Finanzratgeber

Fotos: istock/Daisy-Daisy; Illustration: www.noamweiner.com
Ein Autounfall veranlasste vor 121 Jahren eine englische Versicherung, die erste Kraftfahrzeug-Police anzubieten

Ein Spaziergang vorm Crystal Palace in London wurde Bridget Driscoll 1896 zum Verhängnis. Mit ihrer 16-jährigen Tochter war sie wohl auf dem Weg zu einer Tanzveranstaltung gewesen. Als die beiden Frauen die Straße überquerten, wurde die Mutter von einem Auto erfasst. Sie soll so erstaunt über das sich nähernde Fahrzeug gewesen sein, dass sie sich nicht mehr rührte. Der Fahrer sagte, er habe geschrien und gehupt, den Unfall aber nicht verhindern können. Mit sieben Stundenkilometern erfasste er die Frau, die kurz darauf starb.

Was sich heute wie ein alltägliches Unglück liest, war damals eine Sensation. Autos waren auf Londons Straßen noch selten, die Geschwindigkeit im Vergleich zu heute minimal. Driscoll gilt als erstes Opfer eines Autounfalls und als Auslöser dafür, eine Kfz-Versicherung in England zu gründen. Autobesitzer konnten sich damit zum ersten Mal gegen Schäden absichern. Und Unfallopfer mussten eine Schadenersatzzahlung nicht selbst mit dem Fahrer aushandeln.

Rund drei Jahre später etablierte sich auch in Deutschland die Kfz-Police. Der Stuttgarter Verein legte eine „Haftpflicht-, Unfall- und Karambolage-Versicherung“ für Fahrzeuge auf. Heute gibt es in Deutschland rund 100 Kfz-Versicherer. Die ersten Haftpflichtverträge waren aus heutiger Sicht teils kurios. Mit einer einmaligen Prämie konnten sich Autofahrer auf Lebenszeit versichern, unabhängig vom Fahrzeug. Mittlerweile haben Versicherte jedes Jahr im Herbst die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Einige Gesellschaften unterschätzten die Tempozunahme neuer Autos und boten Verträge zu sehr geringen Prämien an. Später berechneten sich viele Beiträge nach der Zahl der Sitze im Fahrzeug. Es gab kaum Erfahrungswerte mit Autounfällen, deshalb wurden die Prämien geschätzt. Immer wieder gingen Versicherer pleite, weil sie die Schadenshöhen völlig falsch kalkuliert hatten. Erst nach und nach entwickelte sich ein einheitliches System zur Berechnung.

1901 kam die erste Fahrzeugunfallversicherung auf den Markt, ein Vorläufer der Kaskoversicherung für Autos. Damit konnten zum ersten Mal auch Schäden am eigenen Auto versichert werden. Die Haftpflichtversicherung blieb für die meisten deutschen Autobesitzer lange Zeit freiwillig. Nur Fahrlehrer, Lkw-Fahrer oder „Personenbeförderer“, also etwa Taxifahrer, mussten in der Anfangszeit eine Versicherung nachweisen. Erst seit dem 1. Juli 1940 ist sie für alle Autobesitzer Pflicht. Der Abschluss einer Kaskoversicherung ist weiterhin freiwillig in Deutschland.

Von Julia Wehmeier

Foto: iStock – ferrantraite; Animationen: Maximilian Schmidt
Ein Unfall hat häufig gravierende Folgen für den Betroffenen. Neben körperlichen Einschränkungen belasten oftmals hohe Kosten das weitere Leben, denn die gesetzliche Unfallversicherung zahlt nur in manchen Fällen. Ein Blick auf UNGLÜCKSURSACHEN UND -FOLGEN
GEFAHRENSCHWERPUNKT WOHNZIMMER

Die schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) untersucht regelmäßig, wo die meisten Unglücke daheim geschehen. Die Ergebnisse lassen sich auf Deutschland übertragen.

Orte von Heimunfällen in der Schweiz 2009 bis 2013, in Prozent*


ZU HAUSE KNALLT’S
AM HÄUFIGSTEN

Die meisten Unfälle geschehen hierzulande daheim und bei Freizeitaktivitäten. In diesen Fällen greift nicht die gesetzliche Unfallversicherung. Sie zahlt nur bei Unglücken am Arbeitsplatz und in der Schule sowie auf dem Arbeits- oder Schulweg.

Lebensbereiche, in denen Unfälle passieren, in Prozent.

1Wohngebäude, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft / 2Sturm/Hagel, ab 1999 auch Elementar, hochgerechnet auf Bestand und Niveau 2016 / 32014 und 2015: vorläufiges Ergebnis / 42016: Schätzung


LIEBER DIE LEITER NEHMEN

Mal eben kurz die Gardine aufhängen und dafür auf Stuhl oder Tisch steigen? Schlechte Idee! Viele Unfälle daheim geschehen aus purem Leichtsinn.

Gegenstände, die häufig bei Heimunfällen im Spiel sind 2010, in Prozent


DAS WIRD TEUER

Die gesetzliche Unfallversicherung zielt vor allem darauf ab, die Arbeitskraft wiederherzustellen. Viele Folgeausgaben für Rehabilitation oder Pflege sind nur durch eine private Police abgedeckt.

Beispielhafte Ausgaben für Hilfsmittel und ärztliche Maßnahmen nach Unfällen, in Euro


Quelle (1): bfu, 2016

Quelle (2): Todesursachenstatistik, Straßenverkehrsunfallstatistik, Statistiken der gesetzlichen Unfallversicherungsträger, Robert-Koch-Institut, 2014

Quelle (3): Robert-Koch-Institut, 2013

Quelle (4): Swiss Life Deutschland, eigene Berechnungen, 2017

Fotos: istock/Photobuay, Privat

Mein VL-Sparplan ist fällig. Was kann ich mit dem angesparten Vermögen machen?

 

Robin Ganser, 30, ist seit acht Jahren als selbstständiger Finanzberater für tecis in Hamburg tätig und Spezialist für Geldanlage und Immobilienfinanzierung. Daher wird er oft von Kunden gefragt, wie sie ihre vermögenswirksamen Leistungen rentabel anlegen können

In Deutschland haben schätzungsweise mehr als 20 Millionen Arbeitnehmer Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen, kurz VL. Das ist zusätzliches Geld zum Gehalt, das für den Vermögensaufbau bestimmt ist. Der Arbeitgeber zahlt steuer- und sozialversicherungsfrei monatlich einen Betrag bis zu 40 Euro, der in verschiedene Sparprodukte angelegt werden kann. Je nach Vertrag kann der Arbeitnehmer die Summe aufstocken. Anerkannt sind Anlageformen wie Fonds-, Banksparpläne oder Bausparverträge. Vermögenswirksame Leistungen können sogar zur Tilgung eines Baukredits verwendet werden. Für viele Beschäftigte lohnt sich das VL-Sparen besonders, weil sich auch der Staat – bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze – an der Vermögensbildung beteiligt.

Ein weiterer Vorteil des VL-Sparens: Die Laufzeit des Vertrags ist begrenzt. In der Regel wird sechs Jahre lang eingezahlt, dann ruht er weitere zwölf Monate. So können Sie alle sieben Jahre prüfen, ob das einst gewählte Anlageprodukt noch zu Ihren Plänen und Renditezielen passt. Danach stehen Ihnen grundsätzlich zwei Optionen offen: Sie können den Vertrag weiterlaufen oder sich das Geld auszahlen lassen und zu einem anderen Anlageprodukt wechseln.

Letztere Option kommt zum Beispiel infrage, wenn Sie sich in der Zwischenzeit eine Immobilie zugelegt haben, die über ein Darlehen finanziert wird. Dabei können Sie die vermögenswirksamen Leistungen einsetzen, um den Kredit schneller zu tilgen. Bei einem Darlehen von 200.000 Euro mit einem Zinssatz von zwei Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren verringert sich die Restschuld um 5000 Euro, wenn Sie monatlich 40 Euro aufs Kreditkonto einzahlen.

Wer sein angespartes Vermögen einfach nur vermehren möchte, hat mit einem Fondssparplan auf lange Sicht die höchsten Renditechancen. Dabei investieren Sie das Geld zum Beispiel in Aktien oder Immobilien. Bei einem monatlichen Sparbeitrag von 100 Euro und einer durchschnittlichen Verzinsung von sechs Prozent können nach 20 Jahren mehr als 45.000 Euro zusammenkommen. Zudem ist bei einen Sparplan auf Investmentfonds die Zulage vom Staat am höchsten. Die Förderung beträgt 20 Prozent des eingezahlten Betrags, maximal jedoch 80 Euro im Jahr. Bei einem Banksparplan, der zwar feste, aber niedrige Zinsen bietet, gibt es im Vergleich dazu keine Zulagen.

Wenn Sie also weiterhin Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen haben, können Sie zwischen verschiedenen Optionen wählen. Nur für eine sollten Sie sich nicht entscheiden: auf das Geld zu verzichten. Schließlich wird es Ihnen geschenkt.

 


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Foto, Illustrationen: Westend61/Getty Images, LisLud/istock
Der erste Arbeitsvertrag ist unter­schrieben, die Wohnung in der neuen Stadt angemietet – doch was ist mit den Privatfinanzen? Womit sich junge Berufsstarter jetzt befassen sollten

Wenn das erste Gehalt auf dem Konto eingegangen ist, denken viele Berufseinsteiger vor allem an Urlaub oder Autokauf. Doch jetzt sollten sie auch die eigene Absicherung in Angriff nehmen. Während junge Menschen in der Schulzeit und im Studium in vielen Fällen noch über die Eltern mitversichert sind, müssen sie sich nun selbst um ihren Schutz kümmern. Ein Überblick über die wichtigsten Produkte:

KRANKENVERSICHERUNG Spätestens mit dem ersten Gehalt müssen Jobstarter eigenständig versichert sein. Sie können zwischen den Angeboten von mehr als 100 gesetzlichen Krankenkassen wählen. „Die Angebote zu vergleichen lohnt sich“, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wichtiges Kriterium ist die Höhe des Zusatzbei­trags: Neben dem gesetzlichen Beitragssatz von 14,6 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens erheben die Versicherer einen Aufschlag zwischen 0,3 und 1,8 Prozent. Selbst wenn eine private Krankenvollversicherung für viele Berufseinsteiger noch keine Option ist (das Mindesteinkommen bei Angestellten liegt bei 56.700 Euro), können sie weitere Leistungen privat dazubuchen, etwa über eine Zahn- oder eine Krankenhauszusatzversicherung. Zusätzlich lohnt sich eine Auslandskrankenversicherung, die beispielsweise die Kosten übernimmt, wenn der Reisende wegen eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung ausgeflogen werden muss. Singles zahlen für eine Jahresversicherung ab 5 Euro, Familien ab 15 Euro.

HAFTPFLICHT „Jeder sollte eine private Haftpflichtversicherung haben“, sagt Verbraucherschützer Opfermann. Sie zahlt, wenn man ohne Absicht bei Dritten einen Schaden verursacht. Das kann schnell teuer werden: Übersieht zum Beispiel ein Radfahrer einen Fußgänger und verletzt ihn, laufen schnell Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro auf.
Während der ersten Ausbildung sind Kinder über ihre Eltern versichert, manchmal gelten allerdings besondere Altersgrenzen. Danach sind junge Menschen auf sich selbst gestellt.

KRAFTFAHRZEUG Mit dem Berufsstart lässt das erste eigene Auto oft nicht lange auf sich warten. Für das eigene Fahrzeug benötigt man in jedem Fall eine Kfz-Haftpflichtpolice. Versichert sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die in der Regel vom Fahrer verursacht werden. Teil- beziehungsweise Vollkaskopolicen decken Schäden am eigenen Fahrzeug.

BERUFSUNFÄHIGKEIT Experten, etwa von der Stiftung Warentest, raten Jobstartern dringend, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. Sie sichert die Arbeitskraft ab, sodass man auch nach einem Unfall oder bei einer schweren Krankheit für den eigenen Lebensunterhalt sorgen kann. Der Staat zahlt zwar eine Erwerbsminderungsrente, doch die fällt sehr gering aus. Und Anspruch darauf hat nur, wer mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat. Je früher die BU-Police abgeschlossen wird, desto niedriger sind die Beiträge. Die Prämien unterscheiden sich je nach Leistung und Versicherungslaufzeit. Wer monatlich 1000 Euro Rente anstrebt, die bis zum Alter von 65 Jahren gezahlt werden soll, muss laut Verbraucherzentrale mit Kosten zwischen 30 und 50 Euro pro Monat rechnen. Als Alternativen eignen sich oft ­Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-­Policen. Auch eine gute Unfallversicherung schützt den Berufsstarter vor unerwarteten Kosten.

HAUSRAT Eine Hausratversicherung deckt Schäden an Wohnung und Inventar ab, die zum Beispiel durch Einbruch, Feuer oder Wasser verursacht wurden. Studenten und Auszubildende sind meist über ihre Eltern abgesichert. Für Berufseinsteiger kann sich eine Hausratpolice lohnen, wenn sie zum Beispiel ein teures Fahrrad mitversichern möchten, ist das über eine Zusatzoption möglich. Bei kleinen Wohnungen kostet die Police rund 50 Euro im Jahr. Die Prämie hängt ab von Wohnfläche, Wohnort und Schadensarten, die mitversichert werden sollen.

VERMÖGENSWIRKSAME LEISTUNG Beim Jobantritt lohnt sich die Nachfrage beim Arbeitgeber, ob dieser vermögenswirksame Leistungen anbietet. Dabei gibt der Chef Geld zum Vermögensaufbau dazu, und zwar aktuell bis zu 40 Euro pro Monat. Je nach Anlageform zahlt der Staat zusätzlich Sparzulagen. Gefördert werden unter anderem Bausparverträge, Bank- und Fondssparpläne.

ALTERSVORSORGE Kaum ein Berufseinsteiger setzt sich gern mit seiner Altersvorsorge auseinander. Doch auch hier sind die Bedingungen am besten, wenn möglichst früh ein Vertrag abgeschlossen wird. Für viele attraktiv ist die staatlich geförderte Riesterrente: Als Zulage locken zurzeit pro Jahr wenigstens 154 Euro, wenn ein Mindestbetrag eingezahlt wird. Bis zum 25. Lebensjahr wird aktuell zusätzlich ein Berufseinsteigerbonus von 200 Euro gewährt.


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Fotos: xijian/istock, Graffizone/istock, PR, Daimler AG

Wie Geringverdiener künftig stärker von der betrieblichen Altersversorgung profitieren sollen, verraten wir unter anderem in unseren aktuellen Finanz- und Steuertipps

STEUERN
Fiskus sponsert neuen Laptop

Neuerdings erkennt das Finanzamt die Kosten für einen neuen Laptop auch dann an, wenn das Gerät privat genutzt wird, schreibt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Früher musste der Rechner mindestens zu 90 Prozent dem Job dienen, heute können es auch nur zwei Drittel sein. Allerdings erkennt der Fiskus nur den beruflichen Nutzungsanteil als Werbungskosten an. Lässt sich der Umfang nicht nachweisen, wird dieser geschätzt. Dabei spielt es eine Rolle, welchen Beruf der Steuerzahler ausübt und wie naheliegend eine dienstliche Nutzung ist. Büroangestellte etwa könnten demnach mindestens 50 Prozent des Kaufpreises ansetzen. Außendienstmitarbeiter haben gute Chancen, ohne Nachweis 100 Prozent geltend zu machen.


ZAHLUNGSMITTEL
Jung und flüssig

Jugendliche und junge Erwachsene zahlen bei Aufenthalten im Ausland am liebsten bar. Einer TNS-Emnid-Umfrage (Mai 2017) im Auftrag der Postbank zufolge bestücken 95 Prozent der 14- bis 29-Jährigen ihre Reisekasse mit Münzen und Scheinen, weil sie diese als das sicherste Zahlungsmittel im Ausland empfinden (63 Prozent) und obendrein als das günstigste (55 Prozent). Eine irrige Annahme, wie Silke Haack von der Postbank bestätigt: „Wer ausschließlich Bargeld mit auf Reisen nimmt, geht ein unnötiges Sicherheits­risiko ein.“ Neben einem überschaubaren Bargeldbestand von maximal 150 Euro gehör­ten immer auch Bankkarten ins Reisegepäck. Diese ließen sich bei Diebstahl immerhin sperren, während Bargeld unwiederbringlich verloren sei.


GESUNDHEIT
Gute Zähne gehen ins Geld

Sind die eigenen Zähne nicht mehr intakt, steht früher oder später Ersatz an – und das kann teuer werden. Zahnkronen oder -brücken kosten Hunderte, nicht selten sogar Tausende Euro. Laut der Studie „Zahnersatzkosten 2017“, die die Internetplattform Kosten-beim-zahnarzt.de Ende April veröffentlichte, zahlen 41 Prozent aller Patienten zwischen 50 und 1000 Euro für Zahnersatz. 19 Prozent geben sogar mehr als 5000 Euro aus. Die Krankenkassen übernehmen meist nur einen Bruchteil der Kosten – deshalb wird oftmals der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung empfohlen, die je nach Leistungsspektrum bis zu 100 Prozent der Kosten trägt. Der Beitrag variiert je nach Alter des Patienten und dem Gesundheitszustand der Zähne.


BETRIEBSRENTE
Mehr Anreize für Unternehmen

Geringverdiener sollen künftig stärker von der betrieblichen Altersversorgung (bAV) profitieren. Ab 2018 können Unternehmen Mitarbeitern auf der Grundlage von Tarifverträgen Betriebsrenten anbieten, ohne Mindesthöhe und Auszahlung garantieren zu müssen. Zusätzlich erhalten Arbeitgeber Zuschüsse, wenn sie für Mitarbeiter bis zu einem monatlichen Einkommen von 2200 Euro einen Betrag von 240 bis 480 Euro in eine Betriebsrente einzahlen. bAV-Leistungen werden zudem künftig nicht mehr mit der Grundsicherung im Alter verrechnet.

IMMOBILIENFINANZIERUNG
Deutsche Bauherren lieben Langläufer

Die Bundesbürger binden sich bei der Baufinanzierung immer länger an ihren Kreditgeber. Das zeigen Daten der Deutschen Bundesbank: Während 2009 der Anteil von Darlehen mit Lauf­zeiten von mehr als zehn Jahren noch bei etwa 25 Prozent lag, waren es 2016 bereits mehr als 40 Prozent. Die Bauherren wollen möglichst lange von den derzeit günstigen Zinsen profitieren und nehmen dafür Aufschläge gegenüber kurz laufenden Krediten in Kauf. Die Konditionen zwischen den unterschiedlichen Anbietern variieren. tecis prüft die Kon­ditionen von 240 Kredit­gebern und ermittelt das günstigste Angebot für den je­weiligen Zweck.


ALTERNATIVE ANLAGEN
Garagengold legt weiter zu

Die Preise für historische Fahrzeuge sind 2016 wieder gestiegen – laut Deutschem Oldtimer Index (im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie) durchschnittlich um 4,4 Prozent. Am höchsten fiel die Wertsteigerung beim Mercedes 190 („Ponton“, Foto) aus. Er legte um 48 Prozent zu, dicht gefolgt vom Youngtimer Toyota MR2 (40 Prozent) und dem Mercedes 190 SL (34 Prozent). Auch langfristig erwiesen sich sowohl Alltagsautos als auch exotische Sportwagen als besonders lukrativ. Seit dem Start des Index 1999 legten der VW-Bus T2 (plus 600 Prozent), der Citroën 2CV „Ente“ (490 Prozent) und der Mercedes-Benz 300 SL „Flügeltürer“ (426 Prozent) am stärksten zu.

Illustrationen: Norbert Fuckerer
Zu teuer, zu aufwendig, zu kompliziert: Viele Bürger schieben das Thema Altersvorsorge vor sich her. Dabei bringt eine regelmäßige Überprüfung Klarheit – und häufig Tausende Euro extra

Zwei Arten von Kunden begegnen Finanzberatern immer wieder: Die einen kommen mit leeren Händen, die anderen mit vollen Ordnern. Beiden steht die Verwirrung ins Gesicht geschrieben: Welche Produkte brauche ich für die Altersvorsorge? So rätseln die Jüngeren. Passen unsere Verträge noch zur Lebensplanung? Das fragen sich die etwas Älteren.

„Viele Leute haben verstanden, dass sie etwas tun müssen, wenn sie im Alter ihren Lebensstandard halten wollen“, sagt Louisa Peggau, Produkt­managerin für Altersvorsorge bei Swiss Life Deutschland, „und das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung.“ Wie groß die erforderliche Summe sein sollte und mit welchen Finanzprodukten sie sich erwirtschaften ließe, sei ihnen allerdings oft nicht bewusst. So hat das Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold festgestellt, dass ein Viertel der deutschen Paare sein Geld bestenfalls auf mager ver­zinsten Tagesgeldkonten hortet. Berücksichtigt man die Inflation, wird hier Geld vernichtet. Knapp 20 Prozent der Befragten streuten ihr Vermögen zwar über mehrere Anlageformen (was prinzipiell sinnvoll ist), wechselten jedoch oft unstet hin und her (was Kosten produziert und die Erträge nachhaltig drückt).

Andere wiederum, so Peggaus Erfahrung, entschieden sich einmal für ein Produkt, schauten sich die Verträge dann jedoch für lange Zeit nicht mehr an. Diese Planlosigkeit stellt für die Finanz­expertin das größte Problem bei der effektiven Altersvorsorge dar: „Das kann gefährlich große Lücken produzieren.“ So wie bei Stefan K. Der 35-Jährige hat 2011 eine Lebensversicherung abgeschlossen. Er weiß, dass die gesetzliche Rente bis zu seinem Ruhestand nur magere 44 Prozent seines letzten Netto­gehalts abdecken wird – Tendenz fallend. Die private Police würde später inklusive Überschüssen einmal 106.000 Euro abwerfen, hieß es damals.

Der Fluch der Minizinsen
Mittlerweile veranschlagt die Versicherungsgesellschaft die voraussichtliche Auszahlsumme auf nur noch 77.000 Euro. Grund hierfür sind vor allem die Niedrigzinsen, die seit Jahren die Erträge der Versicherer empfindlich schmä­­­lern. Bei Stefan K. klafft also eine Lücke von rund 30.000 Euro in der privaten Altersvorsorge – sofern er nichts dagegen unternimmt.

Der Fall zeigt: Ein Finanzprodukt zu kaufen und 30 Jahre unbeobachtet liegenzulassen, ist riskant. Wer sich zum Beispiel allein auf eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung verlässt, bekommt nach 30 Jahren Sparphase bei 100 Euro monatlicher Einzahlung derzeit fast ein Drittel weniger heraus als ursprünglich veranschlagt.

Nun sollte man solche Verträge aus diesem Grund nicht voreilig kündigen. Ein Garantiezins (im Versicherungsjargon: Höchstrechnungszins) von bis zu vier Prozent ist aus heutiger Sicht höchst attraktiv. Policen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind zudem steuerlich begünstigt. Um auf die einst prognostizierte Auszahlungssumme zu kommen, muss man jedoch zusätzlich Geld zurücklegen. Wie hoch die Summe sein sollte und welche Verträge sich eignen, um die Lücke zu schließen, lässt sich am besten im Gespräch mit einem Berater erörtern.

Die Experten kennen die Gründe, warum sich viele Menschen vor der Auseinandersetzung mit ihrer Altersvorsorge drücken: Die Zahl an Finanzprodukten ist schier unüberschaubar, Kosten und Renditen sind für Laien kaum vergleichbar. „Junge Menschen überschätzen zudem oft, wie viel Geld sie sparen müssen, um einen bestimmten Betrag zu erwirtschaften“, sagt Peggau. Bei einem Finanzcheck stellt sich schnell heraus, dass 200 Euro monatlich reichen, um bei einer angenommenen jährlichen Rendite von sechs Prozent mit 67 Jahren (nach Abzug der Versicherungskosten) eine Zusatzrente von 900 Euro zu erhalten. Wenn man als 30-Jähriger beginnt. Wer erst mit 40 startet, braucht 350 Euro, und mit 45 Jahren sind schon 500 Euro im Monat nötig. Ein echtes Argument für den Frühstart also.

Zudem gilt: Durchhalten! „Altersvorsorge sollte man als Langfristprojekt betrachten“, so Peggau. Und im Auge behalten, dass sich die Lebensumstände immer wieder ändern: Mit 30 sorgen noch viele für sich allein vor, mit 40 oftmals schon für Partner und Kinder. Später reduzieren womöglich Hauskredite oder Trennungskosten das verfügbare Einkommen und damit die Möglichkeit, regelmäßig Geld zurückzulegen.

Dass die Vorsorgestrategie, für die man sich in jungen Jahren entschieden hat, da oft nicht mehr passt, liegt auf der Hand. Eine regelmäßige Überprüfung mit einem Profi stellt sicher, dass Ziele und finanzielle Möglichkeiten immer wieder miteinander in Einklang gebracht werden.

So gibt’s die volle Förderung

Viele Sparer verschenken bares Geld, weil sie es versäumen, die staatlichen Zulagen abzurufen, die ihnen zustehen – oder weil sie die jährlichen Sparbeträge nicht genügend aufstocken. Bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) gilt: Maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze können vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen eingezahlt werden, das sind zurzeit 254 Euro monatlich oder 3048 Euro im Jahr – also rund 70 Euro mehr als 2016. Weitere 1800 Euro kann man zusätzlich steuerfrei drauflegen.

Bei Riesterverträgen muss der Sparer vier Prozent seines Vorjahresbruttos in den Vertrag stecken, um die Gesamtzulage einzustreichen, bei einem Gehalt von 50.000 Euro also 2000 Euro. Hiervon abzuziehen sind zurzeit 154 Euro für den Riester-Berechtigten, 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, und 300 Euro für jedes jüngere Kind. Ein Riestersparer mit zwei kleinen Kindern muss also 1246 Euro selbst aufbringen, der Staat stockt auf 2000 Euro auf. Wichtig: Bei Gehaltssprüngen sollte man den eigenen Beitrag erhöhen, um in den Genuss der vollen Förderung zu kommen.

Bei Rürupverträgen (Basisrente) lassen sich in diesem Jahr 84 Prozent der Beiträge steuerlich absetzen. Je höher die Einzahlung, desto höher die Steuerersparnis. Die Obergrenze liegt zurzeit bei 23.362 Euro für Alleinstehende und 46.724 Euro für Verheiratete, wenn diese zusammen veranlagt werden.

Drei-Punkte-Plan fürs Alter
Vor allem drei Punkte sollten spätestens alle paar Jahre betrachtet werden: Erstens: Wie hoch wird die gesetzliche Rente nach jetzigem Stand ausfallen? Und wie viel fehlt später, um auf zwei Drittel des jetzigen Nettogehalts zu kommen? So hoch sollten die Einkünfte mindestens sein, sagen Ruhestands­berater. Zweitens: Kann ich zusätzlich Module wie die betriebliche Altersversorgung (bAV) nutzen? Die Mehrheit der Arbeitgeber bietet ihren Beschäftigten Pensions­lösungen an, die steuerlich gefördert werden. Die Beiträge schmälern zwar das Bruttogehalt, schonen aber das Nettoeinkommen.

Allerdings schöpfen nur fünf Prozent aller Mitarbeiter die Entgelt­umwandlung vollständig aus. Die meisten nutzen sie gar nicht oder sparen zu wenig. Oft auch, weil sie vergessen, den Sparbeitrag bei Gehaltserhöhungen aufzustocken. Hier gilt: Nachlegen (siehe Kasten oben)!

Und drittens: Wie steht es ums private Sparen? Für regelmäßige Rücklagen eignen sich die flexible Privatvorsorge sowie die staatlich geförderte Riestervorsorge. Letztere nutzen längst nicht alle Berechtigten, obwohl sie bares Geld in Form von Zulagen einstreichen könnten. Allein die Zulagen und Steuervorteile sorgen in der Sparphase für ansehnliche Renditen.

Garantien kosten Rendite
Auch Rentenpolicen kommen für Vorsorger nach wie vor infrage. Sie bieten eine verlässliche Auszahlung und disziplinieren durch fixe Raten, das eigene Vorsorgeziel nicht aus dem Auge zu verlieren. Auf Zinsversprechen sollte man allerdings möglichst verzichten, empfiehlt Louisa Peggau: „Garantien kosten den Versicherten viel Rendite.“ Policen, bei denen der Großteil der monatlichen Prämie in Investmentfonds angelegt wird, bieten auf lange Sicht höhere und nachhaltigere Erträge als klassische Verträge. „Das verbessert die Chancen, die persönlichen Finanzziele im Alter zu erreichen“, so Peggau.

Stefan K. hat folgenden Plan aufgestellt: Den Altvertrag zu erhöhen, scheidet als Option aus, da der Versicherer nicht die alten Rechnungsgrundlagen garantiert, sondern nur die aktuellen, deutlich weniger attraktiven. Da K.s Gehalt gestiegen ist und er mittlerweile Frau und Kinder hat, wird er mit 50 Euro monatlich „riestern“, um die vollen Zulagen auszuschöpfen. Und den Termin für den nächsten Finanz-Check-up in einem Jahr hat er sich bereits in den Kalender eingetragen.

Von Melanie Kegel


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Wie lange geht die Party an den Börsen weiter? Drohen die Kurse einzubrechen? Wer seinen Vermögensaufbau strategisch angeht, kann gelassen in die Zukunft blicken

Anfang Mai gelang dem DAX ein seltenes Kunststück: An drei von fünf Tagen einer Börsenwoche schloss der Deutsche Aktienindex auf einem neuen Allzeithoch. Das erste Halbjahr 2017 geht gleich mit einem runden Dutzend DAX-Rekorden in die Geschichte ein. Die 30 größten Börsenwerte Deutschlands markieren unaufhörlich neue Bestmarken. Und auch anderswo in Europa und in den USA boomen die Märkte. Fast neun Jahre ist es mittlerweile her, seit die Börsen zum letzten Mal auf breiter Front einbrachen.

Die Euphorie an den Märkten sollte allerdings wachsam machen, meint Nassim Nicholas Taleb, einst Börsenhändler und heute renommierter Risikoforscher. Schließlich wolle kein Anleger enden wie der Truthahn zum Erntedankfest: Der bekommt im Laufe seines Lebens zwar immer mehr Futter – endet aber dennoch als Braten.

Tatsächlich ist die Liste potenzieller Gefahren für den Börsenboom lang: Eine unvorhergesehene Entscheidung des US-Präsidenten, ein Wiederaufflammen bewaffneter Konflikte, Rückschläge bei der wirtschaftlichen Erholung der Euro-Krisenländer – all dies könnte die Stimmung an den Märkten kippen lassen.

Nun dominieren unter den deutschen Anlegern seit jeher die Skeptiker: Jeder zweite hat laut einer Studie der Gothaer Versicherung Geld auf dem Sparbuch geparkt, jeder vierte setzt auf Tagesgeld – und verliert damit bares Geld (siehe Grafik unten). Die wenigen Wagemutigen hierzulande mit Aktien oder Investmentfonds im Portfolio (zurzeit gerade einmal jeder Sechste) fragen sich indes, ob sie sich nicht schleunigst von ihren Börsen­papieren trennen sollten.

Timo Timm sieht trotz der zunehmend fragilen Rahmenbedingungen für Anleger keinen Anlass, sich vom Kapitalmarkt zurückzuziehen: „Das größte Risiko, das Anleger derzeit eingehen können, ist, keine Risiken einzugehen“, warnt der Experte im Produktmanagement Investment bei Swiss Life Deutschland. Nur wie findet man nun das rechte Maß zwischen Sicherheit und Risiko? Und wo verläuft die Grenze zwischen Mut und Übermut?

Experten empfehlen zunächst eine nüchterne Bestandsaufnahme der eigenen Vermögenslage und Sparziele. Im zweiten Schritt lässt sich dann eine passende Investmentstrategie entwickeln, die Börsenschwankungen trotzt – und gleichzeitig mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ordentliche Rendite erwirtschaftet. Dafür ist nicht viel mehr nötig als ein Dreiklang aus Geduld, konsequentem Verhalten und einer möglichst breit gestreuten Geldanlage. Wer diese Leitsätze beachtet, investiert nicht nur auf Dauer erfolgreicher, sondern macht sein Portfolio auch unabhängiger von Marktschwankungen.


Üben, üben, üben Rund 600 Fensterputzer reinigen in New York die Wolkenkratzerfassaden. Bis in die 80er-Jahre hinein kümmerten sie sich kaum um ihre Sicherheit: Helme, Sicherungsgurte und -leinen waren die Ausnahme. Mittlerweile sind die Vorschriften strenger. So haben Gewerkschaften durchgesetzt, dass ein Fensterputzer vor seinem ersten Reinigungseinsatz 800 Stunden Training absolvieren muss.

 

Die Fotos zum Text zeigen, wie sich Menschen in Extremfällen absichern.


LEITSATZ 1: AUSDAUER BEWAHREN
Anleger brauchen einen langen Atem. Wer an der Börse heute einsteigt und ein paar Tage später wieder verkauft, kann zwar ordentliche Gewinne einfahren, aber auch jede Menge Geld verlieren: Sechs Prozent rauf, fünf Prozent runter – das ist als Wochenbilanz des DAX nicht untypisch.

Langfristig gleichen sich Schwankungen aus, und das Risiko, sein Anlageziel zu verfehlen, nimmt ab. Der DAX hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten durchschnittlich rund sieben Prozent pro Jahr an Wert gewonnen. Wer Ende der 1960er-­Jahre in deutsche Aktien investiert hat, konnte sein Vermögen in jeder Dekade verdoppeln und besitzt heute das 30-Fache seines Einsatzes. Franz-Josef Leven, stellvertretender Leiter des Deutschen Aktieninstituts (DAI), wirbt aus diesem Grund für langfristige Anlagestrategien: „Aktien laufen zwar nicht jedes Jahr gut, aber man sollte konsequent dabeibleiben.“ Er empfiehlt, Papiere mindestens zehn Jahre zu halten, um die gewünschte Rendite zu erzielen. Der Ratschlag gilt im Grundsatz auch für Besitzer von Fonds mit Aktienanteilen, bei denen Profis einen Blick auf die Kursentwicklung haben und immer wieder das Portfolio anpassen.

Vor allem der Zinseszinseffekt spielt geduldigen Anlegern in die Karten: Wer 1000 Euro in Aktien investiert, deren Wert in einem Jahr um zehn Prozent zulegt, besitzt danach auf dem Papier 1100 Euro. Steigt nun der Kurs im Folgejahr noch einmal um zehn Prozent, wird nicht nur der ursprüngliche Einsatz verzinst, sondern die gesamten 1100 Euro. Über 30 Jahre werden so aus 1000 Euro ohne weiteres Zutun 17.450 Euro – im Schnitt hat der Anleger also jedes Jahr fast ​550 Euro dazuverdient. Wird die jährliche Dividende, die einen nicht unbeträchtlichen Teil der Gesamterträge darstellt (siehe Grafik), reinvestiert, verstärkt dies den Effekt noch.

Durchhaltevermögen zahlt sich gerade in Zeiten aus, in denen die Kurse ins Taumeln geraten. „Eine grobe Faustregel besagt, dass der Wiederaufstieg stets zwei- bis dreimal so lange dauert wie der Fall“, sagt Leven. Nach Finanzkrisen, bei denen auch die DAX-Werte in Mitleidenschaft gezogen worden waren, dauerte es in der Regel zwischen zwei und sieben Jahre, bis die Kurse wieder das alte Niveau erreichten – im Rest Europas und in den USA war das nicht viel anders.


 

Dickes Fell Bei Außeneinsätzen tragen die Astro­nauten der Internationalen Raumstation (ISS) einen Raumanzug. Das zwölf Millionen Dollar teure Kleidungsstück besteht aus mehreren Schichten Textil, Kunststoff und Metall und schützt vor extremen Temperaturen, Mikrometeoriten sowie kosmischer und ultravioletter Strahlung. Außerdem stellt es lebensnotwendigen Sauerstoff bereit. Damit der Körper im Beinahevakuum des Weltraums nicht platzt, steht der Anzug unter Druck.


LEITSATZ 2: KONSEQUENT SEIN
Langfristig agierende Investoren müssen sich keine Gedanken darüber machen, ob sie den richtigen Zeitpunkt erwischt haben, um bei einem bestimmten Anlageprodukt einzusteigen. Entscheidend ist das Timing bloß für kurzfristig handelnde Spekulanten. Auf lange Sicht hat ein anderer Faktor viel größeren Einfluss auf das Anlageergebnis, nämlich Konsequenz. Wer sein Vermögen Stück für Stück aufbaut und regelmäßig dieselbe Summe zurücklegt, kann Börsentiefs nicht nur aussitzen, sondern sogar für sich nutzen: Fallen die Kurse, kauft man für sein Geld automatisch mehr (günstigere) Anteile, steigen die Kurse, erhält man weniger (teurere) Anteile. Anlagestrategen nennen dies „Cost-Average-Effekt“.

Dabei gilt es indes, eine trügerische Warnlampe im Hirn abzuschalten, die bei Verlustgefahr anspringt. Menschen neigen dazu, Entscheidungen zu meiden, die möglicherweise negative Folgen haben könnten, und behalten lieber den bisherigen Zustand bei – selbst wenn dieser kaum Vorteile verspricht. Das liegt daran, dass Verluste im Hirn etwa dreimal stärker wahrgenommen werden als Gewinne gleicher Größenordnung. Anders gesagt: Um einen (theoretischen) Verlust von 1000 Euro gefühlsmäßig auszugleichen, braucht es einen Gewinn von 3000 Euro.

Wer sich nicht von Angst leiten lässt, sondern konsequent durchspart, egal, wo die Kapitalmärkte gerade stehen, ist auf Dauer deutlich erfolgreicher in seinem Vermögensaufbau. „Selbst mit einem kleineren Geldbetrag bietet sich so eine gute Möglichkeit, über einen langen Zeitraum ein kleines Vermögen aufzubauen“, sagt Tanja Beller, Direktorin beim Bundesverband deutscher Banken.


 

 

Qualitätsware Bis in die 60er-Jahre bestanden Kletterseile meist aus Hanffasern, die schnell spröde werden und relativ leicht reißen. Moderne Seile werden aus Polyamid gefertigt und sind nach dem Kern-Mantel-Prinzip aufgebaut: Ein Mantel umschließt einen Kern aus verflochtenen Fasern und schützt diesen vor Beschädigung. Die Mindestfestigkeit von Kletterseilen ist genormt: Geprüftes Material trägt die CE-Kennzeichnung.


LEITSATZ 3: VERMÖGEN STREUEN
Bei der Geldanlage alles auf eine Karte zu setzen, birgt Gefahren. „Acht bis zehn verschiedene Werte im Portfolio sind empfehlenswert, um das Risiko zu streuen“, sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut.

Wie riskant es ist, sein Geld irgendwelchen Einzel­wetten auszusetzen, hat der US-Ökonom Harry M. Markowitz schon in den 1950er-Jahren untersucht. Der spätere Nobelpreisträger suchte nach Anlagestrategien, die bei möglichst ­geringem Risiko eine möglichst hohe Rendite abwarfen. Dabei zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang: Die durchschnittliche Wertschwankung gut gemischter Depots ist stets kleiner als die der einzelnen Papiere im jeweiligen Depot. Positive und negative Bewegungen einzelner Werte heben sich bis zu einem gewissen Maße gegenseitig auf. Je unterschiedlicher die Kurse einzelner Wertpapiere sich entwickeln, umso besser funktioniert die Methode.

Aus dem Motiv der Risikostreuung sind vor mehr als 240 Jahren Investmentfonds entstanden, über die Anleger in unterschiedliche Unternehmen, Branchen und Regionen investieren können. Fondsmanager mischen entweder Papiere einer bestimmten Anlageklasse (zum Beispiel Aktien) oder greifen auf Produkte aus verschiedenen Anlageklassen zurück. Die derzeit sehr beliebten Misch- beziehungsweise Multi-Asset-Fonds enthalten neben Aktien zumeist Anleihen und andere festverzinsliche Papiere und investieren oft auch in weitere Anlageklassen. Besonders gut zur Beimischung eignen sich Immobilien, deren Preisentwicklung nur wenig mit der anderer Anlageklassen korreliert. Wer Wertschwankungen in seinem Vermögen reduzieren will, kann zum Beispiel auf offene Immobilienfonds zurückgreifen, in denen mehrere Gebäude zu einem Portfolio zusammengefasst sind.

Wie und wo Anleger investieren sollten, hängt also weniger von den aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten ab als von der richtigen, langfristig ausgerichteten Strategie. Wer gut informiert eine Anlageentscheidung trifft und seiner Strategie treu bleibt, muss sich beim täglichen Blick auf die Börsenkurse keine Sorgen mehr machen.

Teuer oder billig?

Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren der Welt, prägte die wohl simpelste Regel für eine erfolgreiche Geldanlage: „Günstig kaufen, teuer verkaufen.“ Doch was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis schwierig. Denn wann ist zum Beispiel eine Aktie günstig? Zwei Kennziffern helfen bei der Bewertung:

Kurs-Gewinn-Verhältnis Die oft als KGV abgekürzte Kennzahl stellt den Börsenwert in Relation zum Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet. Ist eine Aktie für 100 Euro zu haben und fielen pro Aktie 5 Euro Gewinn an, liegt das KGV des Papiers bei 20. Je größer die Kennzahl, desto „teurer“ die Aktie beziehungsweise desto höher die Erwartungen der Investoren an künftige Gewinne. Das sogenannte Shiller-KGV vergleicht rückblickend die durchschnittlichen Kurse und Gewinne der vergangenen zehn Jahre. Mit seiner Hilfe können langfristig orientierte Anleger einschätzen, wie hoch einzelne Märkte bewertet sind. Das Shiller-KGV europäischer Aktien (MSCI Europe) lag in diesem Frühjahr ungefähr bei 17,0 – der Mittelwert seit 1980 beträgt rund 17,8.

Dividendenrendite Der Aktionär wird am Unternehmenserfolg beteiligt, und zwar in der Regel über Gewinnausschüttungen, also Dividenden. Die Dividendenrendite setzt die Ausschüttung ins Verhältnis zum Aktienkurs. Wird für eine Aktie zum Kurs von 100 Euro ein Gewinn von 5 Euro ausgeschüttet, beträgt die Dividendenrendite 5 Prozent. Im Frühjahr 2017 lag die Dividendenren­dite europäischer Aktien bei 3,3 Prozent – eventuelle Kursgewinne erhöhen die Gesamtrendite (siehe Grafik Seite oben).

 

Dreifache Sicherung Im Oktober 2012 ließ sich Felix Baumgartner mit einem Ballon in die Stratosphäre tragen – und sprang aus fast 39 Kilometern Höhe über dem US-Bundesstaat New Mexico ab. Bei seinem beinahe viereinhalbminütigen freien Fall durchbrach der Österreicher als erster Fallschirmspringer die Schallmauer. In 1600 Metern Höhe zog Baumgartner die Leine und schwebte an einem 25 Quadratmeter großen Schirm zu Boden. Sein Sicherungssystem enthielt zusätzlich einen Reserve- und einen Stabilisierungsschirm, die aber nicht zum Einsatz kamen.

Von Olaf Wittrock


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Warum eine Zimmervermietung über Airbnb teuer werden und Hundehalter entspannt Gassi gehen können: unsere aktuellen Finanz- und Steuertipps

NEBENVERDIENST
Untervermietung an Touristen kann teuer werden

Die Zimmervermietung über Airbnb und andere Plattformen ist eine lukrative Einnahmequelle vor allem für Großstädter, die hohe Mieten zahlen müssen. Aber Vorsicht: Wird die Unterkunft fast nur von Gästen bewohnt, droht ein Bußgeld. So musste ein Zahnarzt 4000 Euro Strafe zahlen, weil er seine Mietwohnung in der Münchner Innenstadt tageweise Fremden überlassen hatte. Er selbst ist dort nie eingezogen. Der Mann hat gegen die Zweckentfremdungssatzung der bayerischen Landeshauptstadt verstoßen. Auch andere Metropolen wie Berlin, Hamburg und Köln haben entsprechende Gesetze erlassen, um die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt zu entschärfen. Demnach dürfen Unterkünfte nicht ohne Erlaubnis in eine Ferienherberge umgewandelt werden. Das ist der Fall, wenn Mieter die Wohnung nicht überwiegend selbst bewohnen. Bei einem Verstoß drohen Geldstrafen bis zu 50.000 Euro (Az. 1112 OWi 238 Js 177226/16).


GIROKONTO
Versprochen ist versprochen

Viele, die einst ein Gratiskonto eröffnet haben, müssen neuerdings dafür zahlen. Immer mehr Banken und Sparkassen erheben wegen niedriger Zinsen für ihre Dienste Gebühren. Verbraucher können sich wehren, wenn das Geldinstitut damit ein Werbeversprechen gebrochen hat. So hat die Postbank Ende vergangenen Jahres Kunden zur Kasse gebeten, denen sie einst ein „für alle Zeiten“ kostenloses Konto angeboten hatte. Nun wurde die Bank von der Hamburger Verbraucherzentrale abgemahnt. Ist die Gebührenerhebung rechtens, bleibt den Kunden nur der Wechsel zu einem anderen Anbieter. Laut Verbraucherzentrale bietennoch einige Direktbanken Gratiskonten an.


Quelle: GfK-Umfrage unter 27.000 Internetnutzern in 22 Ländern, Auswertungsergebnis für Deutschland, 2016, Mehrfachnennung möglich

IMMOBILIE
Deutsche legen Wert aufs Äußere

Was würden Sie an Ihrem Zuhause gern verändern? Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat Bürger mehrerer Länder befragt. Die Deutschen würden am ehesten Garten und Grundstück verbessern. Im internationalen Durchschnitt bemängeln die Befragten am häufigsten Inneneinrichtung und Design. Die Wünsche von Mann und Frau unterscheiden sich dabei: Sie möchte vor allem Größe und Raumaufteilung verändern (31 Prozent), er will, dass es vorm Haus gut aussieht (28 Prozent). Für die Finanzierung großer und kleiner Veränderungswünsche sprechen Sie Ihren tecis-Berater an.


STEUERN
Aufgepasst: Fiskus spielt mit

Die Kosten für einen Babysitter können von der Steuer abgesetzt werden. Doch wie beurteilt es der Fiskus, wenn Oma, Freundin oder Nachbar aufs Kind aufpassen? Für das Finanzamt macht es keinen Unterschied, ob eine fremde Tagesmutter oder eine vertraute Person die Betreuung übernimmt. Bezahlen die Eltern Verwandte, Bekannte und Freunde für deren Dienste, werden auch diese Kosten als Sonderausgaben anerkannt, schreibt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe auf seiner Website. Steuerlich absetzbar sind seit dem Jahr 2012 auch Ausgaben für Krippe, Kindergarten und Hort sowie fürs Internat. Der Aufwand für Au-pair-Mädchen oder -Jungen – zum Beispiel Versicherungsbeiträge, Verpflegungskosten, Taschengeld oder Visagebühren – kann ebenfalls in der Steuererklärung angegeben werden. Kinderbetreuungskosten werden allerdings nur bis zu 4000 Euro pro Jahr und Kind anerkannt.


RENTE
Unterlagen aus der Lehrzeit aufheben

Für die Höhe der gesetzlichen Rente sind nicht nur die Beträge, sondern auch die Beitragsjahre entscheidend. Die Ausbildung zählt ebenfalls dazu. Im Zweifel muss die Zahlung von Rentenbeiträgen während der Lehrzeit laut Deutschem Anwaltsverein allerdings gesondert nachgewiesen werden. Daher ist es wichtig, entsprechende Belege aufzuheben. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Sozialgerichts Mainz (Az. S 10 R 511/14). Ein Mann wollte früher in den Ruhestand gehen. Allerdings hatte die Renten­versicherung seine abgebrochene Ausbildung zum Raum­ausstatter nicht anerkannt. Die während der Lehrzeit gezahlten Beiträge waren damals nicht gemeldet worden. Der Mann konnte keine Unterlagen vorweisen, und der Lehrbetrieb existiert nicht mehr.


VERSICHERUNG
Entspannt Gassi gehen

In Deutschland leben sieben Millionen Hunde, von denen die meisten artig sind. Doch auch gut erzogene Vierbeiner können Schaden anrichten, zum Beispiel vor lauter Angst den Tierarzt beißen oder Radfahrern vor den Lenker laufen. Egal, was die Hunde anrichten, die Besitzer müssen in der Regel dafür aufkommen – unabhängig vom eigenen Verschulden. Dagegen kann man sich mit einer Hundehalter-Haftpflicht schützen. Sie ist vergleichbar mit einer Privathaftpflicht. Die Versicherung übernimmt Kosten etwa für eine Arztbehandlung oder zahlt Verdienstausfälle. Sie schützt auch Familienangehörige, Freunde und Nachbarn, die auf den Hund aufpassen. Ihr tecis-Berater hilft Ihnen, die richtige Police zu finden.


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Babylons König Hammurapi stellte als Erster das Prinzip der modernen Haftpflichtversicherung auf

Die letzten Jahre seiner Herrschaft waren angebrochen, als König Hammurapi zu Beginn des 17. Jahrhunderts vor Christus in Babylon seine Rechtsordnung in Stein meißeln ließ. Hammurapi, der damals über fast das gesamte Mesopotamien herrschte, wusste genau, wie er für Frieden unter seinen Untertanen sorgen wollte. Ein zentraler Punkt: der Schutz privaten Eigentums. Heute ist die 2,25 Meter hohe Stele, auf der der Kodex in Keilschrift verewigt wurde, im Pariser Louvre ausgestellt.

Die Rechtsvorstellungen des Königs waren aus heutiger Sicht teils ziemlich drastisch: „Gesetzt ein Baumeister hat für einen Mann ein Haus gebaut, sein Werk aber nicht fest gemacht, und das Haus […] ist eingefallen und hat den Eigentümer getötet, so wird jener Baumeister getötet.“ Die 282 Paragrafen ordnen die altbabylonische Gesellschaft jedoch nicht nur nach dem Prinzip „Auge um Auge“, sondern folgen in vielen Punkten einem bis heute modernen Gedanken: Wer anderen einen Schaden zufügt, muss für diesen aufkommen – der Grundsatz jeder Haftpflichtversicherung.

Bauern, die angrenzende Felder beim Wässern beschädigten, mussten fortan ihren Nachbarn den Ernteausfall ersetzen, Werftbetreiber Lecks reparieren, die an einem von ihnen gebauten Schiff auftraten, und Hirten für Weideschäden ihrer Schafe aufkommen. Allerdings sollte es noch etwa 3600 Jahre dauern, bis ein Schwabe namens Carl Gottlob Molt die erste richtige Haftpflichtversicherung aufsetzte. 1874 hatte der gelernte Konditor den Allgemeinen Deutschen Versicherungsverein in Stuttgart gegründet. Neben Unfall-, Kranken- und Sterbekassenversicherungen entwickelte er bald die Privathaftpflicht.

Das Ziel: Unternehmer vor existenzbedrohenden Ersatzzahlungen zu schützen. Gegen Beiträge übernahm der Verein Regressforderungen gegen Mitglieder – bei einem Selbstbehalt von 25 Prozent der Schadenssumme.

Nach anfänglichen Zweifeln erkannten immer mehr Industrielle den Nutzen und traten der Versicherung bei, sodass der Eigenanteil im Schadensfall bald wegfiel. Molt dehnte die Haftpflichtversicherung immer weiter aus: Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren Kleingewerbetreibende, Haus- und Grundbesitzer, Mieter, Ärzte, Hotelbesitzer und Notare zu eigenen Tarifen versichert. Selbst der preußische Kronprinz Wilhelm und der spätere Reichspräsident Hindenburg traten Molts Verein bei. Familienpolicen folgten 1950. Von da an waren Ehepartner und minderjährige Kinder in Haftungsfällen mitversichert.

Von Kathinka Burkhardt

Fotos: iStock/AleksandarNakic (2)
Wer auch im Alter die Kosten einer privaten Krankenversicherung locker tragen möchte, kann mit sogenannten Entlastungstarifen einem allzu starken Beitragsanstieg vorbeugen. Das Beste daran: Einen Teil des Aufschlags übernehmen Arbeitgeber und Fiskus

„Für Privatpatienten wird es teuer“, titelt der „Berliner Tagesspiegel“ im Herbst 2016, „Beiträge steigen zweistellig“, warnt „Focus Online“. Es sind Berichte wie diese, die privat Krankenversicherte beunruhigen und die Frage aufwerfen, ob man auch die richtige Entscheidung getroffen hat. Tatsächlich kann es im Einzelfall bei einer privaten Krankenversicherung zu einem spürbaren Beitragssprung kommen. Da man in der Regel jedoch über viele Jahre und Jahrzehnte versichert ist, empfiehlt sich eine längerfristige Betrachtung. Im langfristigen Verlauf verteuern sich sowohl die private Krankenversicherung als auch die gesetzlichen Krankenkassen im Durchschnitt um etwa vier bis fünf Prozent pro Jahr.

Die privaten Assekuranzen können dabei – anders als die gesetzlichen Kassen – sogenannte Altersrückstellungen bilden, um dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen. So wird ein wesentlicher Anteil der Krankenversicherungsbeiträge in jungen Jahren angelegt. Damit sollen die steigenden Krankheitskosten im Alter aufgefangen werden. Den gesetzlichen Kassen, die diese Möglichkeit nicht haben, stehen durch den demografischen Wandel womöglich höhere Beitragssteigerungen ins Haus als den privaten.

Aber nicht nur die Altersrückstellungen sollen für stabile Beiträge im Alter sorgen. Weitere Faktoren halten einen Anstieg der Kosten im Alter in Grenzen. Dazu zählt der sogenannte gesetzliche Altersentlastungszuschlag. Diesen müssen seit 2000 die privaten Krankenversicherungen erheben. Versicherte zwischen dem 21. und 60. Lebensjahr zahlen auf ihren Tarif einen Zuschlag von zehn Prozent. Das Geld wird ebenfalls fest angelegt und soll mit Eintritt in die Altersrente eine weitere Beitragsverteuerung verhindern.

Zudem wird bei Renteneintritt ein gegebenenfalls heute mitversichertes Krankengeld überflüssig. Für Arbeitnehmer ist diese Absicherung unerlässlich, um eventuelle Einkommenseinbußen auszugleichen. Senioren bekommen dagegen unabhängig von der Krankheitsdauer ihre volle Rente. Der Wegfall des Beitrags fürs Krankengeld minimiert also ebenfalls den zu zahlenden Krankenversicherungstarif. Für Senioren, die eine gesetzliche Rente beziehen, gibt es eine weitere Möglichkeit, die eigene Beitragslast zu mindern. Sie können beim ­Rentenversicherungsträger einen Zuschuss zur privaten Krankenpolice beantragen. Das Geld steht ihnen zu.

Die privaten Krankenversicherer und der Gesetzgeber warten also mit einer Vielzahl von Sicherungsmaßnahmen auf, um die Krankenversicherung auch im Alter bezahlbar zu machen. Dazu zählt auch der gesetzlich verankerte ­Basis- beziehungsweise Standardtarif. Er entspricht den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und darf dabei nicht teurer sein. Diese Regelung soll ebenfalls dafür sorgen, dass kein Privatversicherter von den Ausgaben für seinen Schutz überfordert wird.

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Alternativen im Blick Die Kürzung von Leistungen sollte gut überlegt sein, weil sie später oft nicht wieder aufgenommen werden können

Trotz aller Maßnahmen empfiehlt es sich, zusätzlich durch eigene Vorsorge die Beiträge im Alter weiter zu minimieren. Selbst wenn man dank einer privaten oder betrieblichen Altersvorsorge finanziell gut dasteht, möchte sich niemand um die Höhe seiner Krankenversicherungskosten Gedanken machen. Helfen können hierbei sogenannte Beitragsentlastungstarife, die von den meisten privaten Krankenversicherern angeboten werden.

Vereinfacht gesprochen, zahlt man heute freiwillig etwas mehr, um später weniger zu zahlen. Je nach Anbieter sind sowohl monatliche Sparbeiträge als auch Einmalzahlungen möglich. Zum Beispiel können Beitragsrückerstattungen aus der eigenen Krankenversicherung angelegt werden. Das gesparte Geld soll mit Eintritt ins Rentenalter die Kosten verringern.

Jeder Versicherte entscheidet also selbst, wie hoch die Entlastung im Alter sein soll. Dabei gilt, wie bei allen Sparformen, dass sich der Vorteil des Zinseszinseffektes dann besonders bemerkbar macht, wenn man früh mit dem Sparen beginnt. Der große Vorteil für Angestellte: Auch der Arbeitgeber beteiligt sich an den Sparbeiträgen. Der Zuschuss beträgt bis zu 50 Prozent und maximal 317,55 Euro pro Monat. Er gilt für die Krankenversicherung inklusive Beitragsentlastungstarif.

Für alle Privatversicherten gilt darüber hinaus der enorme Steuervorteil der Beitragsentlastungstarife: Denn die Ausgaben dafür sind steuerlich voll abzugsfähig. So profitieren auch Selbstständige und sogar Beamte von diesen Tarifen. Die spätere monatliche Zahlung zur Entlastung ist dabei steuerfrei. Kein Sparprodukt wird also so umfänglich gefördert.

Doch wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten: Denn man kann nicht auf „sein Erspartes“ zugreifen. Sollte man den privaten Krankenversicherungsschutz zum Beispiel durch einen Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse aufgeben müssen, lässt sich nur ein Teil des gebildeten Vermögens retten, wenn man sich dieses auf ergänzende Zusatzversicherungen anrechnen lässt.

Zudem müssen die Beiträge für die Altersentlastungstarife bei einer Vielzahl der Anbieter über die gesamte Vertragslaufzeit geleistet werden, was die monatliche Entlastung um den jeweiligen Sparanteil vermindert.

Fazit: Die private Krankenversicherung ist fit für die Zukunft und für den demografischen Wandel gerüstet. Sie wird durch eigenes Engagement noch sicherer.

Von Henrico Sobczak

Abspecken oder aussteigen?
Übersteigt der Beitrag für die private Krankenversicherung die finanziellen Möglichkeiten, können Kunden im Notfall Leistungsumfang und Kosten ihrer Police reduzieren.

Wenn der Beitrag zur privaten Krankenvollversicherung die finanziellen Möglichkeiten zu stark strapaziert, können Kunden gegenhalten. Der Weg in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur in Ausnahmefällen möglich und vom 55. Lebensjahr an in der Regel ganz verbaut. Dennoch lässt sich die Belastung senken. Betroffene sollten prüfen, ob sie zum Beispiel bei Zusatzleistungen Abstriche machen können. „Nahezu alle Versicherer haben Tarifalternativen im Programm, die man prüfen kann“, sagt der Krankenversicherungs-Experte bei Swiss Life Deutschland, Jens-Uwe Scherf. Kunden sollten den Schutzumfang allerdings mit Augenmaß reduzieren, denn einmal abgewählte Leistungen können später nicht ohne Weiteres wieder aufgenommen werden. Der Wechsel in den Basistarif, den private Krankenversicherungen seit einigen Jahren anbieten müssen, oder gar in den Notlagentarif sollte erst der allerletzte Schritt sein, mahnt Scherf. „Damit werden die Leistungen drastisch eingeschränkt.“


Welche Möglichkeiten Ihnen bei Ihrer privaten Krankenversicherung zur Verfügung stehen und wie Sie davon profitieren können, verrät Ihnen gern Ihr Berater. Unser Kunden-Service-Center steht Ihnen für weitere Informationen zur Verfügung.
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