Finanzratgeber

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Wie können Immobi­lien­käufer von den historisch nied­rigen BAUZINSEN profitieren – bevor diese wieder anziehen? Drei Fälle, drei Strategien.

Die aktuell niedrigen Bauzinsen freuen Kreditnehmer. Doch selbst vorsichtige Experten der großen Finanzierungsanbieter warnen, dass die Zeit der günstigen Darlehen zu Ende gehen könnte. Anzeichen für steigende Zinsen gibt es einige: In den USA hat die Zentralbank Federal Reserve ihre Leitzinsen bereits zweimal angehoben, auf einen Korridor von 1 bis 1,25 Prozent. Eine dritte Erhöhung ist bereits angekündigt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt bislang zwar bei ihrer extremen Niedrigzinspolitik. Zu einer Anhebung der Sätze konnte sich Notenbankchef Mario Draghi noch nicht durchringen. Bis mindestens Ende Dezember wird die EZB zudem Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen stecken. Klar ist jedoch, dass diese Politik nicht mehr lange weitergeführt werden kann. Und der langjährige Vergleich zeigt, in welche Regionen die Zinsen zurückkehren könnten (siehe Grafik). Wer sich die günstigen Zinsen von heute langfristig sichern will, hat unterschiedliche Optionen – je nachdem, in welcher Phase seines Kredit- oder Bauvorhabens er sich befindet.

Fall 1: Finanzierung läuft bereits
Bauherren, die seit einigen Jahren im eigenen Haus wohnen, genießen bereits die Früchte ihrer Baufinanzierung und freuen sich über ihr Haus oder ihre Wohnung. Sie fragen sich allerdings, wie sie die Kosten für die Anschlussfinanzierung möglichst gering halten können. Steigen die Zinsen in den kommenden Jahren, kann dies zu einer empfindlichen Anhebung der Monatsraten führen (siehe Rechenbeispiel).

„Gerade bei älteren Darlehen mit relativ hohen Zinssätzen macht es Sinn, hier durch Sondertilgungen die Darlehensschuld zu reduzieren, sofern der bestehende Kreditvertrag dies zulässt. Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass man nicht sein gesamtes Kapital einbringt, um Zinsen zu sparen. Sondern dass auch immer ein ausreichende finanzielle Rücklage verbleibt, um auch für unvorhergesehene Lebenssituationen gerüstet zu sein. So hält man sich finanziell flexibel“, sagt Thorsten Sagmüllner, Baufinanzierungsexperte bei Swiss Life Deutschland. Je kleiner der Kredit für die Anschlussfinanzierung, desto niedriger die Kosten.

Eine Erbschaft, Bonuszahlungen oder die Kapitalauszahlung aus einer Lebensversicherung eignen sich hervorragend, um die Restschuld zu reduzieren. In die Baufinanzierung gesteckt, sind sie angesichts der derzeitigen Niedrigzinsen auf Guthaben zugleich die beste Anlage.

Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung lassen sich Forwarddarlehen abschließen: Mit deren Hilfe können Kreditnehmer heute schon festlegen, wie hoch der Zinssatz bei der Umschuldung oder einer vorzeitigen Zinsanpassung sein wird. Je länger die Vorlaufzeit, desto höher allerdings der Zinsaufschlag.

Jeder, der seine bestehende Baufinanzierung vor dem Ende der vereinbarten Zinsbindung beenden möchte, muss eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung an den Darlehensgeber zahlen. Die bemisst sich an der Restschuld, der restlichen Laufzeit, den vereinbarten Zinsen und dem Zinssatz, zu dem die Bank das zurückgezahlte Geld anlegen kann. Hier sollte jeder mit spitzem Bleistift nachrechnen, ob die niedrigen Zinsen einer Umschuldung diese Kosten wettmachen. In der heutigen Zeit gibt es jedoch nur noch wenige Bankinstitute, die ihre Kunden aus den laufenden Darlehensverträgen entlassen – selbst, wenn man bereit ist, die Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen.

Hat das Darlehen eine Zinsbindung von mehr als zehn Jahren, kann der Kreditnehmer allerdings nach Ablauf von zehn Jahren nach vollständiger Auszahlung der Kreditsumme jederzeit mit einer Frist von sechs Monaten aus dem Vertrag aussteigen – ganz ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

„Ein Ende des Immobilienbooms ist nicht in Sicht. Allerdings stellen wir fest, dass die Kunden bei ihrer Baufinanzierung sicherheitsbewusster geworden sind, weil sie langfristig mit steigenden Zinsen rechnen. So liegt der durchschnittliche Tilgungssatz bei Darlehen der Commerzbank mit mehr als vier Prozent auf hohem Niveau. Es wird mehr Eigen­kapital eingebracht, und viele Kunden sichern sich die niedrigen Zinsen heute durch ein Forwarddarlehen.“

Marcus Wetzel, Leiter Produktmanagement Baufinanzierung & Digitalisierung, Commerzbank AG

Fall 2: Baufinanzierung jetzt
Wer kurz davor steht, eine Immobilie zu erwerben, kann mit dem aktuellen Niedrigzinsniveau kalkulieren. Das sind erst einmal sehr gute Voraussetzungen. Aber auch hier ist es wichtig, an die Zukunft zu denken. So liegt es nahe, gleich die gesamte Kaufsumme mit einem einzigen Darlehen zu bestreiten, dessen Raten, Zinssatz und Entschuldungstermin bereits heute feststehen. Sogenannte Volltilgerdarlehen ermög­lichen diese Planungssicherheit. So geht’s:

Bei Volltilgerdarlehen handelt es sich um lang laufende, klassische Annuitätendarlehen. Die Raten sind so berechnet, dass nach Ablauf des Vertrags der Kredit komplett zurückgezahlt ist.

Hierbei wird der Zinssatz über die Dauer der gesamten Laufzeit fest vereinbart. Heute sind bei einigen Bankhäusern Volltilgermodelle mit 30 Jahren Zinsbindung möglich – mit moderater Ratenhöhe. Man hat Zinssicherheit über die gesamte Dauer der Finanzierung und ist nach 30 Jahren schuldenfrei. Der Tilgungssatz ergibt sich hier aus der gewählten Laufzeit des Darlehens. Denn auch kürzere Laufzeiten – zum Beispiel 15 oder 20 Jahre sind ohne weiteres möglich. Auch dies kann bei kleineren Darlehen durchaus Sinn machen.

Bei Annuitätendarlehen verändert sich im Zeitablauf das Verhältnis zwischen Zinsen und Tilgung. Während die monatliche Rate immer gleich bleibt, schrumpft der Zinsanteil, und der Tilgungsanteil steigt an. Ferner gilt bei Annuitätendarlehen: Lange Zinsbin­dungs­fristen, Sondertilgungsoptionen und die Vereinbarung von Tilgungssatzwechseln machen diese Finanzierungsinstrumente flexibel und langfristig günstig. Die Konditionen zwischen den unterschiedlichen Baufinanzierern variieren stark. tecis prüft für seine Kunden die Angebote von mehr als 430 Kreditgebern und ermittelt individuell die günstigste Option.

Fall 3: Finanzierung in der Zukunft
Wer mit dem Gedanken spielt, erst in einigen Jahren eine Immobilie zu erwerben, hat eine klare Aufgabe: Eigenkapital bilden! Je mehr davon der Kreditnehmer in die Finanzierung einbringt, desto geringer fällt die Beleihung der Immobilie aus. Das Risiko für die Bank ist kleiner – was mit günstigeren Kreditkonditionen belohnt wird. Werden beispielsweise statt 80 nur 60 Prozent eines Hauses oder einer Wohnung beliehen, verbilligt sich die Finanzierung erheblich. Selbst sehr geringe Unterschiede in der Stelle hinterm Komma können auf lange Sicht zu mehreren Tausend Euro Einsparungen führen.

Da festverzinsliche Anlagen wie Fest- und Tagesgeld derzeit kaum Rendite abwerfen, bieten sich für den Vermögensaufbau in vielen Fällen Investmentfonds an. Je nach Zeithorizont und Anlegerprofil können unterschiedliche Fonds geeignet sein.

Von Christian Mascheck


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*Hinweis: Die Inhalte wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann trotzdem nicht übernommen werden. Die aufgeführten Angaben dienen lediglich zu Informationszwecken. Sie begründen weder ein Angebot noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Produkten, zur Durchführung von Transaktionen oder zum Abschluss von anderen Rechtsgeschäften. Einzelheiten zu Produkten entnehmen Sie bitte dem Produktinformationsblatt des jeweiligen Produktanbieters.

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Wie Sie bei Kfz- und Krankenversicherungen profitieren und gute Mischfonds finden, verraten wir unter anderem in unseren aktuellen Finanz- und Steuertipps.

TASCHENGELD
Jungen bekommen mehr als Mädchen

Fangen die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern schon in der Jugend an? Eine aktuelle Umfrage unter 2000 Kindern und Erziehungsberechtigten legt diesen Schluss nahe: Demnach erhalten Jungen im Vorschulalter durchschnittlich 20 Euro pro Monat, Mädchen hingegen nur 17 Euro. Bei 13-Jährigen betragen die Summen 44 Euro bei Jungen und 41 Euro bei Mädchen. Diese Zahlen sind ein Ergebnis der „Kinder-Medien-Studie 2017“ von sechs Verlagen, die Jugendzeitschrif­ten herausgeben. Eine weitere erstaunliche Erkenntnis: Kinder bis 13 Jahre ziehen vielfach gedruckte Medien digitalen Angeboten vor.


KRANKENVERSICHERUNG
Beitragsersparnis nutzen

Vor Weihnachten kommt bei den 113 gesetzlichen Krankenkassen der Verwaltungsrat zusammen, um darüber zu beschließen, welche Zusatzbeiträge im neuen Jahr erhoben werden. Zurzeit liegen die Aufschläge auf den allgemeinen Beitragssatz (14,6 Prozent des Bruttoeinkommens) zwischen 0,3 und 1,8 Prozentpunkten. Bei Erhöhungen räumt der Gesetzgeber Mitgliedern zwar ein Sonderkündigungsrecht ein. Manchmal ist allerdings Eile geboten: Krankenkassen müssen eine Beitragserhöhung erst einen Monat im Voraus bekannt geben – und die Kündigung muss bis zum Inkrafttreten erfolgen. Die Ersparnis beim Monatsbeitrag lässt sich häufig nutzen, um den Versicherungsschutz im Krankheitsfall zu verbessern. Manuel Bauzan-Perez, Krankenversicherungsexperte bei Swiss Life Deutschland, rät gesetzlich Kranken­versicherten dazu, vor allem eine Zahnzusatzpolice und eine Auslandsreisekrankenversicherung abzuschließen.


INVESTMENTFONDS
Beliebte Mischung

Mischfonds sind die Favoriten deutscher Anleger. Von Anfang Januar bis Ende Juni 2017 flossen den Allroundern laut Statistik des Branchenverbands BVI 18,8 Milliarden Euro zu. Vor allem „ausgewogene“ Mischfonds mit einem etwa gleich hohen Aktien- und Anleihenanteil sind gefragt. Unterm Strich investierten Sparer in diesem Zeitraum 36,4 Milliarden Euro in Produkte der Mitgliedsfirmen. Niedrig verzinste Geldmarktfonds und wertgesicherte Fonds, bei denen eine Mindestauszahlung garantiert wird, liegen in der Gunst hinten. Insgesamt zogen Privatinvestoren im ersten Halbjahr 900 Millionen Euro aus Produkten dieser beiden Kategorien ab. Die Fondsgesellschaften insgesamt verwalteten per Ende Juni 2017 nach Angaben des BVI ein Vermögen von 2900 Milliarden Euro.


HAUSRAT
Hochsaison für Langfinger

Nach einer Studie des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schlagen Einbrecher bevorzugt zwischen Oktober und März zu. Die Hausratversicherung kommt für Einbruchschäden auf. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte in seiner Police den Verzicht auf grobe Fahrlässigkeit mit aufnehmen lassen. Zwar steigt der Beitrag um rund zehn Prozent, dafür kommt die Versicherung auch dann für Schäden auf, wenn etwa die Wohnungstür nicht abgeschlossen oder ein Fenster auf Kipp war. Um der Gefahr einer Unter­versicherung zu entgehen, sollte gemeinsam mit einem ­Berater eine Versicherungssumme pro Quadratmeter Wohnfläche ­geschätzt werden.

KRANKENVERSICHERUNG II
Heute zahlen, später sparen

Wer sich im Alter keine Gedanken um die Kranken­versicherung machen möchte, sollte rechtzeitig etwas zur Finanzierung steigender Beiträge zurücklegen. Kunden in der privaten Krankenversicherung (PKV) profitieren von einer speziellen Vorsorgelösung, dem Beitragsentlastungstarif. Der Versicherte zahlt dabei heute freiwillig etwas mehr, um später weniger zu zahlen. Je früher man beginnt, den Puffer aufzubauen, desto niedriger ist der Aufschlag. Der Vorteil für Angestellte: Auch der Arbeitgeber beteiligt sich an den Spar­beträgen. Der Zuschuss beträgt bis zu 50 Prozent und maximal 317,55 Euro pro Monat. Die zusätzlichen Ausgaben sind zudem steuerlich abzugsfähig.


KFZ-VERSICHERUNG
Police für den Lückenschluss

Wer einen Neuwagen finanziert, sichert sein Fahrzeug für gewöhnlich mit einer Vollkaskoversicherung ab. Sollte es in der Finanzierungsphase zu einem Unfall mit Totalschaden oder einem Diebstahl kommen, zahlt zwar die Versicherung – allerdings nur den Zeit- und nicht den Neuwert des Wagens. Gleichzeitig laufen Finanzierung beziehungsweise Autokredit weiter. Damit der finanzielle Schaden nicht allzu groß ist, gleicht die sogenannte GAP-Zusatzversicherung die Lücke (engl.: Gap) zwischen Neu- und Zeitwert des Fahrzeugs aus. Vor allem Fahranfänger und Neuwagenbesitzer sollten sich wegen der erhöhten Unfallhäufigkeit entsprechend zusätzlich versichern.

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Nachhaltige Geldanlage muss nicht zulasten der Rendite gehen. Im Gegenteil: Verantwortungsvoll wirtschaftende Firmen sind oft erfolgreicher als die Konkurrenz. Davon können Anleger profitieren.

Im Wald ist die Sache einfach: Man darf stets nur so viel Holz schlagen, wie an anderer Stelle nachwächst. Das Prinzip der „Nachhaltigkeit“ kennt die Forstwirtschaft seit Jahrhunderten. Seit Kurzem hat es auch die Fi­nanzbranche für sich entdeckt. EU-Regeln fordern, dass die Produkte von Banken und Fondsgesellschaften langfristigen Zielen dienen und nicht bloß dem flotten Gewinn. Investoren sollen verantwortungsbewusster agieren und Anlage­produkte für den Verbraucher transparenter werden, so fordern es Finanz­markt­richt­linien wie MiFID II und Basel III.

Bei Anlegern fallen diese Initiativen auf fruchtbaren Boden: Rund 90 Prozent der Bundesbürger sagen laut GfK-Umfragen, sie versuchten, nachhaltig zu leben, und 60 Prozent würden das auch gern auf Finanzdinge übertragen. Sie wüssten gern genauer, in welche Unternehmen ihr Geld investiert wird. Jeder Dritte gibt an, er habe großes Interesse an ethisch einwandfreien Anlageprodukten. Das spiegelt die klassische Bedürfnispyramide wider: In weniger entwickelten Volkswirtschaften stehen Themen wie Bergbau, Energie oder Nahrungsmittel stärker im Fokus. Je mehr aber konsumiert wird, desto eher fragen Investoren: Wo kommen die Produkte her? Und wie werden sie produziert?

Längst bemühen sich Pensionskassen und Versicherungen, Kundengelder in verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmen zu stecken. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen müssen sie ihren Anlegern genauer Rechenschaft über ihre Investments ablegen. Zum anderen setzt sich die Erkenntnis durch, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig eine attraktive Anlage sind. „Nachhaltigkeit geht nicht zulasten der Rendite, sondern kann sie vielmehr steigern“, sagt Timo Timm, Produktmanager Investment bei Swiss Life Deutschland. Der Dow Jones Sustainability World Index, der die Kursentwicklung verantwortungsbewusst agierender Unternehmen weltweit misst, kletterte in den vergangenen fünf Jahren um immerhin rund 40 Prozent.

Die Standards steigen

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei der Geldanlage ist kaum mehr aufzuhalten. Seit diesem Jahr müssen alle börsennotierten Unternehmen ausführlicher darlegen, welche Umwelt- und Sozial­standards sie einhalten. Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (im Finanzjargon „ESG“ abgekürzt) entwickeln sich zu Standardkriterien bei der Geldanlage.

Das verleiht dem Geschäft zusätzlichen Schub: Allein im deutschsprachigen Raum werden bereits rund 240 Milliarden Euro nach ESG-Kriterien angelegt, so der Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) – rund doppelt so viel wie 2014. Früher orientierten sich an diesen Maßstäben fast ausschließlich Ökofonds, die zum Beispiel in Wind-, Wasserkraft- oder Solarunternehmen investierten. Heute richten sich jede Menge „normaler“ Fonds danach aus. Europaweit tragen mehr als 1350 Produkte das Label „nachhaltig“. Doch ist da wirklich überall nur Grünes und Gutes drin?

Neue Regeln verpflichten börsennotierte Unternehmen klarer offenzulegen, welche Standards sie in puncto Ökologie, Soziales und Unternehmensführung erfüllen

Nur die Klassenbesten

Will ein Anleger ausschließlich in Ökologie und Soziales investieren, bietet sich ein sogenannter Themenfonds an. Er sollte sich allerdings bewusst sein, dass er sich in eine sehr enge und somit riskante Nische begibt. Man denke nur an die jüngsten Pleiten von Solarfirmen oder Windparks.

Oder möchte er generell Firmen unterstützen, die sich um Umwelt und Gesundheit verdient machen, etwa Elektroautobauer, Naturkosmetik- oder Bio­lebensmittel­produzenten? In diesem Fall sind Ökofonds das Richtige. Sie machen rund fünf Prozent aller Produkte am Markt aus und werden von Gesellschaften wie Ökoworld, Sarasin, Triodos oder Kepler angeboten. Sie legen klar fest, welche Aktien außen vor bleiben. Sarasin etwa verzichtet auf Investments in „Unternehmen, die mehr als fünf Prozent des konsolidierten Umsatzes in Bereichen wie Kernenergie, Rüstungs­güter oder Tabakwaren erwirtschaften“. Bei anderen Anbietern sind Nahrungs­mittelspekula­tion, Fracking oder industrielle Tierhaltung tabu.

Will der Anleger dagegen eine möglichst breite Aktienauswahl nutzen, sollte er Fonds ins Auge fassen, die dem Best-in-Class-Prinzip folgen. Diese investieren in alle möglichen Branchen, allerdings stets in Firmen, die nachhaltiger wirtschaften als die Konkurrenz. So belasten Waschmittel zwar die Umwelt. Der Produzent kann jedoch Wälder aufforsten, Pulver für niedrige Waschtemperaturen entwickeln oder hohe Standards bei der Mitarbeiterführung haben – so wie die Firma Henkel.

Auch ein Elektrogerätehersteller kann nachhaltig agieren, wenn er beispielsweise sparsame Fernseher oder Staubsauger entwickelt – so wie Philips. Meist wirtschaften solche Klassenbesten auch besonders profitabel. „Wer langfristige Ziele verfolgt, setzt oft auf innovative Technik – und ist dadurch besonders fit für die Zukunft“, sagt Swiss Life Deutschland-Experte Timm.

Gewissen und Gewinn sind zwei Seiten derselben Medaille, meint auch Rolf D. Häßler vom Institut für nachhaltige Kapitalanlagen in München. Orientieren sich Unternehmen an ESG-Kriterien, wirke sich das positiv aus. Mehr als 2200 Untersuchungen dazu hat die Universität Hamburg ausgewertet: Die weit überwiegende Mehrheit der Studien wies nach, dass nachhaltige Strategien einen neutralen oder positiven Einfluss auf die Rendite haben. Eine aktuelle Auswertung der Rating­agentur Morningstar zeigt das ebenfalls: Firmen mit hohen ESG-Standards verbrauchen häufig weniger Ressourcen und produzieren weniger Skandale. Das hebt ihr Image und sorgt langfristig für mehr Stabilität. Auch im Depot.

Nachhaltig wirtschaftende Firmen sind häufig innovativer als die Konkurrenz – und erzielen mehr Gewinn

 

Es hängt vom Manager ab

„Vermögensbildung nach ökologisch-ethischen Grundsätzen hat nichts mit Gutmenschentum zu tun“, sagt Alfred Platow, Gründer der Investment­gesellschaft Ökoworld, die seit 21 Jahren mit dem Fonds Ökovision am Markt ist. „Ethisch geführte Unternehmen haben bessere Chancen, längerfristig stabil zu wachsen“, heißt es bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser, die 1995 den ersten Ethikfonds auf den deutschsprachigen Markt brachte.

Einige aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds haben in den letzten fünf Jahren den Vergleichs­index abgehängt. Eine Garantie auf solche „Überrenditen“ gebe es allerdings nicht, mahnt die Frankfurt School of Finance & Management: Die Performance hänge letztlich vom Manager ab – und dessen Kon­trolleuren. Bei guten Fondsanbietern entscheidet ein unabhängiges Ethikkomitee, welche Aktien überhaupt gekauft oder gehalten werden dürfen. Bei Öko­world bilden elf Mitglieder diesen Ausschuss, bei Hauck & Aufhäuser kümmert sich darum ein siebenköpfiges Komitee, das unter anderem mit drei Ethikprofessoren besetzt ist. Sie bilden laut Firmenangaben das „stellvertretende Gewissen der Anleger“, das für nachhaltiges Wachstum der Kundengelder sorgen soll.

von Melanie Kegel


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Illustration: Mario Wagner
Einen Lebensabend ohne Geldsorgen wünscht sich jeder. Statt für die ALTERSVORSORGE teure Garantien abzuschließen, sollten Sparer jedoch die Zeit für sich arbeiten lassen und Chancen am Kapitalmarkt nutzen – das gilt auch für Rentner.

Es kommt selten vor, dass man den Eindruck gewinnt, ein Gesetz passe genau in die Zeit. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz ist eine dieser Ausnahmen gelungen. Die neuen Bestimmungen zur betrieblichen Altersversorgung (bAV), die im Juli den Bundesrat passierten und zum Jahreswechsel in Kraft treten, bedeuten zwar keine Revolution. Im Kleinen könnten sie dennoch zum großen Wurf werden: Erstmals erlaubt der Gesetzgeber Betriebsrenten ohne garantierte Mindestleistungen.

Moment! Der Verzicht auf eine Garantie soll Fortschritt bringen? Wie kann das sein?

Um das zu verstehen, gilt es zunächst, Art und Umfang der Garantien näher zu betrachten: Bislang musste allein der Arbeitgeber für die Betriebsrente seiner Angestellten geradestehen. Selbst wenn in der Praxis meist Versicherungen im Auftrag der Firma das Geld der Mitarbeiter verwahrten und vermehrten, war im Zweifel stets der Chef haftbar. Diese Garantie verhindert nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums eine weitere Verbreitung der betrieblichen Vorsorge. Zuletzt stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die eine Betriebsrente erwarten können, nur noch geringfügig. Dies soll sich nun ändern: Einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften im Tarifvertrag auf das neue Modell, können sie sogenannte Zielrenten vereinbaren. Die werden angestrebt, ihre Höhe ist aber nicht garantiert. Dafür bieten sie langfristig bessere Renditechancen.

Die Gesetzesnovelle bringt noch einige weitere Neuerungen: Wandeln Angestellte Gehalt in eine Betriebsrente um, müssen Arbeitgeber 15 Prozent dazugeben. Außerdem erhalten Chefs vom kommenden Jahr an 30 Prozent Zuschuss vom Staat, wenn sie Mitarbeitern mit einem Monatseinkommen von höchstens 2200 Euro jährlich 240 bis 480 Euro Zulage zur Betriebsrente gewähren. Ein weiteres Plus für Geringverdiener: bAV-Leistungen werden nicht mehr vollständig mit der Grundsicherung im Alter verrechnet. Eine Garantie, wie sie bislang üblich war, klingt zwar vorteilhaft, erweist sich zurzeit jedoch als eine der größten Gefahren für Sparer. „Sichere Erträge gleichen in dieser Ära der Niedrigzinsen nicht einmal die jährliche Geldentwertung aus“, sagt Klaus Tönnishoff, Spezialist für betriebliche Altersversorgung bei Swiss Life Deutschland. „Wer Renditechancen nutzen will, sollte sich Verträge mit abgesenkten Garantien oder Zielrenten anschauen.“

Moderne Rentenpolicen senken das Garantieniveau ab, damit mehr Geld in renditestarke Aktienanlagen investiert werden kann

Weniger versprechen, mehr leisten

Rafael Krönung, Versicherungsmathematiker beim Beratungsunternehmen Aon Hewitt, hält die Kosten von Garantien mittlerweile für viel zu hoch: „Wenn anstelle einer garantierten Rente von 200 Euro eine nicht garantierte Rente von 400 Euro möglich ist, werden Arbeitnehmer ins Grübeln geraten, ob ihnen die zusätzliche Sicherheit wirklich 200 Euro wert ist.“ Unterschiede in dieser Größenordnung hält er für durchaus realistisch, wenn Versicherer nicht mehr extrem vorsichtig kalkulieren müssen, sondern „auf Basis vernünftiger langfristiger Erwartungen“ rechnen können.

Garantierte Renten sind also mit großer Sicherheit deutlich niedriger als Renten, die mithilfe des Kapitalmarkts erzielt werden. Das gilt nicht nur für die bAV, sondern auch für jede private Rentenversicherung. Wer eine attraktive Zusatzversorgung im Alter anstrebt, kommt nicht umhin, sich mit Produkten zu befassen, die weniger versprechen und – voraussichtlich – mehr leisten.

Eine Studie der Finanzwissenschaftler Olaf Stotz und Maximilian Renz von der Frankfurt School of Finance & Management aus dem Frühjahr 2017 zeigt, wie teuer es für Sparer inzwischen ist, auf den unbedingten Erhalt der Beiträge zu pochen, die sie in eine Rentenpolice einzahlen. Dazu simulierten die Forscher den langfristigen Ertrag am Beispiel einer 25-jährigen Anlegerin, die bis zu ihrem Renteneintritt mit 67 Jahren jeden Monat 50 Euro zurücklegt, in 42 Jahren also 25.200 Euro einzahlt. Bei der Anlage in eine Versicherung mit 100-Prozent-Schutz ihrer Beiträge konnte sie Ende des Jahres 2016 mit rund 80.000 Euro Endvermögen rechnen. Eine Anlegerin, die das Geld stattdessen vollständig in Aktien investiert hätte, wäre im Schnitt mit etwa 240.000 Euro in Rente gegangen, also der dreifachen Summe.

Der Grund: Damit die Beiträge garantiert werden können, fließt der größte Teil des Geldes in sichere Anlagen wie Staatsanleihen. Damit lassen sich allerdings inzwischen so gut wie keine Erträge mehr erwirtschaften. „Ein Verzicht auf die Garantie könnte das Altersvorsorgevermögen deutlich schneller wachsen lassen, ohne dabei das Risiko signifikant zu erhöhen“, sagt Stotz.

Über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten ist das Risiko, mit Aktienanlagen Geld zu verlieren, nämlich extrem gering: Aus Sicht der 25-Jährigen im Beispiel liegt es bei gerade einmal 0,5 Prozent. Diese Wahrscheinlichkeit hat sich in den vergangenen Jahren so gut wie nicht verändert. Demgegenüber ist der durchschnittliche Gewinn, der Garantiesparern entgeht, massiv gestiegen. Um den Nutzen der zusätzlichen Sicherheit einzuschätzen, kommt es auf dieses Preis-LeistungsVerhältnis an – und das hat sich in den vergangenen 15 Jahren wegen der stark gesunkenen Zinsen maßgeblich zulasten der Garantieprodukte entwickelt.

Es ist daher kein Wunder, dass auch Rentenversicherer inzwischen mehr und mehr Policen mit teilweise auf null reduzierten Beitragsgarantien verkaufen. In der betrieblichen Altersvorsorge sind Produkte auf dem Vormarsch, die maximal 80 Prozent der eingezahlten Beiträge garantieren, in der Basisvorsorge und der flexiblen Altersvorsorge setzen Gesellschaften auf Fondsrenten, die sogar ganz darauf verzichten, Sparern vorab zu versichern, was am Ende herauskommt.

Auch nach Rentenbeginn sollte das Kapital zumindest teilweise investiert bleiben, sodass es sich weiter mehren kann

Vermehren statt verwahren

Was in der Ansparphase einer Rentenversicherung gilt, trifft auch für die Auszahlungsphase zu: Mehr Risikobereitschaft zahlt sich aus. Die Policen bieten vom Eintritt ins Rentenalter an ein Leben lang eine feste monatliche Zahlung – und schützen davor, dass einem irgendwann das Geld ausgeht. „Das ist die wichtigste Garantie einer Rentenversicherung: Sie sichert die Lang­lebigkeit ab“, sagt Thorsten Dasbach, Vorsorgespezialist bei Swiss Life Deutschland.

Auch Rentner sollten freilich nicht das Sparen lassen. Heute 67-Jährige werden im Schnitt noch rund 21 Jahre leben. „Da ist es überaus sinnvoll, das, was man in den Jahrzehnten zuvor in die Versicherung eingezahlt hat, nicht nur zu verwahren, sondern zu vermehren“, sagt Dasbach. Versicherer waren hier in der Vergangenheit nicht sonderlich kreativ. Bei den verbreiteten Klassik-Verträgen fließt das angesparte Kapital zum Rentenbeginn in den sogenannten Deckungsstock – und damit fast vollständig in festverzinsliche Wertpapiere. Die aus dieser Anlage resultierenden Überschüsse werden dem Vertrag zwar gutgeschrieben, sind aber ziemlich mau: Der sogenannte Rentenfaktor, also die ­Monatsrente, die Sparer pro 10.000 Euro angespartem Kapital garantiert erhalten können, liegt bei guten Verträgen heute nur noch bei etwa 25 Euro. Das entspricht gerade einmal drei Prozent Rendite im Jahr und reicht kaum aus, die langjährige Inflation auszugleichen.

Wer sich für geringere Garantien entscheidet, kann gut und gern doppelt so viel erwarten. Und das nicht nur bis zum Rentenbeginn, sondern auch danach. Der Trick heißt hier ebenfalls: Verzicht auf allzu hohe Garantien. Auf dem Markt sind inzwischen mehrere Modelle verfügbar. Rentner, die nicht das Risiko eingehen wollen, dass ihre Bezüge irgendwann doch einmal zurückgehen, kommen mit modernen Verträgen, bei denen das Geld weiter investiert wird, statt bloß im Deckungsstock zu verharren, auf etwa 3,8 Prozent Rendite pro Jahr. Wer sich mit der Zusage zufriedengibt, dass die Rente in den ersten drei Jahren auf keinen Fall sinkt, kann mit 4,5 Prozent Verrentungsrendite rechnen. Und alle, die die garantierte Rentenhöhe schon nach zwölf Monaten freigeben, um stärker vom Kapitalmarkt zu profitieren, kommen im besten Falle an sechs Prozent Rendite heran. So ist beispielsweise der neue Tarif Swiss Life Maximo kalkuliert, bei dem das Altersvorsorgevermögen in der Rentenbezugsphase in Fonds investiert bleibt.

Keiner der Versicherten muss sich sorgen, im Alter ohne Geld dazustehen: Erstens leisten auch die modernen Policen gewisse Garantierenten. Und zweitens sorgen Sicherungsmechanismen dafür, dass bei einer guten Wertentwicklung an den Kapitalmärkten nicht nur die Rente wächst, die sie aktuell an ihre Rentner auszahlen, sondern auch die Mindestrente steigt. Das ist viel mehr wert als eine Garantie auf wenig.

von Olaf Wittrock

Rentencheck

Wie viel Geld benötige ich im Alter?
Das hängt von der individuellen Lebenssituation ab. Wer etwa mietfrei im Eigenheim wohnt, braucht weniger, wer pflegebedürftig wird und dagegen nicht versichert ist, deutlich mehr. Eine Faustregel lautet: 80 Prozent des letzten Nettogehalts sollten auch im Alter nach Steuern zur Verfügung stehen, damit keine Abstriche im Alltag gemacht werden müssen. Die gesetzliche Rente bringt jedoch weniger als 70 Prozent – vor Steuern und Sozialabgaben. Um die Lücke zu schließen, sollte man, so die zweite Faustregel, sein ganzes Erwerbsleben lang insgesamt ein Fünftel des verfügbaren Einkommens zurücklegen. Wer keine Ansprüche auf eine gesetzliche Rente hat, muss mehr sparen.

Wie lange reicht die Rente?
Wer mit 100.000 Euro privatem Startkapital in Rente geht, kann theoretisch 30 Jahre lang jeden Monat 418 Euro davon ausgeben, wenn er das Geld mit 3 Prozent Rendite am Kapitalmarkt anlegt. Danach ist das Kapital aufgezehrt. Soll der Kapitalstock stattdessen erhalten bleiben, sodass auf dem Sterbebett noch 100.000 Euro übrig sind, lassen sich immerhin 246 Euro entnehmen. Das entspricht dann in etwa dem Betrag, den heute auch eine klassische Rentenpolice zahlt.

Wie wirkt sich die Inflation aus?
Die schleichende Geldentwertung sorgt dafür, dass alles von Jahr zu Jahr teurer wird. Über 30 Jahre verliert eine gleichbleibende Rente an Kaufkraft. Bei 2 Prozent Inflation pro Jahr bräuchte man in 20 Jahren schon die anderthalbfache Rente, um denselben Warenkorb zu kaufen. In 35 Jahren wäre sogar die doppelte Summe nötig. Das funktioniert nur mit einem höheren Kapitalstock oder einer Rendite von weit über 3 Prozent.

Wer selbst rechnen will:
Das Deutsche Institut für Altersvorsoge (DIA) bietet auf seiner Website mehrere kostenlose Rentenrechner an: sparplan.dia-vorsorge.de 

 


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Fotos: istock/Daisy-Daisy; Illustration: www.noamweiner.com
Ein Autounfall veranlasste vor 121 Jahren eine englische Versicherung, die erste Kraftfahrzeug-Police anzubieten

Ein Spaziergang vorm Crystal Palace in London wurde Bridget Driscoll 1896 zum Verhängnis. Mit ihrer 16-jährigen Tochter war sie wohl auf dem Weg zu einer Tanzveranstaltung gewesen. Als die beiden Frauen die Straße überquerten, wurde die Mutter von einem Auto erfasst. Sie soll so erstaunt über das sich nähernde Fahrzeug gewesen sein, dass sie sich nicht mehr rührte. Der Fahrer sagte, er habe geschrien und gehupt, den Unfall aber nicht verhindern können. Mit sieben Stundenkilometern erfasste er die Frau, die kurz darauf starb.

Was sich heute wie ein alltägliches Unglück liest, war damals eine Sensation. Autos waren auf Londons Straßen noch selten, die Geschwindigkeit im Vergleich zu heute minimal. Driscoll gilt als erstes Opfer eines Autounfalls und als Auslöser dafür, eine Kfz-Versicherung in England zu gründen. Autobesitzer konnten sich damit zum ersten Mal gegen Schäden absichern. Und Unfallopfer mussten eine Schadenersatzzahlung nicht selbst mit dem Fahrer aushandeln.

Rund drei Jahre später etablierte sich auch in Deutschland die Kfz-Police. Der Stuttgarter Verein legte eine „Haftpflicht-, Unfall- und Karambolage-Versicherung“ für Fahrzeuge auf. Heute gibt es in Deutschland rund 100 Kfz-Versicherer. Die ersten Haftpflichtverträge waren aus heutiger Sicht teils kurios. Mit einer einmaligen Prämie konnten sich Autofahrer auf Lebenszeit versichern, unabhängig vom Fahrzeug. Mittlerweile haben Versicherte jedes Jahr im Herbst die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Einige Gesellschaften unterschätzten die Tempozunahme neuer Autos und boten Verträge zu sehr geringen Prämien an. Später berechneten sich viele Beiträge nach der Zahl der Sitze im Fahrzeug. Es gab kaum Erfahrungswerte mit Autounfällen, deshalb wurden die Prämien geschätzt. Immer wieder gingen Versicherer pleite, weil sie die Schadenshöhen völlig falsch kalkuliert hatten. Erst nach und nach entwickelte sich ein einheitliches System zur Berechnung.

1901 kam die erste Fahrzeugunfallversicherung auf den Markt, ein Vorläufer der Kaskoversicherung für Autos. Damit konnten zum ersten Mal auch Schäden am eigenen Auto versichert werden. Die Haftpflichtversicherung blieb für die meisten deutschen Autobesitzer lange Zeit freiwillig. Nur Fahrlehrer, Lkw-Fahrer oder „Personenbeförderer“, also etwa Taxifahrer, mussten in der Anfangszeit eine Versicherung nachweisen. Erst seit dem 1. Juli 1940 ist sie für alle Autobesitzer Pflicht. Der Abschluss einer Kaskoversicherung ist weiterhin freiwillig in Deutschland.

Von Julia Wehmeier

Foto: iStock – ferrantraite; Animationen: Maximilian Schmidt
Ein Unfall hat häufig gravierende Folgen für den Betroffenen. Neben körperlichen Einschränkungen belasten oftmals hohe Kosten das weitere Leben, denn die gesetzliche Unfallversicherung zahlt nur in manchen Fällen. Ein Blick auf UNGLÜCKSURSACHEN UND -FOLGEN
GEFAHRENSCHWERPUNKT WOHNZIMMER

Die schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) untersucht regelmäßig, wo die meisten Unglücke daheim geschehen. Die Ergebnisse lassen sich auf Deutschland übertragen.

Orte von Heimunfällen in der Schweiz 2009 bis 2013, in Prozent*


ZU HAUSE KNALLT’S
AM HÄUFIGSTEN

Die meisten Unfälle geschehen hierzulande daheim und bei Freizeitaktivitäten. In diesen Fällen greift nicht die gesetzliche Unfallversicherung. Sie zahlt nur bei Unglücken am Arbeitsplatz und in der Schule sowie auf dem Arbeits- oder Schulweg.

Lebensbereiche, in denen Unfälle passieren, in Prozent.

1Wohngebäude, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft / 2Sturm/Hagel, ab 1999 auch Elementar, hochgerechnet auf Bestand und Niveau 2016 / 32014 und 2015: vorläufiges Ergebnis / 42016: Schätzung


LIEBER DIE LEITER NEHMEN

Mal eben kurz die Gardine aufhängen und dafür auf Stuhl oder Tisch steigen? Schlechte Idee! Viele Unfälle daheim geschehen aus purem Leichtsinn.

Gegenstände, die häufig bei Heimunfällen im Spiel sind 2010, in Prozent


DAS WIRD TEUER

Die gesetzliche Unfallversicherung zielt vor allem darauf ab, die Arbeitskraft wiederherzustellen. Viele Folgeausgaben für Rehabilitation oder Pflege sind nur durch eine private Police abgedeckt.

Beispielhafte Ausgaben für Hilfsmittel und ärztliche Maßnahmen nach Unfällen, in Euro


Quelle (1): bfu, 2016

Quelle (2): Todesursachenstatistik, Straßenverkehrsunfallstatistik, Statistiken der gesetzlichen Unfallversicherungsträger, Robert-Koch-Institut, 2014

Quelle (3): Robert-Koch-Institut, 2013

Quelle (4): Swiss Life Deutschland, eigene Berechnungen, 2017

Fotos: istock/Photobuay, Privat

Mein VL-Sparplan ist fällig. Was kann ich mit dem angesparten Vermögen machen?

 

Robin Ganser, 30, ist seit acht Jahren als selbstständiger Finanzberater für tecis in Hamburg tätig und Spezialist für Geldanlage und Immobilienfinanzierung. Daher wird er oft von Kunden gefragt, wie sie ihre vermögenswirksamen Leistungen rentabel anlegen können

In Deutschland haben schätzungsweise mehr als 20 Millionen Arbeitnehmer Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen, kurz VL. Das ist zusätzliches Geld zum Gehalt, das für den Vermögensaufbau bestimmt ist. Der Arbeitgeber zahlt steuer- und sozialversicherungsfrei monatlich einen Betrag bis zu 40 Euro, der in verschiedene Sparprodukte angelegt werden kann. Je nach Vertrag kann der Arbeitnehmer die Summe aufstocken. Anerkannt sind Anlageformen wie Fonds-, Banksparpläne oder Bausparverträge. Vermögenswirksame Leistungen können sogar zur Tilgung eines Baukredits verwendet werden. Für viele Beschäftigte lohnt sich das VL-Sparen besonders, weil sich auch der Staat – bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze – an der Vermögensbildung beteiligt.

Ein weiterer Vorteil des VL-Sparens: Die Laufzeit des Vertrags ist begrenzt. In der Regel wird sechs Jahre lang eingezahlt, dann ruht er weitere zwölf Monate. So können Sie alle sieben Jahre prüfen, ob das einst gewählte Anlageprodukt noch zu Ihren Plänen und Renditezielen passt. Danach stehen Ihnen grundsätzlich zwei Optionen offen: Sie können den Vertrag weiterlaufen oder sich das Geld auszahlen lassen und zu einem anderen Anlageprodukt wechseln.

Letztere Option kommt zum Beispiel infrage, wenn Sie sich in der Zwischenzeit eine Immobilie zugelegt haben, die über ein Darlehen finanziert wird. Dabei können Sie die vermögenswirksamen Leistungen einsetzen, um den Kredit schneller zu tilgen. Bei einem Darlehen von 200.000 Euro mit einem Zinssatz von zwei Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren verringert sich die Restschuld um 5000 Euro, wenn Sie monatlich 40 Euro aufs Kreditkonto einzahlen.

Wer sein angespartes Vermögen einfach nur vermehren möchte, hat mit einem Fondssparplan auf lange Sicht die höchsten Renditechancen. Dabei investieren Sie das Geld zum Beispiel in Aktien oder Immobilien. Bei einem monatlichen Sparbeitrag von 100 Euro und einer durchschnittlichen Verzinsung von sechs Prozent können nach 20 Jahren mehr als 45.000 Euro zusammenkommen. Zudem ist bei einen Sparplan auf Investmentfonds die Zulage vom Staat am höchsten. Die Förderung beträgt 20 Prozent des eingezahlten Betrags, maximal jedoch 80 Euro im Jahr. Bei einem Banksparplan, der zwar feste, aber niedrige Zinsen bietet, gibt es im Vergleich dazu keine Zulagen.

Wenn Sie also weiterhin Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen haben, können Sie zwischen verschiedenen Optionen wählen. Nur für eine sollten Sie sich nicht entscheiden: auf das Geld zu verzichten. Schließlich wird es Ihnen geschenkt.

 


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Foto, Illustrationen: Westend61/Getty Images, LisLud/istock
Der erste Arbeitsvertrag ist unter­schrieben, die Wohnung in der neuen Stadt angemietet – doch was ist mit den Privatfinanzen? Womit sich junge Berufsstarter jetzt befassen sollten

Wenn das erste Gehalt auf dem Konto eingegangen ist, denken viele Berufseinsteiger vor allem an Urlaub oder Autokauf. Doch jetzt sollten sie auch die eigene Absicherung in Angriff nehmen. Während junge Menschen in der Schulzeit und im Studium in vielen Fällen noch über die Eltern mitversichert sind, müssen sie sich nun selbst um ihren Schutz kümmern. Ein Überblick über die wichtigsten Produkte:

KRANKENVERSICHERUNG Spätestens mit dem ersten Gehalt müssen Jobstarter eigenständig versichert sein. Sie können zwischen den Angeboten von mehr als 100 gesetzlichen Krankenkassen wählen. „Die Angebote zu vergleichen lohnt sich“, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wichtiges Kriterium ist die Höhe des Zusatzbei­trags: Neben dem gesetzlichen Beitragssatz von 14,6 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens erheben die Versicherer einen Aufschlag zwischen 0,3 und 1,8 Prozent. Selbst wenn eine private Krankenvollversicherung für viele Berufseinsteiger noch keine Option ist (das Mindesteinkommen bei Angestellten liegt bei 56.700 Euro), können sie weitere Leistungen privat dazubuchen, etwa über eine Zahn- oder eine Krankenhauszusatzversicherung. Zusätzlich lohnt sich eine Auslandskrankenversicherung, die beispielsweise die Kosten übernimmt, wenn der Reisende wegen eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung ausgeflogen werden muss. Singles zahlen für eine Jahresversicherung ab 5 Euro, Familien ab 15 Euro.

HAFTPFLICHT „Jeder sollte eine private Haftpflichtversicherung haben“, sagt Verbraucherschützer Opfermann. Sie zahlt, wenn man ohne Absicht bei Dritten einen Schaden verursacht. Das kann schnell teuer werden: Übersieht zum Beispiel ein Radfahrer einen Fußgänger und verletzt ihn, laufen schnell Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro auf.
Während der ersten Ausbildung sind Kinder über ihre Eltern versichert, manchmal gelten allerdings besondere Altersgrenzen. Danach sind junge Menschen auf sich selbst gestellt.

KRAFTFAHRZEUG Mit dem Berufsstart lässt das erste eigene Auto oft nicht lange auf sich warten. Für das eigene Fahrzeug benötigt man in jedem Fall eine Kfz-Haftpflichtpolice. Versichert sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die in der Regel vom Fahrer verursacht werden. Teil- beziehungsweise Vollkaskopolicen decken Schäden am eigenen Fahrzeug.

BERUFSUNFÄHIGKEIT Experten, etwa von der Stiftung Warentest, raten Jobstartern dringend, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. Sie sichert die Arbeitskraft ab, sodass man auch nach einem Unfall oder bei einer schweren Krankheit für den eigenen Lebensunterhalt sorgen kann. Der Staat zahlt zwar eine Erwerbsminderungsrente, doch die fällt sehr gering aus. Und Anspruch darauf hat nur, wer mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat. Je früher die BU-Police abgeschlossen wird, desto niedriger sind die Beiträge. Die Prämien unterscheiden sich je nach Leistung und Versicherungslaufzeit. Wer monatlich 1000 Euro Rente anstrebt, die bis zum Alter von 65 Jahren gezahlt werden soll, muss laut Verbraucherzentrale mit Kosten zwischen 30 und 50 Euro pro Monat rechnen. Als Alternativen eignen sich oft ­Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-­Policen. Auch eine gute Unfallversicherung schützt den Berufsstarter vor unerwarteten Kosten.

HAUSRAT Eine Hausratversicherung deckt Schäden an Wohnung und Inventar ab, die zum Beispiel durch Einbruch, Feuer oder Wasser verursacht wurden. Studenten und Auszubildende sind meist über ihre Eltern abgesichert. Für Berufseinsteiger kann sich eine Hausratpolice lohnen, wenn sie zum Beispiel ein teures Fahrrad mitversichern möchten, ist das über eine Zusatzoption möglich. Bei kleinen Wohnungen kostet die Police rund 50 Euro im Jahr. Die Prämie hängt ab von Wohnfläche, Wohnort und Schadensarten, die mitversichert werden sollen.

VERMÖGENSWIRKSAME LEISTUNG Beim Jobantritt lohnt sich die Nachfrage beim Arbeitgeber, ob dieser vermögenswirksame Leistungen anbietet. Dabei gibt der Chef Geld zum Vermögensaufbau dazu, und zwar aktuell bis zu 40 Euro pro Monat. Je nach Anlageform zahlt der Staat zusätzlich Sparzulagen. Gefördert werden unter anderem Bausparverträge, Bank- und Fondssparpläne.

ALTERSVORSORGE Kaum ein Berufseinsteiger setzt sich gern mit seiner Altersvorsorge auseinander. Doch auch hier sind die Bedingungen am besten, wenn möglichst früh ein Vertrag abgeschlossen wird. Für viele attraktiv ist die staatlich geförderte Riesterrente: Als Zulage locken zurzeit pro Jahr wenigstens 154 Euro, wenn ein Mindestbetrag eingezahlt wird. Bis zum 25. Lebensjahr wird aktuell zusätzlich ein Berufseinsteigerbonus von 200 Euro gewährt.


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Fotos: xijian/istock, Graffizone/istock, PR, Daimler AG

Wie Geringverdiener künftig stärker von der betrieblichen Altersversorgung profitieren sollen, verraten wir unter anderem in unseren aktuellen Finanz- und Steuertipps

STEUERN
Fiskus sponsert neuen Laptop

Neuerdings erkennt das Finanzamt die Kosten für einen neuen Laptop auch dann an, wenn das Gerät privat genutzt wird, schreibt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Früher musste der Rechner mindestens zu 90 Prozent dem Job dienen, heute können es auch nur zwei Drittel sein. Allerdings erkennt der Fiskus nur den beruflichen Nutzungsanteil als Werbungskosten an. Lässt sich der Umfang nicht nachweisen, wird dieser geschätzt. Dabei spielt es eine Rolle, welchen Beruf der Steuerzahler ausübt und wie naheliegend eine dienstliche Nutzung ist. Büroangestellte etwa könnten demnach mindestens 50 Prozent des Kaufpreises ansetzen. Außendienstmitarbeiter haben gute Chancen, ohne Nachweis 100 Prozent geltend zu machen.


ZAHLUNGSMITTEL
Jung und flüssig

Jugendliche und junge Erwachsene zahlen bei Aufenthalten im Ausland am liebsten bar. Einer TNS-Emnid-Umfrage (Mai 2017) im Auftrag der Postbank zufolge bestücken 95 Prozent der 14- bis 29-Jährigen ihre Reisekasse mit Münzen und Scheinen, weil sie diese als das sicherste Zahlungsmittel im Ausland empfinden (63 Prozent) und obendrein als das günstigste (55 Prozent). Eine irrige Annahme, wie Silke Haack von der Postbank bestätigt: „Wer ausschließlich Bargeld mit auf Reisen nimmt, geht ein unnötiges Sicherheits­risiko ein.“ Neben einem überschaubaren Bargeldbestand von maximal 150 Euro gehör­ten immer auch Bankkarten ins Reisegepäck. Diese ließen sich bei Diebstahl immerhin sperren, während Bargeld unwiederbringlich verloren sei.


GESUNDHEIT
Gute Zähne gehen ins Geld

Sind die eigenen Zähne nicht mehr intakt, steht früher oder später Ersatz an – und das kann teuer werden. Zahnkronen oder -brücken kosten Hunderte, nicht selten sogar Tausende Euro. Laut der Studie „Zahnersatzkosten 2017“, die die Internetplattform Kosten-beim-zahnarzt.de Ende April veröffentlichte, zahlen 41 Prozent aller Patienten zwischen 50 und 1000 Euro für Zahnersatz. 19 Prozent geben sogar mehr als 5000 Euro aus. Die Krankenkassen übernehmen meist nur einen Bruchteil der Kosten – deshalb wird oftmals der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung empfohlen, die je nach Leistungsspektrum bis zu 100 Prozent der Kosten trägt. Der Beitrag variiert je nach Alter des Patienten und dem Gesundheitszustand der Zähne.


BETRIEBSRENTE
Mehr Anreize für Unternehmen

Geringverdiener sollen künftig stärker von der betrieblichen Altersversorgung (bAV) profitieren. Ab 2018 können Unternehmen Mitarbeitern auf der Grundlage von Tarifverträgen Betriebsrenten anbieten, ohne Mindesthöhe und Auszahlung garantieren zu müssen. Zusätzlich erhalten Arbeitgeber Zuschüsse, wenn sie für Mitarbeiter bis zu einem monatlichen Einkommen von 2200 Euro einen Betrag von 240 bis 480 Euro in eine Betriebsrente einzahlen. bAV-Leistungen werden zudem künftig nicht mehr mit der Grundsicherung im Alter verrechnet.

IMMOBILIENFINANZIERUNG
Deutsche Bauherren lieben Langläufer

Die Bundesbürger binden sich bei der Baufinanzierung immer länger an ihren Kreditgeber. Das zeigen Daten der Deutschen Bundesbank: Während 2009 der Anteil von Darlehen mit Lauf­zeiten von mehr als zehn Jahren noch bei etwa 25 Prozent lag, waren es 2016 bereits mehr als 40 Prozent. Die Bauherren wollen möglichst lange von den derzeit günstigen Zinsen profitieren und nehmen dafür Aufschläge gegenüber kurz laufenden Krediten in Kauf. Die Konditionen zwischen den unterschiedlichen Anbietern variieren. tecis prüft die Kon­ditionen von 240 Kredit­gebern und ermittelt das günstigste Angebot für den je­weiligen Zweck.


ALTERNATIVE ANLAGEN
Garagengold legt weiter zu

Die Preise für historische Fahrzeuge sind 2016 wieder gestiegen – laut Deutschem Oldtimer Index (im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie) durchschnittlich um 4,4 Prozent. Am höchsten fiel die Wertsteigerung beim Mercedes 190 („Ponton“, Foto) aus. Er legte um 48 Prozent zu, dicht gefolgt vom Youngtimer Toyota MR2 (40 Prozent) und dem Mercedes 190 SL (34 Prozent). Auch langfristig erwiesen sich sowohl Alltagsautos als auch exotische Sportwagen als besonders lukrativ. Seit dem Start des Index 1999 legten der VW-Bus T2 (plus 600 Prozent), der Citroën 2CV „Ente“ (490 Prozent) und der Mercedes-Benz 300 SL „Flügeltürer“ (426 Prozent) am stärksten zu.

Illustrationen: Norbert Fuckerer
Zu teuer, zu aufwendig, zu kompliziert: Viele Bürger schieben das Thema Altersvorsorge vor sich her. Dabei bringt eine regelmäßige Überprüfung Klarheit – und häufig Tausende Euro extra

Zwei Arten von Kunden begegnen Finanzberatern immer wieder: Die einen kommen mit leeren Händen, die anderen mit vollen Ordnern. Beiden steht die Verwirrung ins Gesicht geschrieben: Welche Produkte brauche ich für die Altersvorsorge? So rätseln die Jüngeren. Passen unsere Verträge noch zur Lebensplanung? Das fragen sich die etwas Älteren.

„Viele Leute haben verstanden, dass sie etwas tun müssen, wenn sie im Alter ihren Lebensstandard halten wollen“, sagt Louisa Peggau, Produkt­managerin für Altersvorsorge bei Swiss Life Deutschland, „und das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung.“ Wie groß die erforderliche Summe sein sollte und mit welchen Finanzprodukten sie sich erwirtschaften ließe, sei ihnen allerdings oft nicht bewusst. So hat das Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold festgestellt, dass ein Viertel der deutschen Paare sein Geld bestenfalls auf mager ver­zinsten Tagesgeldkonten hortet. Berücksichtigt man die Inflation, wird hier Geld vernichtet. Knapp 20 Prozent der Befragten streuten ihr Vermögen zwar über mehrere Anlageformen (was prinzipiell sinnvoll ist), wechselten jedoch oft unstet hin und her (was Kosten produziert und die Erträge nachhaltig drückt).

Andere wiederum, so Peggaus Erfahrung, entschieden sich einmal für ein Produkt, schauten sich die Verträge dann jedoch für lange Zeit nicht mehr an. Diese Planlosigkeit stellt für die Finanz­expertin das größte Problem bei der effektiven Altersvorsorge dar: „Das kann gefährlich große Lücken produzieren.“ So wie bei Stefan K. Der 35-Jährige hat 2011 eine Lebensversicherung abgeschlossen. Er weiß, dass die gesetzliche Rente bis zu seinem Ruhestand nur magere 44 Prozent seines letzten Netto­gehalts abdecken wird – Tendenz fallend. Die private Police würde später inklusive Überschüssen einmal 106.000 Euro abwerfen, hieß es damals.

Der Fluch der Minizinsen
Mittlerweile veranschlagt die Versicherungsgesellschaft die voraussichtliche Auszahlsumme auf nur noch 77.000 Euro. Grund hierfür sind vor allem die Niedrigzinsen, die seit Jahren die Erträge der Versicherer empfindlich schmä­­­lern. Bei Stefan K. klafft also eine Lücke von rund 30.000 Euro in der privaten Altersvorsorge – sofern er nichts dagegen unternimmt.

Der Fall zeigt: Ein Finanzprodukt zu kaufen und 30 Jahre unbeobachtet liegenzulassen, ist riskant. Wer sich zum Beispiel allein auf eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung verlässt, bekommt nach 30 Jahren Sparphase bei 100 Euro monatlicher Einzahlung derzeit fast ein Drittel weniger heraus als ursprünglich veranschlagt.

Nun sollte man solche Verträge aus diesem Grund nicht voreilig kündigen. Ein Garantiezins (im Versicherungsjargon: Höchstrechnungszins) von bis zu vier Prozent ist aus heutiger Sicht höchst attraktiv. Policen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind zudem steuerlich begünstigt. Um auf die einst prognostizierte Auszahlungssumme zu kommen, muss man jedoch zusätzlich Geld zurücklegen. Wie hoch die Summe sein sollte und welche Verträge sich eignen, um die Lücke zu schließen, lässt sich am besten im Gespräch mit einem Berater erörtern.

Die Experten kennen die Gründe, warum sich viele Menschen vor der Auseinandersetzung mit ihrer Altersvorsorge drücken: Die Zahl an Finanzprodukten ist schier unüberschaubar, Kosten und Renditen sind für Laien kaum vergleichbar. „Junge Menschen überschätzen zudem oft, wie viel Geld sie sparen müssen, um einen bestimmten Betrag zu erwirtschaften“, sagt Peggau. Bei einem Finanzcheck stellt sich schnell heraus, dass 200 Euro monatlich reichen, um bei einer angenommenen jährlichen Rendite von sechs Prozent mit 67 Jahren (nach Abzug der Versicherungskosten) eine Zusatzrente von 900 Euro zu erhalten. Wenn man als 30-Jähriger beginnt. Wer erst mit 40 startet, braucht 350 Euro, und mit 45 Jahren sind schon 500 Euro im Monat nötig. Ein echtes Argument für den Frühstart also.

Zudem gilt: Durchhalten! „Altersvorsorge sollte man als Langfristprojekt betrachten“, so Peggau. Und im Auge behalten, dass sich die Lebensumstände immer wieder ändern: Mit 30 sorgen noch viele für sich allein vor, mit 40 oftmals schon für Partner und Kinder. Später reduzieren womöglich Hauskredite oder Trennungskosten das verfügbare Einkommen und damit die Möglichkeit, regelmäßig Geld zurückzulegen.

Dass die Vorsorgestrategie, für die man sich in jungen Jahren entschieden hat, da oft nicht mehr passt, liegt auf der Hand. Eine regelmäßige Überprüfung mit einem Profi stellt sicher, dass Ziele und finanzielle Möglichkeiten immer wieder miteinander in Einklang gebracht werden.

So gibt’s die volle Förderung

Viele Sparer verschenken bares Geld, weil sie es versäumen, die staatlichen Zulagen abzurufen, die ihnen zustehen – oder weil sie die jährlichen Sparbeträge nicht genügend aufstocken. Bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) gilt: Maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze können vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen eingezahlt werden, das sind zurzeit 254 Euro monatlich oder 3048 Euro im Jahr – also rund 70 Euro mehr als 2016. Weitere 1800 Euro kann man zusätzlich steuerfrei drauflegen.

Bei Riesterverträgen muss der Sparer vier Prozent seines Vorjahresbruttos in den Vertrag stecken, um die Gesamtzulage einzustreichen, bei einem Gehalt von 50.000 Euro also 2000 Euro. Hiervon abzuziehen sind zurzeit 154 Euro für den Riester-Berechtigten, 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, und 300 Euro für jedes jüngere Kind. Ein Riestersparer mit zwei kleinen Kindern muss also 1246 Euro selbst aufbringen, der Staat stockt auf 2000 Euro auf. Wichtig: Bei Gehaltssprüngen sollte man den eigenen Beitrag erhöhen, um in den Genuss der vollen Förderung zu kommen.

Bei Rürupverträgen (Basisrente) lassen sich in diesem Jahr 84 Prozent der Beiträge steuerlich absetzen. Je höher die Einzahlung, desto höher die Steuerersparnis. Die Obergrenze liegt zurzeit bei 23.362 Euro für Alleinstehende und 46.724 Euro für Verheiratete, wenn diese zusammen veranlagt werden.

Drei-Punkte-Plan fürs Alter
Vor allem drei Punkte sollten spätestens alle paar Jahre betrachtet werden: Erstens: Wie hoch wird die gesetzliche Rente nach jetzigem Stand ausfallen? Und wie viel fehlt später, um auf zwei Drittel des jetzigen Nettogehalts zu kommen? So hoch sollten die Einkünfte mindestens sein, sagen Ruhestands­berater. Zweitens: Kann ich zusätzlich Module wie die betriebliche Altersversorgung (bAV) nutzen? Die Mehrheit der Arbeitgeber bietet ihren Beschäftigten Pensions­lösungen an, die steuerlich gefördert werden. Die Beiträge schmälern zwar das Bruttogehalt, schonen aber das Nettoeinkommen.

Allerdings schöpfen nur fünf Prozent aller Mitarbeiter die Entgelt­umwandlung vollständig aus. Die meisten nutzen sie gar nicht oder sparen zu wenig. Oft auch, weil sie vergessen, den Sparbeitrag bei Gehaltserhöhungen aufzustocken. Hier gilt: Nachlegen (siehe Kasten oben)!

Und drittens: Wie steht es ums private Sparen? Für regelmäßige Rücklagen eignen sich die flexible Privatvorsorge sowie die staatlich geförderte Riestervorsorge. Letztere nutzen längst nicht alle Berechtigten, obwohl sie bares Geld in Form von Zulagen einstreichen könnten. Allein die Zulagen und Steuervorteile sorgen in der Sparphase für ansehnliche Renditen.

Garantien kosten Rendite
Auch Rentenpolicen kommen für Vorsorger nach wie vor infrage. Sie bieten eine verlässliche Auszahlung und disziplinieren durch fixe Raten, das eigene Vorsorgeziel nicht aus dem Auge zu verlieren. Auf Zinsversprechen sollte man allerdings möglichst verzichten, empfiehlt Louisa Peggau: „Garantien kosten den Versicherten viel Rendite.“ Policen, bei denen der Großteil der monatlichen Prämie in Investmentfonds angelegt wird, bieten auf lange Sicht höhere und nachhaltigere Erträge als klassische Verträge. „Das verbessert die Chancen, die persönlichen Finanzziele im Alter zu erreichen“, so Peggau.

Stefan K. hat folgenden Plan aufgestellt: Den Altvertrag zu erhöhen, scheidet als Option aus, da der Versicherer nicht die alten Rechnungsgrundlagen garantiert, sondern nur die aktuellen, deutlich weniger attraktiven. Da K.s Gehalt gestiegen ist und er mittlerweile Frau und Kinder hat, wird er mit 50 Euro monatlich „riestern“, um die vollen Zulagen auszuschöpfen. Und den Termin für den nächsten Finanz-Check-up in einem Jahr hat er sich bereits in den Kalender eingetragen.

Von Melanie Kegel


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