Police ist gleich Police? Von wegen. Viele Versicherungen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand. Tarifwerke wurden zwischenzeitlich verbessert, Zusatzleistungen lassen sich in die Verträge mit aufnehmen. Wie Sie Ihren Schutz optimieren

Elvira schlug erbarmungslos zu. Als das Sturmtief am 29. Mai über den Norden und Osten Baden-Württembergs zog, fiel stellenweise in wenigen Stunden so viel Regen wie sonst in mehreren Monaten. Besonders heftig traf es den 900-Einwohner-Ort Braunsbach in der Nähe von Schwäbisch Hall, wo eine Schlammlawine insgesamt 145 Häuser beschädigte. Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen sprangen ein – aber nur, wenn die Policen einen zusätzlichen Elementarschutz enthielten. Den hatten jedoch nur wenige Braunsbacher abgeschlossen.

Von den knapp 430 Millionen Verträgen, die Bundesbürger laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) abgeschlossen haben, sind etliche in die Jahre gekommen. Wichtige Komponenten fehlen, Leistungsumfänge sind veraltet. Zwar bieten die Policen Schutz, aber keinen optimalen. „Die Versicherungstarife wandeln sich stark, vor allem in den Sparten Wohngebäude, Hausrat und Haftpflicht“, sagt Carsten Alisch, Produktmanager für den Komposit­bereich bei Swiss Life Deutschland.

Nach der Flut 
Die Schlammlawine nach den starken Regenfällen am 29. Mai richtete in Braunsbach einen Schaden von mehr als 100 Millionen Euro an

Nach der Flut Die Schlammlawine nach den starken Regenfällen am 29. Mai richtete in Braunsbach einen Schaden von mehr als 100 Millionen Euro an

Zusatzschutz für wenig Geld

Elementarschäden, also Schäden durch Starkregen, Lawinen oder Erdrutsche, gehörten bis vor wenigen Jahren noch nicht zum typischen Vertragsumfang. Angesichts immer häufiger auftretender Extremwetterereignisse ist eine entsprechende Absicherung jedoch äußerst sinnvoll. „Je nach Wohnort kann die Absicherung von Elementarschäden bereits für wenige Euro Mehrbeitrag pro Monat auch in bestehende Verträge integriert werden“, so Alisch. Dies gelte allerdings nur in Gegenden, die bislang von Großschäden verschont geblieben seien. „Umso wichtiger ist es, den Schutz möglichst frühzeitig zu erweitern“, empfiehlt der Experte.

Zahlreiche Kunden haben veraltete Verträge in ihren Aktenordnern abgeheftet. Bei manch altem Haftpflichtvertrag betrage die Gesamtdeckungssumme gerade mal 500 000 DM. „Das ist definitiv zu wenig“, warnt Alisch. „Wenn Fußgänger oder Fahrradfahrer im Straßenverkehr einen Unfall verursachen, sind durchaus Schäden von weit über 250 000 Euro denkbar.“ Heute sind Deckungssummen von wenigstens 3 Millionen Euro üblich.

Die Beiträge für eine neue Versicherung liegen in der Regel nicht wesentlich über denen für die alte Police. Gute Haftpflichttarife mit 5 Millionen Euro Deckungssumme kosten für Singles ab etwa 45 Euro, für Familien ab etwa 55 Euro pro Jahr. ­Neben der höheren Deckungssumme bietet der Beispieltarif unter anderem eine Absicherung beim Verlust von Schlüsseln, bei Umbauten am eigenen Haus oder bei Situationen, in denen der gegnerische Schadensverursacher nicht über eine Versicherung oder ausreichend eigene finanzielle Mittel verfügt. In anderen Fällen springt die Versicherung sogar auf Wunsch des Kunden ein:  „Wenn mal etwas kaputtgeht, während man einem Freund hilft, wird heute in vielen Tarifen der Schaden bezahlt“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das gilt auch bei deliktunfähigen Menschen, etwa Kindern, die bei einem Umzug helfen.

Bei anderen Versicherungsarten bieten neue Policen oft ebenfalls einen deutlich verbesserten Schutz gegenüber Altverträgen: „Grobe Fahrlässigkeit wird von vielen Gesellschaften heute bei Hausratversicherungen meist ohne Aufpreis mitversichert“, sagt Alisch. Als „grob fahrlässig“ kann es beispielsweise gelten, den Gasgrill auf dem Balkon unbeaufsichtigt direkt am Haus stehen zu lassen, wenn dadurch ein Brand verursacht wird. Gute Policen zahlen dann trotzdem – ebenso wie bei Überspannungsschäden durch Blitzeinschlag. Eine Komfortvariante für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Köln gibt es ab etwa 150 Euro pro Jahr.

Hohes Alter, niedrige Prämien

Viele Vertragsneuerungen spiegeln auch veränderte Lebensgewohnheiten wider. So springen manche Haftpflichtpolicen heute etwa auch dann ein, wenn das studierende Kind während eines Auslandssemesters einen Schaden verursacht. Die Hausratversicherung reguliert häufig auch den Diebstahl des teuren E-Bikes außerhalb des gut gesicherten Kellers. „Viele Versicherungsarten können heutzutage sehr individuell auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt werden“, sagt Alisch. „Dazu ist allerdings eine gute Beratung durch einen Experten notwendig.“

Der regelmäßige Blick in den Versicherungsordner lohnt sich auch aus einem anderen Grund, so der Experte: „Die Wahrscheinlichkeit von Schäden sinkt in vielen Sparten mit zunehmendem Lebensalter. Manche Versicherungen honorieren das mit geringeren Prämien.“

Von Jörg Stroisch


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