTES MÜNCHEN

Jeden Tag am selben Bahnhof in die U-Bahn ein- und an der Haltestelle bei der Arbeit wieder aussteigen – eine Routine, aus der es sich gelegentlich auszubrechen lohnt: In einer Stadt wie München mit einem großen U- und S-Bahn-Netz können Bahn-Mikroabenteurer etwas erleben, wenn sie nicht wie gewohnt zurück zum Heimatbahnhof, sondern weiter bis zur Endhaltestelle fahren. Oder in eine unbekannte Linie umsteigen. Wer nicht alles dem Zufall überlassen will, dem sei die Fahrt mit der S6 nach Tutzing empfohlen, vorbei am Starnberger See bis zur Endhaltestelle mit Seepanorama und Biergärten in der Nachbarschaft. Ebenfalls lohnend ist die Bahnfahrt mit der S4 nach Ebersberg. Dort können Spaziergänge rund um den Egglburger See oder im Wildpark Ebersberg einen Wochenendtag füllen. Besonders Abenteuerlustige wählen am Hauptbahnhof einen Regionalzug aus, dessen Ziel sie noch nie gehört haben – es gibt viel zu entdecken!

Ort: München
Preis: Tageskarte MVV-Gesamtnetz, 12,80 Euro


SCHNITZELJAGD DURCH KÖLN

Eine weitere Möglichkeit, ohne großen Aufwand einen spannenden Feierabend zu erleben, bietet Geocaching. Bei dieser modernen Schnitzeljagd können Besitzer eines Smartphones mit GPS-Empfänger ihre Heimatstadt neu entdecken. Das funktioniert so: Anhand von geografischen Koordinaten müssen Geocaches gefunden werden, also kleine Verstecke in der Stadt, in denen ein Behälter verborgen ist und darin wiederum eine Information, ein Rätsel oder ein Gegenstand. Der Reiz: Die unterhaltsame Schatzsuche führt oft an Orte, an denen man noch nie war. Unzählige Geocaches-Koordinaten und -Rundgänge für Köln gibt es zum Beispiel unter www.geocaching.com, der größten Geocaching-Datensammlung im Internet. Zum Reinschnuppern bieten sich auch organisierte Touren an. Oder der Mikroabenteurer löst fiktive Kriminalfälle auf einem Ausflug mit www.querfeldeins.de. Wer einmal Gefallen daran gefunden hat, dem wird so schnell nicht mehr langweilig: Weltweit gibt es über zwei Millionen Geocaches.

Finderlohn Schnitzeljagden per GPS durch Köln bieten Zerstreuung und Spaß

Ort: Köln
Anbieter: www.city­hunters.de/koeln,
www.guiders.de/koeln
, ab 30 Euro


BIKE-FISHING AN MAGDEBURGS ELBWIESEN

Wer in Magdeburg morgens Angel und Fahrrad ins Auto lädt, kann den Abend an den Elbauen ausklingen lassen: Bike-Fishing nennt sich das Mikroabenteuer, das dort nach Büroschluss wartet. Nach einer halben Stunde Autofahrt wechselt man aufs Rad, um an idyllische Angelstellen zu gelangen – ein kleiner Kraftakt in dem naturbelassenen Gelände, der sich lohnt. „Mit dem Rad kann ich von Buhne (Ufervorbau, die Red.) zu Buhne fahren, bewege mich in der Natur, und wenn es gut läuft, fange ich sogar einen Fisch“, sagt Holger Koeppe, der nach Vereinbarung zweistündige Bike-Fishing-­Touren anbietet. Ein Abenteuer, das nachwirkt: „Wenn ich am nächsten Tag vom Radfahren Muskelkater habe, weiß ich, dass ich den Feierabend optimal genutzt habe“, sagt Koeppe. Natürlich kann Bike-Fishing auch ohne Anleitung und an anderen Flüssen Deutschlands unternommen werden. Neben der Ausrüstung ist lediglich ein Angelschein erforderlich.

Naturerlebnis Runterkommen beim Radeln und Angeln entlang der Elbe in Magdeburg

Ort: Elbauen rund um Magdeburg
Anbieter: www.koederfuehrung.de, Preis nach Absprache


Fotos: iStockphoto.com/fstop123 (2),Beowulf Sheehan, Mayank Austen Soofi, PR (6), privat, Chris Schwagga, PR (6)
Auf der Frankfurter Buchmesse stehen die jüngsten Werke der BESTSELLERAUTOREN im Rampenlicht. Auch in diesem Herbst sind wieder großartige Geschichten dabei. Bei der Flut der vielen Bücher werden JUNGE SCHRIFTSTELLER leicht übersehen. Dabei haben viele von ihnen Romane vorgelegt, die jede Menge Leser verdient haben.

Neues von
den Großen


Salman Rushdie
wurde 1947 in Indien geboren, kam als 14-Jähriger nach London und lebt heute in New York, 2007 hat ihn die Queen zum Ritter geschlagen

EIN DUBIOSER WIDERLING

Keine Frage: Am Literaturhimmel strahlt Salman Rushdie als einer der hellsten Sterne. Zwölf Romane hat er bis heute veröffentlicht, viele Literaturpreise gewonnen, für „Mitternachtskinder“ gab’s sogar den Booker Prize. Sein neues Werk „Golden House“ nimmt uns mit ins Jahr 2009. Am Tag der Amtseinführung von Präsident Barack Obama lässt sich der schillernde Nero Golden in der feinsten Gegend New Yorks nieder – in einer palastartigen Residenz, fortan „Golden House“ genannt. Golden ist skrupellos und narzisstisch, trägt Make-up und färbt sich die Haare. Sein Vermögen ist gewaltig, die Herkunft des Geldes dubios. Genau wie Goldens Machenschaften und die seiner drei Söhne. Als Golden sich eine junge Russin zur Frau nimmt, ist das Klischee des milliardenschweren Widerlings perfekt. Dem Filmemacher René, der im Nachbarhaus wohnt, ist schnell klar: Das ist ­perfekter Stoff für einen Film. Um die Goldens genauer beobachten zu können, schmeichelt er sich bei ihnen ein. Das bleibt nicht ohne Folgen.
Rushdie hat viele Bücher im Stil des magischen Realismus geschrieben, spickte die Texte mit märchenhaften Elementen. Nicht so jedoch „Golden House“ – es ist eine bissige Satire auf den neuen Zeitgeist in den USA.


Golden House,
Salman Rushdie,
C. Bertelsmann, 25 Euro


Arundhati Roy
schrieb nach der Veröffentlichung ihres ersten Ro­mans zahlreiche politische Sachbücher und Essays

DAS WARTEN HAT EIN ENDE

Manche Dinge brauchen einfach Zeit: Ganze fünf Jahre schrieb Arundhati Roy an ihrem Buch „Der Gott der kleinen Dinge“. 20 Jahre ist es nun her, dass das Werk veröffentlicht wurde. Die Verlage rissen sich damals um das Manuskript. Der Roman wurde prompt zum Weltbestseller, verkaufte sich bis heute rund acht Millionen Mal, erschien in 42 Sprachen und brachte Roy als erster indischer Autorin überhaupt den begehrten Booker Prize ein. In den darauffolgenden Jahren war Roy vor allem politisch aktiv, wandte sich dann erneut der Literatur zu. An ihrem neuen Buch saß sie wieder eine Weile: „Ich habe zehn Jahre mit den Helden meines Buches gelebt. Aber ich werde sie nie vermissen, denn sie werden mich nie verlassen. Sie sind genauso Teil der Welt wie ich selbst“, so die 58-Jährige. Ihre Helden, das sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft. So wie Anjum – halb Mann, halb Frau –, die zum Mann erzogen wird, sich aber wie eine Frau fühlt. Oder die unehelich geborene Tilo aus Südindien, die sich in Musa verliebt, einen Studenten aus Kaschmir, der sich Extremisten anschließt. Anjum, Tilo, Musa und viele andere wunderbare Charaktere tun sich zusammen und leben gemeinsam auf einem Friedhof. Die großartige Geschichtenerzählerin serviert auf mehr als 500 Seiten wieder ganz großes Kino!


Das Ministerium des äußersten Glücks,
Arundhati Roy,
Fischer, 24 Euro

Kleine Stadt der großen Träume,
Fredrik Backman,
Krüger, 19,99 Euro

SEHNSUCHT NACH EINEM SIEG

Seit seinem Debütroman „Ein Mann namens Ove“ gehört Fredrik Backman zu den erfolgreichsten Autoren Schwedens, auch seine folgenden Romane landeten allesamt auf den Bestsellerlisten. Mit „Kleine Stadt der großen Träume“ ist dem 36-Jährigen wieder ein großes Buch gelungen. Er erzählt mit viel Humor und noch mehr Herz von dem Provinznest Björnstad, das inmitten der Wälder im Norden des Landes liegt. Für die Einwohner dreht sich fast alles um Eishockey. Seit Jahren geht es mit dem kleinen Ort wirtschaftlich bergab, umso mehr Hoffnung setzen dort alle auf das kommende Spiel der Juniorenmannschaft. Ein Sieg wäre ein unglaublich wichtiges Signal. Die Spannung steigt …

SCHULD UND GERECHTIGKEIT

Unfassbare 45 Millionen Exemplare ihrer Bücher hat die hervoragende Geschichtenerzählerin Jodi Picoult weltweit verkauft. Fünf ihrer bislang 23 Romane wurden verfilmt. So auch ihr neues Meisterwerk „Kleine große Schritte“: Julia Roberts und Viola Davis werden die Hauptrollen spielen in diesem feinfühligen, aufwühlenden Drama um Rassismus und Vorurteile. Ein ultrarechtes Ehepaar verbietet der afroamerikanischen Säuglingsschwester Ruth Jefferson, sein Baby zu berühren. Als der kleine Junge plötzlich blau anläuft und außer Ruth niemand in der Nähe ist, versucht sie dennoch, sein Leben zu retten. Nach dem tragischen Tod des Babys zerren die Eltern sie vor Gericht.

Kleine große Schritte,
Jodi Picoult,
C. Bertelsmann, 20 Euro

Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß,
Wladimir Kaminer,
Wunderraum, 20 Euro

ERKENNTNISSE ÜBER FRAUEN

Der Wahlberliner beweist erneut, dass er ein Garant für amüsante Texte ist: Es hat zwar ein paar Jahre gedauert, aber dann hat Wladimir Kaminer begriffen, was Frauen am besten über eine Herbstdepression hinweghilft: Es ist weder Vitamin C noch Knoblauch mit Zitrone oder Hustensaft. Ein neues Kleid, ein paar Schuhe, eine Handtasche oder auch ein Schal dagegen können durchaus eine Spontanheilung bewirken. Diese und andere wertvolle Erkenntnisse über Frauen hat der in Moskau geborene Schriftsteller („Russendisko“) in seinem neuen Roman gesammelt. Großartige Erkenntnis des 50-Jährigen: Man muss Frauen gar nicht verstehen, es reicht, wenn man sie liebt.

ALLERLEI SCHRÄGE VÖGEL

Freuen Sie sich auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus Sven Regeners Kulttrilogie um die Romanfigur Herr Lehmann: In seinem neuen Werk „Wiener Straße“ nimmt uns Regener mit zurück in den November 1980 nach Berlin, genauer gesagt nach Kreuzberg. Mit gewohnt witzig-skurrilen Dialogen, absurder Situationskomik und Sätzen, die sich schon mal über Seiten erstrecken, lässt der Bestsellerautor die wilden Zeiten vor dem Mauerfall wieder aufleben. Die Extremkünstler Karl Schmidt und H.R., Kneipenwirt Erwin Kächeler und seine Nichte Chrissie und all die anderen schillernd bunten Charaktere und komischen Kauze sorgen für feinsten Lesespaß.

Wiener Straße,
Sven Regener,
Galiani, 22 Euro

Großes von
den Neuen


Julia Rothenburg
wurde 1990 in Berlin geboren. Sie studierte Soziologie und Politikwissenschaften in Freiburg und Berlin

WENN DAS LEBEN INS WANKEN GERÄT

Julia Rothenburg offenbart in ihrem ersten Roman nicht nur eine präzise Beobachtungsgabe. Der 26-jährigen Berlinerin gelingt es zudem, sich so überzeugend in die Gedankenwelt ihrer Hauptfigur einzufühlen, dass man beim Lesen meint, diesen René Koslik seit Ewigkeiten zu kennen. Er ist Anfang vierzig und unterrichtet an einer Volkshochschule in Freiburg, doch im Moment scheint sein Leben in einer Warteschleife zu stecken: Ein Schwindelanfall und Taubheitsgefühle in Armen und Beinen haben ihn dazu bewogen, ein Krankenhaus aufzusuchen. Statt wie erhofft nach einer kurzen Untersuchung wieder nach Hause zu dürfen, wartet er nun auf eine Untersuchung nach der anderen. Zunehmende Unsicherheit keimt in ihm auf: Was, wenn doch mehr hinter dem Schwindel und dem Taubheitsgefühl steckt? Sein ganzes geregeltes Leben scheint ihm hier mit einem Schlag zu entgleiten. Die undurchsichtigen Abläufe im Krankenhaus geben ihm ein Gefühl der Hilflosigkeit, er kommt sich fast wie ein Gefangener vor. Zu allem Ungemach stößt er hier auch noch auf seinen ehemaligen Kommilitonen Frank, einen Kerl, den er am liebsten nie wieder getroffen hätte.
Für das Romanmanuskript erhielt Julia Rothenburg den Retzhof-Preis für junge Literatur, sie war auch bereits Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung.


Koslik ist krank,
Julia Rothenburg,
Frankfurter Verlagsanstalt, 20 Euro


Gaël Faye
studierte Wirtschafts­wissenschaften, arbeitete als Investment­banker in London und war danach Musiker in Frankreich

DAS VERLORENE PARADIES

Welche Ängste und Unsicherheiten bringt es für ein Kind mit sich, wenn es sein Land im Krieg verlassen muss? Der 35-jährige Gaël Faye weiß das nur zu gut. Er war 13 Jahre alt, da musste er mit seiner Familie wegen des Bürgerkriegs in Burundi nach Frankreich fliehen, in die Heimat seines Vaters. Damit geht es ihm genauso wie Ga­briel, der Hauptfigur in seinem berührenden Roman „Kleines Land“: Gabriel und seine Schwester Ana wachsen behütet und unbeschwert in Burundi auf, bis ein Bürgerkrieg ausbricht. Unvorstellbare Gräuel geschehen, über die die Mutter schließlich den Verstand verliert. Da der Vater gebürtiger Franzose ist, haben auch die Kinder die französische Staatsbürgerschaft, und sind nun in höchster Gefahr. Zwar gelingt es dem Vater, die Kinder gerade noch rechtzeitig in seine Heimat auszufliegen. Er selbst bleibt jedoch zurück und wird erschossen. 20 Jahre später kehrt Gabriel voller Sehnsucht in die Heimat zurück.
Auch Faye lebt heute in Afrika, in Ruanda, der Heimat seiner Mutter. Über die Beweggründe, dieses Buch zu schreiben, sagt er: „Ich wollte eine vergessene Welt heraufbeschwören, von unseren glücklichen Tagen erzählen, bevor wir uns als ein Haufen Versprengter in allen Teilen der Welt wiederfanden.“ Ihm ist ein überwältigendes Buch über das Gefühl des Verlorenseins gelungen.


Kleines Land,
Gaël Faye,
Piper, 20 Euro

Die Wurzel alles Guten,
Miika Nousiainen,
Nagel + Kimche, 20 Euro

SPANNENDER ROADTRIP

Pekka liest den Nachnamen seines Zahnarztes und weiß: Er und dieser Esko müssen Brüder sein, denn so wie sie heißt fast niemand. Zudem ist die Ähnlichkeit mit Pekkas Vater verblüffend. Das weiß Pekka von den wenigen Fotos, die es von ihm gibt, bevor er Frau und Sohn verlassen hat. Auch Esko ist sich sicher: Das ist mein Bruder. Zumal Pekka wie ihm selbst die Fünfer im Gebiss fehlen – und das wird nun mal vererbt. Gemeinsam begeben sie sich auf eine unglaublich amüsante Suche nach ihrem Erzeuger.
Das erste Buch des Finnen Miika Nousiainen, das auf Deutsch erscheint, ist eine großartige Komödie und wird in der Heimat des 44-Jährigen bereits verfilmt.

EIN LEBEN FAST OHNE ERINNERUNG

Es ist eine wahrlich gespenstische Welt, von der Felicia Yap in ihrem ersten Thriller erzählt: Sie besteht aus Menschen, die sich wie die Hauptfigur Claire nur an die Ereignisse des vergangenen Tages erinnern, oder Menschen wie Claires Ehemann Mark, dessen Gedächtnis immerhin zwei Tage speichert. Was davon kann Claire also glauben, als eines Tages die Polizei vor der Tür steht und ihr erzählt, dass Mark des Mordes an seiner Geliebten verdächtigt wird. Claire ist schockiert, sie erinnert sich an nichts.
Yap, die aus Malaysia stammt und heute in England lebt, serviert dem Leser jede Menge Drehungen und Wendungen und einen wirklich überraschenden Schluss.

Memory Game,
Felicia Yap,
Penhaligon, 14,99 Euro

Rimini,
Sonja Heiss,
Kiwi, 20 Euro

VON IRRSINN IN UNS ALLEN

Die Regisseurin Sonja Heiss zeigt in ihrem ersten Roman einen sehr genauen Blick für die Abgründe des Alltags. Gnadenlos ehrlich, aber auch sehr komisch beschreibt sie die Mitglieder der Familie Armin: Da ist Hans, der erfolgreiche Anwalt, der mit einer unerklärlichen Wut zu kämpfen hat und einer Ehe, die in die Brüche geht. Seine Schwester Masha hat gerade beschlossen, mit ihrem Freund Georg ein Kind zu bekommen, als sie merkt, dass sie vieles an Georg stört. Die Eltern der beiden, Alexander und Barbara, sind gerade in Rente gegangen, kommen weder mit der Schwiegertochter klar noch im neuen Alltag miteinander. Hier kriegt jeder sein Fett weg!

STRUDEL AUS VERRAT UND INTRIGEN

Der als Trilogie angelegte Roman „Die Wilden“ ist Politthriller und Familiensaga in einem. Er erzählt von den französischen Präsidentschaftswahlen, bei denen mit Idder Chaouch erstmals ein Kandidat arabischer Herkunft antritt, der vor der Wahl jedoch Opfer eines Anschlags wird. Die algerische Großfamilie Nerrouche, die seit Generationen in Frankreich lebt, wird der Tat verdächtigt, dabei hatte sie Chaouch während der Wahl sogar unterstützt.
Seine eigene Herkunft aus einer algerischen Großfamilie und die Unruhen in den Pariser Banlieues in den 2000er-Jahren haben Sabri Louatah zu diesem packenden Debüt inspiriert, das sofort auf den Bestsellerlisten landete.

Die Wilden,
Sabri Louatah,
Heyne, 16 Euro

Fotos: iStockphoto.com/SilviaJansen, privat, ISG Bermuda3Eck, DFM Hannapell, LWL Freilichtmuseum Hagen, Nordenfan Wikimedia, iStockphoto.com/cruphoto/Kerstin Waurick
tecis Branch Manager DOMINIC HAHNE wurde am Rand des Ruhrgebiets geboren. Er liebt an der Region „die Ehrlichkeit der Menschen, die geradeaus sind und das Herz auf der Zunge tragen“ – sowie das immense Freizeit- und Unterhaltungsangebot in der „Mega-Metropole Ruhrgebiet“. Dies hier sind seine Lieblingsecken.
1 Route der Industriekultur

Diese macht den Strukturwandel im Ruhrgebiet eindrucksvoll erlebbar. Knapp 60 Bauwerke und technische Denkmäler wie die Zeche Zollverein (Foto) säumen die 400 Kilometer lange Route. Viele Hochöfen, Gasometer und Fördertürme dienen heute als kulturelle Veranstaltungsorte mit einem vielfältigen Programm.
www.route-industriekultur.ruhr

2 Freilichtmuseum

Hagen Handwerks- und Technikgeschichte zum Anfassen: In den Werkstätten und Schmieden – die meisten der fast 70 Betriebe sind in Fachwerkhäusern untergebracht – kann man Handwerkern über die Schulter schauen oder jeden Sonntag selbst mit dem mächtigen Blasebalg die Glut am Glimmen halten, Papier schöpfen, mit Pressen drucken oder Brot backen.
www.lwl-freilichtmuseum-hagen.de

3 Phoenix See

Dortmund Der Ruhrtal-Radweg um den künstlich angelegten See bietet tolle Möglichkeiten zum Spazierengehen, Joggen, Radeln und Skaten. Von Restaurants, Bistros und Cafés an der Promenade kann man Surfern und Seglern zuschauen. Urban und lebendig, mit viel Grün und modernen Wohnanlagen drumherum, zeigt die Gegend ein ganz neues Bild des Ruhrgebiets. Infos zum See gibt es hier.

4 Bermuda3Eck

Bochum Edelitaliener und Pommesbuden, Szene­kneipen und Luxuspubs – das legendäre Viertel in der Innenstadt lockt jedes Jahr rund vier Millionen Besucher an. So bunt wie die Gastronomie ist auch das Publikum. Tipp: Unbedingt im Bratwursthaus eine Currywurst probieren – die darf bei einer Reise in den Ruhrpott nicht fehlen.
www.bermuda3eck.de

5 Palais Vest und Altstadt

Recklinghausen/Oberhausen Der 40.000 Quadratmeter große Einkaufstempel Palais Vest bietet auf drei Ebenen Geschäfte und Restaurants. Wenige Minuten entfernt finden sich Besucher in der Fachwerkidylle der Recklinghäuser Altstadt wieder, wo sich in der Heilig-Geist-Straße zahlreiche Läden aneinanderreihen. Nur 30 Bahnminuten entfernt lockt das Centro in Oberhausen, eine der größten Shoppingmalls Europas.
www.palais-vest.de, www.centro.de

6 Deutsches Fußballmuseum

Dortmund Das erste Museum zur deutschen Fußballgeschichte weckt auf lebendige Weise Erinnerungen an die Höhepunkte des deutschen Fußballs. So ist in dem futuristischen Bauwerk nahe dem Hauptbahnhof unter anderem der Schuh ausgestellt, mit dem Mario Götze im WM-Finale 2014 den 1:0-Siegtreffer gegen Argentinien erzielte.
www.fussballmuseum.de

Fotos: iStockphoto.com/Nikada/benkrut, GOP, Hersteller

Wir verlosen eine Reise nach Bochum im Wert von 600 Euro für zwei Personen. Im Preis enthalten sind die Anreise mit der Deutschen Bahn (2. Kl.), zwei Übernachtungen im Mercure Hotel Bochum City sowie Eintrittskarten für das GOP Varieté in Essen.

Zweiter Preis: ein Rucksack von Bree (Punch 708 Kitbag) im Wert von 129,95 Euro.

Dritter Preis: Dreimal zwei Karten für das GOP Varieté-Theater Essen.


So können Sie teilnehmen: Senden Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff Gewinnspiel.
Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2017.

Teilnehmer am Gewinnspiel müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Mitarbeiter des Swiss Life Konzerns und Handelsvertreter von tecis und deren Familienmitglieder sind nicht teilnahmeberechtigt. Die Daten werden ausschließlich zur Abwicklung des Gewinnspiels genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden schriftlich oder telefonisch benachrichtigt.

Fotos: www.danielskleinefarm.de, www.danielskleinefarm.de, MSC Marine Science Center, www.sissykuhkuscheln.de, Zoo Krefeld, PR
Kuscheln mit Kühen, wandern mit Alpakas, schwimmen mit Seehunden oder doch lieber Fingerhakeln mit Äffchen? Die besten Erlebnisse mit Tieren, die Menschen in Einklang mit der Natur bringen.

Flauschiges Fell, vertrauliches Anschnauben und ganz direkter Kontakt von Lebewesen zu Lebewesen: Tiere können gestressten Menschen helfen, mit klarerem Blick auf das Leben zu schauen. Für angestrengte Manager gibt es bereits reichlich Angebote, von den felligen und gefiederten Kreaturen zu lernen: Sie heulen mit den Wölfen, führen störrische Esel über Pfade oder lassen Adler auf ihrer Hand landen, damit ihnen das wilde, unbeschlipste Wesen neue Impulse für ihre Arbeitsphilosophie schenkt. Doch es gibt auch Tiererlebnisse, bei denen man sich den Flauschwesen privat oder mit der Familie nähern kann. Nicht unbedingt therapeutisch, aber immer wohltuend.

ALPAKAWANDERN

Man darf sich von ihren niedlichen, hasenähnlichen Gesichtern unter den wilden Haarschöpfen nicht täuschen lassen: Alpakas sind erstaunlich renitente Tiere. Wer mit ihnen einen Spaziergang unternimmt, lernt, sich zu fügen. Die Alpakas am Führstrick tun es nämlich nicht. Sie marschieren auch nicht wie ein gut erzogener Labrador hinterher, sondern haben ihren eigenen Rhythmus und eigene Vorstellungen davon, wann es Zeit für eine Pause ist.

Anders als der auf Effektivität gepolte Mensch haben sie kein Ziel. Wer mit ihnen unterwegs ist, schaltet automatisch in niedrigere, selten benutzte Gänge. Und lernt, sich zur Abwechslung mal lenken zu lassen. Alpakas zeigen nämlich deutlich, wenn ihnen etwas nicht behagt oder es zu hektisch wird: entweder mit lang gezogenen, quengeligen Tönen – oder mit kreiselnden Halsbewegungen und zum Himmel gerichtetem Blick. „Orbiting“ nennt das der Fachmann, weil es so wirkt, als folgten sie mit den Augen der Flugbahn eines weit entfernten Planeten.

Wer bei einem Alpakahof eine Wanderung in Tierbegleitung bucht, lernt nicht nur sanfte, aber effektive Führung, sondern auch Techniken für den Umgang mit dem unkooperativen Gegenüber. Erst vorsichtig an der Verbindung zum spröden Tier ziehen, dann wieder ein bisschen nachgeben, bis das Alpaka sich zu einem ersten Schritt hinreißen lässt. Dann die Führleine sofort wieder locker lassen, um es für dieses Entgegenkommen zu belohnen und zu weiteren Schritten zu ermuntern. Im übertragenen Sinn klappt diese Strategie nicht nur bei Alpakas, sondern auch bei Mitmenschen. Genauso wie dieser Geheimtipp von erfahrenen Alpakaflüsterern: Wenn das Tier auch nach gutem Zureden, sanftem Leinenzug und allen anderen Bezirzungsversuchen partout nicht weitergehen will, einfach still stehen bleiben und im Kopf bis 30 zählen. Oft wird es dem Alpaka dann schlicht zu langweilig, und es will von ganz allein weiterlaufen.

Wer sich die Freundschaft des Tieres erarbeitet hat, kann danach zusammen mit dem neuen Zottelkumpel gemütlich beim Vespern entspannen: Einige Höfe bieten je nach Jahreszeit auch Picknicks auf der Alpakaweide oder Glühweinwanderungen an.

Wuscheliger Dickkopf Die Paarhufer mit dem drolligen Haarschopf sind zuweilen stur, aber ausgesprochen liebenswert

Alpaca Finca (Vetschau, Spreewald):
2,5 Stunden, 80 Euro pro Erwachsenem, Familienrabatt,
www.alpacafinca.com

Daniels kleine Farm (Castrop-­Rauxel):
2,5 Stunden, 35 Euro pro Alpakaführer, Gruppenrabatt,
www.danielskleinefarm.de

Zadik Lamas (Mittenwalde, Brandenburg):
5 Stunden, ab 35 Euro,
www.zadik-lamas.de


SCHWIMMEN MIT SEEHUNDEN

Malte, Filou und ihre Kameraden sind garantiert die niedlichsten wissenschaftlichen Mitarbeiter der Uni Rostock. Sie haben keine Kittel, dafür Kulleraugen. Wie riesige, glänzende Kieselsteine ragen ihre Köpfe aus dem Wasser des Jacht­hafenbeckens direkt an der Ostsee: Sie halten Ausschau nach ihren menschlichen Planschpartnern. Das Marine Science Center, das Zuhause der Tiere, ist die größte Seehundforschungsanlage der Welt und gehört zur Universität Rostock. Einmalig in Deutschland: Man kann die Seehunde hier nicht nur vom Besucherdeck aus beobachten, sondern die neugierigen, etwa 130 Kilo schweren, kegelförmigen Robben auch in kleinen Gruppen im Wasser besuchen.

Dazu schlüpfen die menschlichen Mitschwimmer in Neoprenanzüge; Flossen und Bleigürtel stabilisieren die Besucher zusätzlich im Wasser. Nach einem kurzen Kennenlernen an Land und ersten Streicheleinheiten für Malte – der mit Vergnügen die Rampenrobbe der kleinen Seehundgruppe gibt – werden auch die Menschen zu Wasser gelassen. Auf einen Befehl der Biologin, die die Robben seit Jahren betreut, steuert Malte sofort auf die Besucher zu, drückt ihnen ohne Zaudern seine feuchte Nase auf die Wange und holt sich dafür einen Belohnungshering ab.

Belästigt fühlen sich die Tiere von den kurzzeitigen Eindringlingen in ihrem Revier nicht, die zahmen Kreaturen haben ihren Spaß an den komisch schwimmenden Gästen. Malte ist darüber hinaus besonders schlau und gelehrig. Nicht nur bei Forschungsfahrten auf hoher See könnte er behilflich sein und etwa Gerätschaften sicher an den Meeresgrund transportieren, auch dem Marine Science Center hat er schon wichtige Dienste erwiesen. So half er einer Besucherin, den Mann ihres Herzens dingfest zu machen: Er tauchte auf den Grund des Beckens und barg für den Erwählten eine Schachtel mit zwei Verlobungsringen.

Schwimmen in Gesellschaft Die Seehunde des Marine Science Centers in Rostock sind genauso neugierig auf ihre menschlichen Besucher wie diese auf die gelehrigen Tiere

Tauchbasis Rostock:
3 Stunden, 250 Euro pro Person,
www.tauchbasis-rostock.de


KUHKUSCHELN

Es gluckert. Wie einer dieser buddhistisch angehauchten Brunnen, die im Wartezimmer von Glutenberatern oder schicken Zahnarztpraxen stehen. So klingt auch das hart arbeitende, viel verzweigte Wiederkäu-Magensystem der Kuh, die sich gerade bedächtig im frisch eingestreuten Stall niedergelassen hat. Bis auf das Gluckern ist es völlig still, der Bauer sitzt diskret im halbdunklen Hintergrund auf einem Schemel und das Heu raschelt leise, als man sich langsam neben das Tier sinken lässt und vorsichtig die Hand an seine erdbeerjoghurtrosa Nase hält.

In den Niederlanden ist Kuhkuscheln (dort „Koe-Knuffelen“) längst eine beliebte Bauernhofaktivität, die viele Landwirte für Feriengäste oder interessierte Ausflügler anbieten. Auch in Deutschland gibt es inzwischen ungefähr ein Dutzend Höfe, auf denen Kühe beschmust werden dürfen. Oft gehört zum Rahmenprogramm auch ein Rundgang auf dem Hof und selbst gebackener Kuchen der Bäuerin. Die erste Berührung fällt überraschender aus, als man bei einem vermeintlich so vertrauten Tier erwarten würde. Ungewohnt warm ist das Fell: 39 Grad, also gut zwei Grad mehr als beim Menschen. Wenn die Kuh sich kuschelbereit ins Stroh legt und man sich mit dem ganzen Körper an ihren Glucksebauch schmiegt, fühlt sich das an wie eine Kreuzung aus wohliger Wärmflasche und weichem Hüpfburgkissen.

Nicht jede Kuh geht gern auf Tuchfühlung mit fremden Zweibeinern – immerhin sind die Rinder trotz jahrhundertelanger Gewöhnung an den Menschen immer noch Fluchttiere. Darum werden für den Kuscheldienst nur die Exemplare ausgesucht, die den Kontakt sichtlich genießen – und auf den Menschen eine enorm beruhigende Ausstrahlung haben.

Wie lange man sich an die Kuh kuschelt, ihre Stirnlöckchen krault und sich von ihrem warmen Atem anpusten lässt, ist schon nach kurzer Zeit kaum mehr zu sagen, so entschleunigend wirkt diese Begegnung. Viele Kuschelkuhbauern erzählen Geschichten von ängstlichen Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen, die nach der Kuschelstunde anfingen, über ihre Probleme zu reden. Und von gehetzten Geschäftsmenschen, die auf dem warmen Kuhbauch besser entspannen konnten als auf dem luxuriösesten Wasserbett.

Gluckerndes Glück Kuhkuscheln ist in Holland bereits ein Riesentrend, in Deutschland bieten rund ein Dutzend Bauernhöfe den wohltuenden Körperkontakt mit dem Nutztier für kleine und große Besucher an

Sissy Kuhkuscheln
(Nümbrecht, Oberbergischer Kreis):
2 Stunden, 30 Euro,
www.sissykuhkuscheln.de

Bergwaldhof (Meinerzhagen, Sauerland):
1,5 Stunden Kuh­seminar inklusive Kuscheln,
15 Euro pro Person,
www.bergwaldhof-1.de

Gisiberg (Tenniken, Schweiz):
1,5 Stunden, 50 Franken pro Person,
www.gisiberg.ch


FINGERHAKELN MIT KLEINAFFEN

Die feuchtwarme Luft drückt, als habe man gerade, noch heimatkäsig und wintermufflig, den Flughafen einer exotischen Stadt verlassen. Es raschelt, es zwitschert, noch muss man zwinkern und genau hinsehen, um zwischen der üppigen Vegetation und den pizzagroßen, sattgrünen Blättern einzelne schlafende Blumenfledermäuse, Leguane und winzige Vögelchen zu entdecken. Unter der Dachkonstruktion aus Holz und Plexiglas baumelt ein Zweifingerfaultier im Geäst. Folgt man dem Pfad durch das Regenwaldhaus des Krefelder Zoos, kann es passieren, dass sich eine Horde Weißgesicht-Sakis quer über den Weg hangelt: Zwerghuhnkleine Affenkörper, die ihre Pelzmäntelchen aus dem Fell britischer Beef­eater-Kopfbedeckungen geschneidert zu haben scheinen, dazu weiße Gesichter, die wie empörte alte Männer dreinschauen.

Wer mit Christine Peter unterwegs ist, darf diese Äffchen nicht nur beobachten, sondern sie füttern, vorsichtig streicheln und kurz mit ihnen fingerhakeln, wenn sie auf der Besucherhand Platz nehmen und sich mit ihren langen Fingern am Menschendaumen festhalten. Peter ist zurzeit Deutschlands einzige Fachfrau für Tier­beschäftigung und bietet an Wochenenden Eintagespraktika an: In ihrem bunten Peter-­Lustig-Gedächtniswohnwagen basteln die Teilnehmer dann Geduldsspielchen für die Zootiere, die sich ohne solche Abwechslung langweilen würden.

Ausrangierte Lederfußbälle werden aufgeschlitzt und mit Holzwolle und Erdnüssen befüllt – darüber freuen sich die Schimpansen. Tannenzapfen werden mit Rosinen gespickt – eine Attraktion für Stachelschwein Simone. Für die Landschildkröten fädeln die Praktikanten Futtergirlanden aus Trauben, Beeren und Gemüse auf. Und die Weißgesichtsäffchen freuen sich über ein hölzernes Spielzeug, das bei Drehbedienung die Mehlwürmer freigibt, die ekelfreie Tierfreunde vorher darin versteckt haben. Ein Zoobesuch, der echte Interaktion statt gegenseitiger Bestarrung bietet: Simones Freude über einen Rosinenzapfen bleibt jedenfalls unvergesslich.

Gegen die Langeweile Tagespraktikanten füttern die Äffchen und basteln für andere Zootiere in Krefeld

Zoo Krefeld
200 Euro pro Person,
www.zookrefeld.de

Serengeti-Park
(Hodenhagen, Lüneburger Heide)
ab 138 Euro pro Person,
www.serengeti-park.de

Naturzoo (Rheine, Westfalen):
125 Euro pro Person,
www.naturzoo.de

Von Anja Rützel


Über die Autorin

Die Journalistin Anja Rützel, 44, arbeitete als Redakteurin bei der „Financial Times Deutschland“ und dem Tech-Lifestyle-Magazin „Wired“ – doch ihr größtes Interesse galt schon immer den Tieren. Warum wirken Begegnungen mit ihnen so entspannend auf den Menschen? Was kann man sich vom Verhalten dieser vermeintlich nicht rationalen Wesen abschauen, um stressfreier zu leben? Das erzählt Rützel in ihrem Ende Mai erschienenen Buch „Saturday Night Biber“ (Fischer-Verlag, 9,99 Euro). Dafür hat sie sich nicht nur zur Alpakaflüstererin und Biberberaterin ausbilden lassen, sondern ist auch in die Turnierkaninchenszene eingetaucht und hat viele andere Spezies vom Ameisenbären bis zum Molch näher kennengelernt. 


Fotos: www.jewro.de
Als Cellerar verantwortet Pater Christoph die Finanzen der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Ein Gespräch über Kapitalismuskritik, die Vorteile der Bescheidenheit und die Schönheit des Weltalls

Etwas müde sei er, sagt Pater Christoph, als er sich an diesem Frühlingsvormittag im kargen, weiß getünchten Besprechungsraum der Abtei Münster­­schwarzach in einen Korbsessel ­sinken lässt. Wegen seiner großen Leidenschaft für die Astronomie sei er erst um 1 Uhr ins Bett gekommen. Die wolkenlose Nacht habe er genutzt, um mit seinem Teleskop die Sterne zu beobachten. Um 4.30 Uhr ist er wie jeden Morgen wieder aufgestanden, um zu beten und sich danach um die Klosterfinanzen zu kümmern.

Pater Christoph, welche Bedeutung hat Geld für Sie?
Fromm ausgedrückt, ist es Mittel zum Zweck, am Reich Gottes zu bauen.

Die Profite, die Sie an der Börse erzielen, dienen also alle gottgefälligen Vorhaben?
Wir betreiben neben dem Kloster Landwirtschaft, verschiedene Handwerksbetriebe sowie ein Gymnasium und ein Gästehaus, die beide nicht kostendeckend arbeiten. Überdies beherbergen wir 35 Flüchtlinge. Alle Mitbrüder, die sich hier engagieren, arbeiten unentgeltlich und fehlen für andere Aufgaben. Deshalb muss ich zusätzlich externe Mitarbeiter einstellen, was Kosten verursacht. Ohne die Erträge der Vermögensverwaltung könnten wir außerdem auf Dauer keine Investitionen tätigen, weder in einen neuen Traktor noch in andere Projekte.

Profitieren Sie und Ihre Mitbrüder auch direkt von den Erlösen?
Die Abtei hat 80 Mönche, und für deren Altersvorsorge muss ich Rücklagen bilden. Da wir eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sind, müssen wir das dem Staat nachweisen.

Sind Börse und Christentum überhaupt mitein­ander vereinbar? Papst Franziskus lehnt ein System der „absoluten Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation“ vehement ab.
Die Kritik des Papstes hat ihre Berechtigung. Um aber eine Schule zu unterhalten, die nach christlichen und ganzheitlichen Maßstäben 800 Schüler unterrichtet, brauche ich eine bestimmte Finanzkraft. Da sich die Schule nicht allein trägt, benötige ich entweder Spender – oder ich folge dem Motto von Pater Anselm, …

… Ihrem Vorgänger im Amt des Cellerars, …
… lieber das Geld selbst zu verdienen.

Die Börse ist also kein Teufelswerk?
Nein. Wir leben nun mal in einer Wirtschaft, und wir partizipieren daran. In diesem System nicht schuldig zu werden ist unmöglich. Wenn man Purist sein will, muss man Kartäuser werden und leben wie im 14. Jahrhundert. Und wer mag das schon?

Das heißt aber nicht, dass Sie bei der Aktienauswahl alle christlichen Maßstäbe über Bord werfen, oder?
Wir hinterfragen immer, was ein Unternehmen tut, und legen unser Geld nachhaltig an. In Rüstung investieren wir nicht. Auch Unternehmen, die dem katholischen Glauben widersprechen, meiden wir. Bei manchen Aktien fällt eine Entscheidung aber schwer: Motoren von MAN oder Mercedes können zum Beispiel auch in Militärfahrzeuge eingebaut werden.

Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken haben den Leitfaden „Ethisch-nachhaltig investieren“ herausgegeben. Hilft der bei Gewissensentscheidungen?
Ja. Zum einen finde ich darin Bestätigung für mein Handeln, zum anderen kann ich mein Tun damit kritisch hinterfragen. Manche Dinge ändern sich aber über Nacht. Nehmen Sie das Beispiel VW. Da freut man sich über ein nach­haltig geführtes Unternehmen, und plötzlich wird alles infrage gestellt.

Sie sind ein Experte für erneuerbare Energien und haben das Kloster von fossilen Brennstoffen unabhängig gemacht. Spielt Umweltpolitik bei der Geldanlage für Sie eine Rolle?
Wir gehören zu einem Verband von 25 unabhängigen Klöstern, die über die ganze Welt verstreut sind: In diesem Netzwerk tauschen wir uns regelmäßig aus. In Südamerika merkt man zum Beispiel immer stärker den Klimawandel. Das ist ein wichtiges Thema für uns. Für mich wirft die Umweltpolitik von US-Präsident Trump, wenn er sie wie angekündigt umsetzt, das Land weit zurück.

Die Abtei, in der wir sitzen, existiert seit mehr als 1200 Jahren. In welchen Zeiträumen denken Sie, wenn Sie Geld investieren?
Das halten wir flexibel. Auf keinen Fall sind wir kurzfristige Anleger, die täglich oder wöchentlich Käufe oder Verkäufe tätigen.


Pater Christoph:
Vom Techniker zum Mönch

Pater Christoph Gerhard trat 1987 nach dem Studium der Elektrotechnik ins Benediktiner­kloster Münsterschwarzach ein, arbeitete in der Verwaltung und führte verschiedene Klosterbetriebe, darunter einen Verlag. Im Oktober 2013 übernahm er das Amt des Cellerars. In dieser Funktion leitet der 52-Jährige die Finanzen des Klosters und ist für die Geld­anlage verantwortlich. Das Vermögen legt er in enger Absprache mit seinem Vorgänger Pater Anselm Grün zum größten Teil selbst an der Börse an. Dazu tauschen sich die beiden Mönche regelmäßig über Anlagestrategie und ihr Portfolio aus.


In diesem System
nicht schuldig zu werden
ist unmöglich.

Schlichter Bau Die ursprüngliche Klosteranlage wurde 1827 durch einen Brand zerstört. Die heutigen Gebäude, darunter die Kirche, stammen aus den 1930er-Jahren

Sie verfolgen also nicht permanent die Börsenkurse?
Bei der Geldanlage gibt es ein gewisses Suchtpotenzial. Dem möchte ich mich nicht aussetzen. Deshalb beschränke ich die Zeit: 15 Minuten pro Woche müssen reichen.

Wie viel Rendite wollen Sie erzielen?
3, 4 oder 5 Prozent wären schön. Mal läuft es besser, mal schlechter – da wir langfristig investieren, sind wir nicht die Risikoscheuesten. Deshalb setzen wir derzeit verstärkt auf Aktien.

Investieren Sie anders als Pater Anselm?
Nein, wir agieren sehr ähnlich. Allerdings bin ich technikaffiner. Bevor ich 1987 ins Kloster eingetreten bin, habe ich Elektrotechnik mit Fachrichtung Informationstechnik studiert.

Pater Anselm verantwortete 36 Jahre lang die Finanzen des Klosters. Es heißt, er kennt sich mit der Börse so gut aus wie mit der Heiligen Schrift.
(lacht) Ich bin mir sicher, Pater Anselm kennt sich mit der Heiligen Schrift besser aus als mit der Börse. Als geistlicher Autor von 300 Büchern im deutschsprachigen Raum ist er einzigartig.

Droht bei Ihnen das Geistliche angesichts des Geschäfts manchmal zu kurz zu kommen?
Der Betrieb muss schwarze Zahlen schreiben. Das ist eine große Herausforderung. Manchmal droht einen der Wirtschaftsalltag aufzufressen. Wenn ein Bereich nicht so gut läuft oder rote Zahlen schreibt, schlafe ich auch mal schlecht.

Das Kloster hat 300 Mitarbeiter und erwirtschaftet 25 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. An der Börse operieren Sie mit hohen Summen. Wie viel Geld steht Ihnen persönlich zur Verfügung?
Es gibt bei uns ein sogenanntes Verfügungsgeld. Wenn ich etwas benötige, dann hole ich mir 50 Euro bei der Kasse.

Was bedeutet für Sie als Mönch Verzicht?
Zuallererst, dass ich einen anderen fragen muss, bevor ich etwas kaufe. Meine Mitbrüder müssen mich als Cellerar fragen. Aber auch ich frage meinen Stellvertreter, etwa wenn ich eine Hose kaufen möchte. Dinge miteinander abzusprechen ist typisch benediktinisch. Ich finde es wichtig, dass meine Brüder mich kontrollieren, damit ich in ihrem Sinn mit unserem Geld umgehe.

Was gilt für einen Benediktiner als angemessene Lebensführung, und wo fängt Verschwendung an?
Ein schwieriges Thema (lacht). Es gibt Mitbrüder, die muss man auffordern, sich endlich mal neue Schuhe, ein Hemd oder eine Hose zu kaufen. Anderen muss man schon mal sagen, der Mantel für 500 Euro hätte es nicht sein müssen. Wir Benediktiner sind so verschieden wie alle Menschen.

Wie schaffen Sie es bei diesen finanziellen Beschränkungen, Ihrem Hobby, der Astronomie, nachzugehen?
Zum Glück gibt es da einen Wohltäter, der mir wohlgesinnt ist. Wenn er mir etwas Gutes tun will, etwa eine neue Kamera für unser Teleskop schenken, sage ich ihm: „Schenk die Kamera dem Kloster.“ Dann gehe ich zum Abt und frage, ob dem Kloster eine Kamera geschenkt werden darf, die mir zur Verfügung steht. Wenn der Abt allerdings Nein sagt, geht es nicht.

Ärgert Sie diese Abhängigkeit nicht manchmal?
Nein. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass ich frei bin. Ich muss nicht Nein sagen, sondern jemand anders sagt Nein. Und wenn zugestimmt wird, dann sagt das Kloster Ja und nicht Pater Christoph. Der Spender ist frei, weil er das Kloster beschenkt. Und ich bin dem Spender gegenüber frei. Und am Ende hat das Kloster die Kamera (lacht wieder).

Sie haben im Kloster sogar eine eigene Sternwarte. Was fasziniert Sie an der Astronomie?
Die Größe, Weite und Schönheit der Schöpfung. Auch das Naturwissenschaftliche, da tobt sich der Ingenieur aus. Und das geistliche Erleben, also direkt Kontakt mit dem Göttlichen aufnehmen zu können. Da merkt man schnell, dass die Welt viel, viel größer ist als die Aktienbörse oder die wirtschaftlichen Probleme, die ich zu lösen habe.

Interview: Paul Prandl

Vielschreiber Christophs Vorgänger, Pater Anselm Grün, hat sich als Autor von mehr als 300 Büchern einen Namen gemacht


Abtei Münsterschwarzach:
Gehorsam und Beständigkeit als Grundsätze

„Ora et labora“ („bete und arbeite“) – so lautet verkürzt die bekannteste Regel der Benediktiner. Sie sind der älteste katholische Orden, benannt nach Benedikt von Nursia, der um 529 seine Grundsätze aufstellte: Bestän­digkeit, klösterlicher Lebenswandel und Gehorsam. Heute gibt es weltweit rund 1180 Benediktiner­klöster mit etwa 8000 Mönchen und 16.000 Nonnen. Die Abtei Münsterschwarzach wurde 780 als Frauenkloster gegründet. Nachdem sie 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde, erfolgte 1913 die Neugründung. Heute beschäftigt sie etwa 300 Mitarbeiter, die zu je einem Drittel für das Kloster, das Gymnasium sowie verschiedene Gewerbebetriebe arbeiten und einen Umsatz von 25 Millionen Euro erwirtschaften.


Fotos: PR/Hersteller
Sie laden mobile Geräte auf, können nicht verloren gehen und alarmieren ihre Besitzer bei Diebstahl: Schlaue Gepäckstücke machen das Unterwegssein entspannter

Akku leer und kein Ladekabel dabei? Wer viel unterwegs ist, kennt die Probleme des mobilen Daseins. Eine neue Generation von Rucksäcken und Trolleys liefert Lösungen: Die Firma Bluesmart etwa bietet Handgepäck mit integriertem Ladegerät, das den Akku eines Smartphones oder Tablets bis zu sechsmal füllt. Das Modell „One“ (449 Euro) lässt sich zudem per App abschließen und ist über GPS lokalisierbar. Entfernt man sich von dem Gepäckstück, verschließt es sich selbstständig. Der Trolley „Bagmotic“ (540 Euro) des Herstellers Piquadro schickt darüber hinaus ein Alarmsignal aufs Handy, sollte sich der Besitzer weiter als 30 Meter von ihm entfernen. Die Köfferchen der Berliner Horizn Studios (ab 199 Euro) können über zwei USB-Anschlüsse mehrere Geräte parallel aufladen.

Ein Modell verfügt sogar über einen integrierten „Travel Assistant“, der rund um die Uhr Hilfe leistet. So wird selbst eine Reservierung im angesagtesten Restaurant der Stadt zum Selbstläufer. „Ich habe gute Nachrichten! Wir können deinen Tisch bestätigen“, schreibt der virtuelle Concierge per SMS wenige Minuten nach der Anfrage. Entspannter lässt es sich kaum reisen. Zum Dinner noch schnell den „Livefree“-Rucksack von Knomo (ab 179 Euro) geschultert, der bis zum Dessert über seine Powerbank sämtliche Mobilgeräte geladen hat.

Infos unter
www.bluesmart.com,
www.piquadro.com,
www.horizn-studios.com,
www.knomobags.com